CRP testen: Abrechnung & Wirtschaftlichkeit

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise. Genannte Abrechnungspositionen sind unverbindliche Orientierungswerte; maßgeblich sind die jeweils gültigen nationalen Regelwerke. Keine Rechts- oder Abrechnungsberatung.

Kurzfassung: CRP-Tests werden in der GKV über die GOP 32128 (1,15 €) für qualitative und semiquantitative Verfahren sowie über die GOP 32460 (3,36 €, Stand 01.01.2025) für die quantitative Bestimmung abgerechnet. Privat gilt bei POCT in der Praxis die GOÄ-Nr. 3524, im Labor die Nr. 3741 (Einfachsatz 11,66 €); Einmaltests kosten rund 5 €, Geräte ab etwa 1.000 €. Die Regelvergütung deckt die Sachkosten quantitativer Schnelltests in der Regel nicht.

Warum CRP-Tests auch ökonomisch relevant sind

Wer im ambulanten Bereich CRP testen möchte, denkt dabei meist zuerst an den medizinischen Nutzen: Infektsymptome besser einordnen, unnötige Antibiotikaverordnungen vermeiden und Patient:innen zielgerichteter behandeln. Einen umfassenden Überblick über die medizinische Bedeutung von CRP finden Sie im Hauptartikel CRP (C-reaktives Protein): Diagnostik, Messung & Anwendung.

Doch CRP testen ist nicht nur klinisch sinnvoll, sondern auch ein ökonomisches Thema. Denn Praxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) müssen sich fragen: Wie lässt sich die Untersuchung abrechnen? Lohnt sich die Anschaffung eines Geräts im Vergleich zu Einmaltests? Und welchen Beitrag leistet CRP testen zur Wirtschaftlichkeit im Praxisalltag?

Abrechnung von CRP-Tests in Deutschland

Gesetzliche Krankenversicherung (EBM): CRP ist im EBM über zwei Gebührenordnungspositionen abgebildet. Die GOP 32128 erfasst den immunologischen oder gleichwertigen chemischen Nachweis und umfasst laut Laborkompendium der KBV auch qualitative und semiquantitative Verfahren, etwa Testkartensysteme. Sie ist mit 1,15 € bewertet. Die quantitative Bestimmung mittels Immunnephelometrie, Immunturbidimetrie, Immunpräzipitation oder Immunoassay wird über die GOP 32460 abgerechnet; ihre Bewertung wurde zum 01.01.2025 von 4,90 € auf 3,36 € abgesenkt. Die Berechnung der GOP 32460 setzt eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung sowie den Nachweis der Teilnahme an einer externen Qualitätssicherung voraus. Beide Ziffern decken die Sachkosten quantitativer Schnelltests in der Regel nicht.

Privatabrechnung (GOÄ): Maßgeblich ist, wo und wie die Untersuchung erfolgt. Wird sie direkt beim Patienten oder in den eigenen Praxisräumen innerhalb von vier Stunden nach der Probennahme durchgeführt, greift Abschnitt M I und damit die Nr. 3524 (C-reaktives Protein) – das ist der für POCT typische Fall. In einem Krankenhaus, einer Laborgemeinschaft oder einer laborärztlichen Praxis ist die Nr. 3524 nicht berechnungsfähig; dort gilt die Nr. 3741 (CRP, Ligandenassay) aus dem Speziallabor mit einem Einfachsatz von 11,66 €. Für Laborleistungen des Abschnitts M gilt der Gebührenrahmen nach § 5 Abs. 4 GOÄ: Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen, der Höchstsatz beim 1,3-fachen. Für die Nr. 3741 ergeben sich damit 13,41 € (1,15-fach) bzw. 15,16 € (1,3-fach). Steigerungsfaktoren von 2,3 oder 3,5 sind für Laborziffern nicht vorgesehen.

Einige Krankenkassen fördern CRP gezielt über Hausarzt- und Selektivverträge. Hintergrund ist die Evidenz, dass dadurch unnötige Antibiotikaverordnungen reduziert werden können. Einen Überblick zu Methoden und Geräten bietet der Artikel CRP-Test: Methoden, Geräte & Kosten im Überblick.

Besonderheiten bei der Abrechnung von POCT in Deutschland

Unter „Point-of-Care-Tests“ (POCT) versteht man diagnostische Verfahren, die direkt am Behandlungsort, wie z.B. in der Hausarztpraxis oder Notaufnahme, durchgeführt werden können, ohne Proben ins Zentrallabor zu schicken. Dazu gehört auch das CRP testen während der Sprechstunde.

