Makler-Kammer in der Spermienanalyse: Aufbau, Genauigkeit & Alternativen

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise. Keine Rechts- oder Abrechnungsberatung.

Kurzfassung: Die Makler-Kammer ist eine flache Spermienzählkammer mit einer Kammertiefe von 10 µm, die ohne Verdünnung der Probe die Bestimmung von Konzentration und Motilität in einem Arbeitsschritt erlaubt. Ihr Vorteil liegt im schnellen, direkten Handling an der nativen Probe. Ihre Grenze zeigt sich bei der Genauigkeit: Als WHO-Referenzmethode für die Spermienkonzentration gilt das verbesserte Neubauer-Hämozytometer, und Studien belegen, dass die Makler-Kammer die Konzentration vor allem im niedrigen Bereich (Oligozoospermie) systematisch überschätzt und eine höhere Streuung aufweist. Für die Praxis entscheidend ist ein oft übersehener Punkt: Die Kammer selbst ist günstig – der eigentliche Kostenfaktor ist die geschulte Auswertungszeit. Genau hier setzen automatisierte Spermienanalysegeräte wie der LensHooke X3 Pro (bildbasiert, Einweg-Kassette) oder das SQA-iO (elektrooptisch) an: standardisierter Ablauf, kein Kammer-Handling, kein Reinigungsaufwand.

Die Makler-Kammer gehört zu den klassischen Hilfsmitteln für die manuelle Spermienanalyse. Durch ihre geringe Kammertiefe kann eine native, unverdünnte Probe untersucht werden. Konzentration und Motilität lassen sich dabei direkt in derselben Kammer beurteilen.

Für die praktische Arbeit ist die Makler-Kammer deshalb interessant. Bei der Genauigkeit gibt es allerdings Einschränkungen. Vor allem bei niedrigen Spermienkonzentrationen kann die Methode von einer Referenzmessung abweichen. Wer regelmäßig Spermiogramme durchführt, sollte deshalb neben der Kammer selbst auch den gesamten Untersuchungsablauf betrachten.

Was ist eine Makler-Kammer?

Die Makler-Kammer ist eine spezielle Zählkammer für die Spermienanalyse. Entwickelt wurde sie von Amnon Makler. Charakteristisch ist die Kammertiefe von 10 µm. Damit ist sie deutlich flacher als beispielsweise ein klassisches Hämozytometer.

Die geringe Tiefe hat einen praktischen Vorteil: Die Spermatozoen befinden sich weitgehend in einer Ebene und können unter dem Mikroskop fokussiert betrachtet werden. Eine Verdünnung der Probe ist bei der Makler-Kammer nicht erforderlich.

Das Zählgitter umfasst eine Fläche von 1 mm² und ist in 100 Felder unterteilt. Bei einer Ausführung aus Glas wird die definierte Kammertiefe durch Abstandshalter sichergestellt.

Wie funktioniert die Spermienzählung mit der Makler-Kammer?

Für die Untersuchung wird die gut verflüssigte und homogen durchmischte Samenprobe in die Kammer eingebracht. Anschließend erfolgt die mikroskopische Auszählung.

Bei normalen Spermienkonzentrationen werden die Spermienköpfe in einer Reihe, Spalte oder Diagonale aus zehn Feldern gezählt. Die ermittelte Zahl entspricht dabei direkt der Konzentration in Millionen pro Milliliter.

Bei einer niedrigen Konzentration, beispielsweise bei einer Oligozoospermie, werden alle 100 Felder ausgezählt. Die Beweglichkeit der Spermien kann ebenfalls direkt in der unverdünnten Probe beurteilt werden.

Gerade beim manuellen Ablauf kommt es auf das Timing an. Wird das Deckglas beispielsweise zu spät aufgelegt, können sich bewegliche Spermien innerhalb der Kammer verteilen. Dadurch können sowohl Konzentration als auch Motilität zu hoch eingeschätzt werden. Eine einheitliche Vorgehensweise und ausreichend Erfahrung sind daher für die Auswertung wichtig.