In Deutschland erfolgt die Abrechnung laboratoriumsmedizinischer Leistungen parameterbezogen, jeder Analyt wird einzeln bewertet, unabhängig davon, ob er im Labor oder am Point of Care bestimmt wird.

Zudem gelten die Vorgaben der Richtlinie der Bundesärztekammer (RiliBÄK). Interne Qualitätskontrollen sind verpflichtend, und viele Systeme müssen zusätzlich an externen Ringversuchen teilnehmen. Von der Ringversuchspflicht der Tabelle B 1 a ausgenommen ist die patientennahe Sofortdiagnostik mit Unit-use-Reagenzien. Die Ausnahme knüpft an die Reagenzienform an, nicht an das Gerät: POCT-Systeme ohne Unit-use-Charakter, etwa Blutgasanalysatoren, bleiben für die tabellierten Messgrößen ringversuchspflichtig. Die interne Qualitätskontrolle nach Teil A der Richtlinie gilt unabhängig davon.

Damit verursachen komplexere POCT-Systeme höhere Aufwände für Qualitätssicherung, während einfache Einmal-Tests weniger administrativen Aufwand erfordern. Einen Überblick zu verschiedenen CRP-Schnelltest-Verfahren, ihrer Anwendung und den jeweiligen Kosten finden Sie im Beitrag CRP-Schnelltest: Methoden, Kosten und Abrechnung.

CRP im Labor beauftragen

In der Routine wird häufig ohnehin Blut ins Labor geschickt, etwa für Blutbild, Elektrolyte oder andere Marker. Dabei kann CRP unkompliziert mitbestimmt werden, ohne zusätzlichen organisatorischen Aufwand. Die Probe wird einmal abgenommen, zentral transportiert und standardisiert analysiert. Befunde werden zudem von Fachärzt:innen für Laboratoriumsmedizin validiert, was eine hohe diagnostische Qualität sicherstellt. Gerade erhöhte und sehr hohe CRP-Werte müssen im Gesamtbild interpretiert werden. Welche Grenzbereiche kritisch werden können, lesen Sie im Artikel: Welcher CRP-Wert ist tödlich?

Soll ausschließlich CRP bestimmt werden, entstehen zusätzliche Kosten, da der Parameter einzeln abgerechnet wird. Für gesetzlich Versicherte erfolgt die Vergütung über die GOP 32460 (3,36 €, Stand 01.01.2025). In der Privatabrechnung ist die Laborbestimmung unter der GOÄ-Nr. 3741 aufgeführt, beim Regelhöchstsatz von 1,15 also 13,41 €. Für Selbstzahler:innen berechnen viele Labore entsprechend rund 13,41 € pro Test. 

Der Nachteil der Laborbestimmung liegt in der Zeit: Transport und Logistik führen zu Wartezeiten von mehreren Stunden bis zu einem Tag. In akuten Infektsituationen fehlt damit die unmittelbare Entscheidungsunterstützung, die ein POCT bieten kann. Typische Wertebereiche finden Sie in der CRP-Wert Tabelle: Referenzbereiche & Interpretation.

CRP testen am Point of Care

Beim Point-of-Care-Testing wird der CRP-Wert direkt in der Praxis oder Einrichtung bestimmt, ohne Versand ins Labor. Der größte Vorteil: Ergebnisse liegen in wenigen Minuten vor. Ärzt:innen und Patient:innen erhalten so eine schnelle Entscheidungshilfe, etwa für den Einsatz von Antibiotika. Das macht POCT besonders im hausärztlichen Alltag und in Notfallsituationen attraktiv. Für die richtige Einordnung hilft es, die Ursachen erhöhter Werte zu kennen (siehe CRP-Wert im Blut: Bedeutung & Ursachen für „CRP erhöht“).

POCT ist jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden. Neben einmaligen Investitionen für Geräte (ab ca. 1.000 €) fallen laufende Ausgaben für Tests, Verbrauchsmaterialien, Wartung, Softwareupdates und Qualitätskontrollen nach RiliBÄK an.

Im bundesweiten EBM existiert keine eigene Position für die CRP-Bestimmung am Point of Care; abgerechnet wird über die GOP 32128 beziehungsweise 32460. Ergänzend haben einzelne Kassenärztliche Vereinigungen mit Krankenkassen Selektivverträge und Modellvorhaben geschlossen, die den Schnelltest höher vergüten – etwa die KV Bayerns mit der AOK Bayern bei Nutzung eines CRP-Messgeräts sowie ein Modellvorhaben der KV Hamburg. Diese Regelungen gelten regional begrenzt; die jeweils aktuellen Konditionen sind bei der zuständigen KV zu erfragen. Die Regelvergütung deckt die tatsächlichen Kosten eines POCT-Systems meist nicht ab.

Welche Kosten die unterschiedlichen Systeme verursachen, zeigt die folgende Übersichtstabelle mit Beispielen zu Einmaltests, CRP-Geräten und Multiparameter-Systemen:

Kategorie Einmalige Anschaffungskosten (ca.) Laufende Kosten pro Test (ca.) Typischer Einsatz Besonderheiten
Schnelltests (Einmal-Tests) ca. 5 € Hausarztpraxen, gelegentlicher Einsatz Keine Geräteinvestition, sofort nutzbar
Geräte zur reinen CRP-Messung ab 1.000 € ca. 3 € Praxen, kleinere Einrichtungen Einstiegslösung, IT-Anbindung möglich
Multiparameter-Geräte mit CRP 1.000–15.000 € 1–23 € Ambulanzen, Kliniken Weitere Marker (z. B. HbA1c, Lipide, PCT), höhere Folgekosten
Blutbildgeräte mit CRP-Modul 8.000–12.000 € keine Angabe verfügbar Stationen, Notaufnahmen CRP + Differenzialblutbild in einem Workflow

Worauf sollte man beim Point-of-Care-CRP-Test achten?

Je komplexer ein Point-of-Care-Gerät ist, desto mehr Aspekte müssen neben den reinen Testkosten berücksichtigt werden. Dazu zählen Service, Wartung, Verbrauchsmaterialien, Entsorgung, Software-Updates und IT-Integration.

Vor einer Investition lohnt es sich daher, gezielt zu prüfen:

  • Welche Verbrauchsmaterialien fallen an und wie wirken sie sich auf die Kosten pro Test aus?

  • Welche Wartungs- oder Servicekosten entstehen?

  • Gibt es Preisbindungen oder regelmäßige Anpassungen bei Reagenzien?

  • Welche Anforderungen stellt die IT-Anbindung?

Die Wirtschaftlichkeit von CRP am Point of Care hängt also nicht allein vom Anschaffungspreis ab, sondern von einer Gesamtkalkulation aller laufenden und indirekten Aufwände.

Kostenperspektive im Gesundheitssystem

Die Kosten für CRP-Tests am Point of Care variieren je nach System. Neben den Testkits beeinflussen auch Gerätebetrieb, Verbrauchsmaterialien, Qualitätskontrollen und IT-Anbindung die Gesamtkosten. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Preis pro Test, sondern auch das Potenzial, durch gezielteren Antibiotikaeinsatz Folgekosten zu vermeiden.

Eine Modellanalyse von Holmes et al. (2018) ermittelte ein inkrementelles Kosten-Effektivitäts-Verhältnis von 19.705 £ pro gewonnenem QALY beziehungsweise 16,07 £ pro vermiedener Antibiotikaverordnung. Der Wert liegt knapp unterhalb der in Großbritannien üblichen Schwelle von 20.000 £; die Kosteneffektivität reagiert damit empfindlich auf Testpreis und Testfrequenz. Die aktualisierte Cochrane-Analyse von Smedemark et al. (2022) belegt eine Senkung der Antibiotikaverschreibung bei akuten Atemwegsinfekten in der Primärversorgung. Damit gilt: Trotz höherer direkter Kosten kann POCT durch vermiedene Resistenzen und Nebenwirkungen wirtschaftlich vorteilhaft sein.

Mehrwert für Organisation und Patientenversorgung

Neben den ökonomischen Aspekten bietet CRP am Point of Care klare Vorteile für Praxisabläufe und Patient:innen. Ergebnisse liegen in wenigen Minuten vor, sodass Diagnosen und Therapieentscheidungen direkt während der Konsultation getroffen werden können. Ärzt:innen können anhand objektiver Werte erläutern, warum eine Antibiotikatherapie sinnvoll oder nicht erforderlich ist. Eine detaillierte Einordnung der Wertebereiche bietet der Beitrag CRP-Werte: Bedeutung, Referenzbereiche und Interpretation.

Studien wie Cals et al. (2010) zeigen, dass Patient:innen eine abwartende Haltung eher akzeptieren, wenn ihnen nachvollziehbare Testergebnisse vorliegen. Das erhöht Zufriedenheit und Vertrauen in die ärztliche Entscheidung. Gleichzeitig trägt CRP-POCT in Antibiotic-Stewardship-Programmen dazu bei, Therapiesicherheit zu verbessern und Resistenzen zu verringern.