Makler-Kammer oder Neubauer-Kammer?

Die Makler-Kammer und die verbesserte Neubauer-Kammer verfolgen unterschiedliche Ansätze. Die Makler-Kammer ist auf eine schnelle Untersuchung der nativen Probe ausgelegt. Die Neubauer-Kammer wird dagegen als Referenzmethode für die Bestimmung der Spermienkonzentration verwendet.

Auch bei der Vorbereitung unterscheiden sich die beiden Verfahren. Bei der Makler-Kammer wird die Probe unverdünnt untersucht. Bei der Neubauer-Methode erfolgt eine Verdünnung und Immobilisierung der Probe.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Motilitätsbestimmung. Bei der Makler-Kammer kann die Beweglichkeit direkt in derselben Kammer beurteilt werden. Bei der Neubauer-Kammer wird die Konzentration getrennt von der Motilitätsbeurteilung bestimmt.

Für die Auswahl kommt es daher darauf an, welche Anforderungen an Genauigkeit, Arbeitsablauf und Untersuchungszeit bestehen.

Merkmal Makler-Kammer Neubauer improved CASA-/Einweg-Kammer
Kammertiefe 10 µm ~100 µm häufig 10–20 µm
Probe unverdünnt Verdünnung + Immobilisierung unverdünnt, kapillare Befüllung
Konzentration + Motilität in einer Kammer ja nein (Motilität separat) teils (typabhängig)
Präzision (Konzentration) mäßig, höhere Streuung Referenz, niedrigste Streuung typ-/geräteabhängig
WHO-Bezug verbreitet, aber nicht Referenz Referenzmethode für Konzentration teils an WHO 2010 orientiert (20 µm)
Reinigung bei Glas erforderlich erforderlich entfällt (Einweg)

Die Neubauer-Kammer bietet bei der Konzentrationsbestimmung eine höhere Präzision, erfordert dafür mehr Vorbereitung. Die Makler-Kammer lässt sich schneller einsetzen, bringt bei niedrigen Konzentrationen aber methodische Nachteile mit sich. Einweg-Kammern können den manuellen Reinigungsaufwand reduzieren, verursachen dafür laufende Verbrauchskosten.

Einweg oder Mehrweg bei der Makler-Kammer?

Makler-Kammern sind als Mehrweg- und als Einwegvarianten erhältlich. Bei der klassischen Glaskammer kann dieselbe Kammer über längere Zeit verwendet werden. Nach der Untersuchung müssen Kammer und Deckglas allerdings sorgfältig gereinigt und getrocknet werden.

Das kostet Zeit und erfordert einen konsequenten Reinigungsablauf. Wird die Reinigung nicht ausreichend durchgeführt, besteht zudem ein Risiko für Verschleppungen.

Einweg-Zählkammern werden nach der Untersuchung entsorgt. Die Reinigung entfällt und die Befüllung kann bei entsprechenden Systemen standardisiert erfolgen. Dafür entstehen für jede Untersuchung zusätzliche Materialkosten.

Bei der Entscheidung sollte deshalb nicht allein der Anschaffungspreis betrachtet werden. Relevant sind auch der Zeitaufwand für Reinigung und Vorbereitung sowie die laufenden Kosten des Verbrauchsmaterials.

Wie genau ist die Makler-Kammer?

Bei der Beurteilung der Genauigkeit ist der Vergleich mit der Referenzmethode entscheidend. Für die Bestimmung der Spermienkonzentration nennt das WHO-Laborhandbuch das verbesserte Neubauer-Hämozytometer als Referenz.

Die Makler-Kammer ist in der Spermienanalyse weit verbreitet, gilt aber nicht als Referenzmethode für die Konzentrationsbestimmung. Vergleichsuntersuchungen zeigen insbesondere bei niedrigen Konzentrationen Abweichungen gegenüber der Neubauer-Methode.

Unterhalb von etwa 16 Millionen Spermien pro Milliliter wurde in Untersuchungen eine Überschätzung der Konzentration beobachtet. In einzelnen Untersuchungen lag diese im Mittel bei rund 20 Prozent. Bei höheren Konzentrationen nähern sich die Ergebnisse der beiden Methoden stärker an.

Auch die Streuung der Messergebnisse fällt bei der Makler-Kammer höher aus.

Das ist besonders bei einer Oligozoospermie relevant. Hier kann eine relativ kleine Abweichung die Einordnung des Ergebnisses beeinflussen. Bei sehr niedrigen Zellzahlen, etwa im Rahmen einer Vasektomie-Nachkontrolle, gelten wiederum eigene methodische Anforderungen.

Ein Teil der Variabilität entsteht allerdings bereits vor der eigentlichen Zählung. Die Verflüssigung und Durchmischung der Probe, das Auflegen des Deckglases, die Zählweise und die Erfahrung des Untersuchers können das Ergebnis beeinflussen.

Automatisierte Spermienanalysegeräte als Alternative zur manuellen Zählung

Bei regelmäßigen Spermiogrammen kann ein automatisiertes Spermienanalysegerät eine Alternative zur manuellen Auswertung sein. Beispiele sind der LensHooke X3 Pro oder SQA-iO. Das System arbeitet bildbasiert mit einer Einweg-Kassette und kann Konzentration, Motilität, Morphologie, pH und Rundzellen erfassen.

Der manuelle Umgang mit einer Zählkammer entfällt. Auch die anschließende Reinigung einer Glaskammer ist bei der Einweg-Kassette nicht erforderlich.

Welche Kosten entstehen bei der manuellen Zählung?

Eine Makler-Kammer aus Glas ist in der Anschaffung und über ihre Nutzungsdauer vergleichsweise günstig. Bei Einwegkammern entstehen dagegen Kosten pro Untersuchung. Der Materialpreis bildet jedoch nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab.

Bei der manuellen Spermienanalyse fällt vor allem qualifizierte Arbeitszeit an. Die Probe muss vorbereitet, die Kammer befüllt und anschließend unter dem Mikroskop ausgewertet werden. Je nach Konzentration kann eine größere Anzahl an Feldern zu zählen sein. Auch die Beurteilung der Motilität nimmt Zeit in Anspruch.

Hinzu kommen Anforderungen an die Qualitätssicherung. Die Durchführung muss standardisiert erfolgen. Dazu gehören unter anderem Doppelbestimmungen und Ringversuche nach den entsprechenden Vorgaben.

Bei einer Mehrwegkammer kommt der Reinigungsaufwand hinzu. Bei Einwegkammern entstehen stattdessen laufende Verbrauchskosten.

Damit hängt die Wirtschaftlichkeit einer manuellen Untersuchung nicht allein vom Preis der Zählkammer ab. Entscheidend ist, wie viel Arbeitszeit der gesamte Ablauf pro Probe beansprucht.

Wann lohnt sich ein automatisiertes Spermienanalysegerät?

Bei wenigen Untersuchungen kann eine manuelle Makler-Kammer weiterhin eine praktische Lösung sein. Mit steigender Zahl an Spermiogrammen wird dagegen der Arbeitsaufwand wichtiger.

Automatisierte Systeme übernehmen Teile der Auswertung und reduzieren dadurch manuelle Arbeitsschritte. Beim LensHooke X3 Pro erfolgt die Analyse bildbasiert über eine Einweg-Kassette.

Eine andere technische Lösung bietet das SQA-iO. Das System arbeitet mit einem elektrooptischen Messverfahren und ist auf die schnelle Bestimmung zentraler Parameter der Spermienanalyse ausgelegt. pH und Leukozyten können über Teststreifen ergänzt werden.