Auch organisatorisch ergeben sich Vorteile: Ergebnisse stehen sofort bereit, was Rückfragen und Doppelkontakte reduziert, Kommunikationswege verkürzt und die Dokumentation erleichtert. So verbinden sich medizinische Qualität, Patientenzufriedenheit und wirtschaftlicher Nutzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO betont in diesem Zusammenhang den rationalen Einsatz von Antibiotika als zentrale Maßnahme gegen Resistenzen, CRP-Tests sind dafür ein wertvolles Instrument.

Fazit: CRP testen – medizinischer Nutzen und Vergütungslücke

CRP-Tests reduzieren nachweislich unnötige Antibiotikaverordnungen, sind in der GKV-Regelvergütung mit 1,15 € (GOP 32128) beziehungsweise 3,36 € (GOP 32460) jedoch selten kostendeckend. Die Wirtschaftlichkeit entscheidet sich deshalb weniger am Anschaffungspreis als an vier Faktoren: Testaufkommen pro Quartal, Kosten je Test inklusive Verbrauchsmaterial, Aufwand für Qualitätssicherung nach RiliBÄK und Verfügbarkeit regionaler Selektivverträge. Einmaltests verursachen keine Geräteinvestition und den geringsten administrativen Aufwand, Multiparameter-Systeme verteilen die Fixkosten auf mehrere Analyte, erhöhen aber die laufenden Kosten je Messung. Gesundheitsökonomische Modellanalysen wie Holmes et al. (2018) weisen CRP-POCT als kosteneffektiv aus, beziehen sich allerdings auf das britische Gesundheitssystem; eine belastbare Kalkulation für die eigene Einrichtung ersetzen sie nicht.

Frequently Asked Questions (FAQs)

Wie kann man CRP testen in der GKV abrechnen?

Im EBM ist CRP über zwei Gebührenordnungspositionen abgebildet: die GOP 32128 für den qualitativen und semiquantitativen Nachweis mit 1,15 € sowie die GOP 32460 für die quantitative Bestimmung mit 3,36 € (Stand 01.01.2025). Die GOP 32460 setzt eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung und den Nachweis erfolgreicher Ringversuchsteilnahme voraus. Beide Bewertungen decken die Sachkosten quantitativer Schnelltests in der Regel nicht.

Das hängt vom Ort der Durchführung ab. Erfolgt die Untersuchung direkt beim Patienten oder in den eigenen Praxisräumen innerhalb von vier Stunden nach der Probennahme, gilt die Nr. 3524. Für die Bestimmung im Speziallabor gilt die Nr. 3741 mit einem Einfachsatz von 11,66 €. Für Laborleistungen begrenzt § 5 Abs. 4 GOÄ den Gebührenrahmen auf den 1,3-fachen Satz; der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen, für die Nr. 3741 also bei 13,41 €.

Das ist im Regelfall nicht möglich. Eine Individuelle Gesundheitsleistung setzt voraus, dass keine Leistungspflicht der GKV besteht. Da CRP im EBM über die GOP 32128 und 32460 abgebildet ist, liegt bei medizinischer Indikation eine Abrechnungsgrundlage vor. Die als nicht kostendeckend empfundene Vergütung begründet für sich genommen keine IGeL-Fähigkeit. Vor einer Privatliquidation bei GKV-Versicherten sollte Rücksprache mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung gehalten werden.

Es gelten die Anforderungen der RiliBÄK. Die interne Qualitätskontrolle nach Teil A ist verpflichtend. Von der Ringversuchspflicht der Tabelle B 1 a ausgenommen ist die patientennahe Sofortdiagnostik mit Unit-use-Reagenzien; POCT-Systeme ohne Unit-use-Charakter, etwa Blutgasanalysatoren, bleiben für die tabellierten Messgrößen ringversuchspflichtig. Hinzu kommen Service, Wartung, Verbrauchsmaterialien, Entsorgung und IT-Anbindung.

Die Laborbestimmung ist pro Parameter meist günstiger, der Aufwand für Qualitätssicherung und die fachärztliche Validierung liegen beim Labor. Das Ergebnis steht jedoch oft erst nach Stunden oder am Folgetag zur Verfügung. Am Point of Care sind die Kosten je Test höher und die Qualitätssicherung ist von der Einrichtung selbst zu leisten; dafür ermöglicht das Ergebnis innerhalb weniger Minuten eine Therapieentscheidung noch während der Konsultation.

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