Der Unterschied zur manuellen Makler-Kammer liegt vor allem im Ablauf. Befüllung, mikroskopische Auszählung und Reinigung der Kammer entfallen je nach eingesetztem System. Dadurch kann sich der Zeitaufwand pro Untersuchung reduzieren und der Ablauf wird weniger abhängig von einzelnen manuellen Arbeitsschritten.

Ein automatisiertes Spermienanalysegerät ersetzt allerdings nicht jede mikroskopische Untersuchung. Anwendungen wie die Beurteilung von Urinsediment, Zytologie oder Kristallen bleiben eigenständige Untersuchungen. Auch bei der Spermienanalyse kann je nach Fragestellung eine manuelle Kontrolle sinnvoll sein.

Makler-Kammer: Für wen ist sie geeignet?

Die Makler-Kammer bietet einen vergleichsweise direkten Weg zur manuellen Bestimmung von Spermienkonzentration und Motilität. Ihre geringe Kammertiefe ermöglicht die Untersuchung der unverdünnten Probe und macht sie für die manuelle Spermienanalyse interessant.

Bei niedrigen Konzentrationen sollte die höhere Streuung gegenüber der Neubauer-Methode berücksichtigt werden. Auch der Untersuchungsablauf selbst hat einen deutlichen Einfluss auf die Ergebnisse.

Für Praxen und Labore, die regelmäßig Spermiogramme durchführen, lohnt deshalb ein Blick auf den gesamten Prozess. Neben der Messgenauigkeit spielen Arbeitszeit, Qualitätssicherung, Reinigung und Verbrauchsmaterial eine Rolle. Automatisierte Spermienanalysegeräte können hier bestimmte manuelle Schritte übernehmen.

Fazit: Wann Sie das Spermiogramm in die Praxis holen sollten

Die In-House-Analyse lohnt sich insbesondere dann, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens sollte ein regelmäßiges Vasektomie-Aufkommen als planbare Grundlast vorhanden sein. Zweitens ist ein Interesse an Kinderwunsch- und IGeL-Diagnostik als zusätzliche Erlösquelle von Vorteil. Drittens sollte die Bereitschaft bestehen, die Anforderungen der RiliBÄK, einschließlich der Vorgaben des WHO-Handbuchs, der Teilnahme an Ringversuchen und der Qualitätssicherung. Sind diese Bedingungen in Ihrer Praxis gegeben, können Sie Befundzeit, Vergütung und Patientenbindung in die eigene Praxis verlagern und profitieren dabei von einem überschaubaren regulatorischen Aufwand.

Häufige Fragen

Was ist eine Makler-Kammer?

Die Makler-Kammer ist eine spezielle Zählkammer für die Spermienanalyse. Sie besitzt eine Kammertiefe von 10 µm und ein Zählgitter mit 100 Feldern. Konzentration und Motilität können an der unverdünnten Probe untersucht werden.

Bei normalen Konzentrationen werden die Spermien in einer Reihe, Spalte oder Diagonale aus zehn Feldern gezählt. Bei niedrigen Konzentrationen werden alle 100 Felder ausgewertet.

Nein. Für die Bestimmung der Spermienkonzentration nennt das WHO-Laborhandbuch das verbesserte Neubauer-Hämozytometer als Referenzmethode. Die Makler-Kammer ist zwar verbreitet, gilt aber nicht als Referenz.

Eine Glaskammer kann mehrfach verwendet werden, muss nach jeder Untersuchung aber sorgfältig gereinigt werden. Einwegkammern vermeiden diesen Arbeitsschritt, verursachen dafür laufende Materialkosten. Welche Variante sinnvoller ist, hängt vom Untersuchungsvolumen und vom gewünschten Arbeitsablauf ab.

Für bestimmte Teile der Spermienanalyse können automatisierte Systeme die manuelle Zählung ersetzen. Sie übernehmen die standardisierbaren Auswertungsschritte. Andere mikroskopische Untersuchungen bleiben davon unberührt und können weiterhin eine manuelle Beurteilung erfordern.

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