fPSA-Test: Welche Geräte messen freies PSA am Point of Care?

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise. 

Kurzfassung: Ein fPSA-Test am Point of Care ist nur dann sinnvoll, wenn auch das Gesamt-PSA auf derselben Plattform bestimmt werden kann. Erst aus beiden Werten lässt sich der fPSA/PSA-Quotient berechnen. Die Ergebnisse liegen je nach System nach etwa 12 bis 20 Minuten vor, sodass der Quotient noch während desselben Praxisbesuchs zur Verfügung steht. Unterschiede zwischen den verfügbaren Lösungen betreffen vor allem das Probenmaterial, den Automatisierungsgrad und das Angebot weiterer Laborparameter.

Die Bestimmung des Gesamt-PSA gehört in vielen Praxen bereits zum Alltag. Schwieriger wird die Einordnung bei Werten im diagnostischen Graubereich. In diesen Fällen wird häufig zusätzlich das freie PSA (fPSA) bestimmt und der fPSA/PSA-Quotient bewertet.

Im klassischen Laborablauf bedeutet das meist einen zusätzlichen Schritt: Die Probe wird eingeschickt, das freie PSA nachbestimmt und der Patient erhält einen weiteren Termin. Mit einem fPSA-Test am Point of Care liegen Gesamt-PSA, freies PSA und Quotient dagegen innerhalb einer Konsultation vor.

Wer gezielt nach einem fPSA-Messgerät sucht, stößt allerdings schnell auf eine Besonderheit: Reine fPSA-Geräte gibt es nicht. Der fPSA-Test ist immer Teil einer Multiparameter-Plattform. Entscheidend ist daher, ob ein System sowohl PSA als auch fPSA bestimmen kann und wie gut es in den Praxisablauf passt. Einen Überblick über die verfügbaren Lösungen bietet unser Artikel PSA-Messgerät: Welche Systeme gibt es am Point of Care?

fPSA am Point of Care: Was sich im Praxisalltag ändert

Im Labor wird das freie PSA häufig erst dann bestimmt, wenn bereits ein Gesamt-PSA-Wert vorliegt. Das verursacht zusätzliche Wartezeiten und führt nicht selten zu einem zweiten Arzt-Patienten-Kontakt.

Bei einem Point-of-Care-Ansatz werden PSA und fPSA aus derselben Probe direkt vor Ort gemessen. Der Quotient steht zur Verfügung, solange der Patient noch in der Praxis ist.

Ein weiterer Vorteil betrifft die Präanalytik. Freies PSA gilt als empfindlicher gegenüber Lagerungs- und Transportbedingungen als Gesamt-PSA. Eine Studie in The Prostate (Šimánek et al., 2024) zeigte, dass die fPSA-Konzentration bei Lagerung sowohl bei 4 °C als auch bei 22 °C im Zeitverlauf abnimmt. Die Autoren empfehlen daher eine zeitnahe Analyse der Prostata-Marker. Viele Labore verlangen aus diesem Grund eine Zentrifugation innerhalb weniger Stunden. Wird der fPSA-Test direkt in der Praxis durchgeführt, entfallen Transport- und Standzeiten weitgehend.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Gesamt-PSA-Werte im Graubereich, wenn noch während desselben Termins eine zusätzliche Einordnung erfolgen soll

  • Verlaufskontrollen mit regelmäßiger Bestimmung von PSA und fPSA

  • Urologische Sprechstunden mit hohem PSA-Aufkommen

  • Hausarztpraxen, die vor einer Überweisung eine möglichst vollständige Befundlage schaffen möchten

fPSA-Test: Welche Systeme gibt es am Point of Care?

Der fPSA-Test wird am Point of Care über quantitative Immunoassays auf Multiparameter-Systemen durchgeführt. Voraussetzung für die Berechnung des Quotienten ist, dass das System sowohl PSA als auch fPSA anbietet. Auf Diagnoodle sind derzeit acht Systeme mit entsprechendem Testportfolio gelistet. Zwei davon stellen wir exemplarisch vor: den concile DUO Reader und den AFIAS-3.

concile DUO Reader: Fokus auf PSA, fPSA und weitere Urologie-Parameter

Der concile DUO Reader ist ein multispektraler Reader zur Auswertung von optischer Dichte und Fluoreszenz. Die Tests CancerCheck PSA und CancerCheck fPSA werden jeweils aus 100 µl Serum oder Plasma durchgeführt. Die Ergebnisse liegen nach rund 20 Minuten vor.

Mit einem Gewicht von weniger als einem Kilogramm und Akkubetrieb eignet sich das System auch für Praxen mit begrenztem Platzangebot. Für urologische Anwendungen interessant: Neben PSA und fPSA steht auf derselben Plattform auch der UBC Rapid Test aus Urin zur Verfügung.

AFIAS-3: Drei parallele Messkanäle

Der AFIAS-3 von Boditech ist ein vollautomatisches Fluoreszenz-Immunoassay-System mit drei unabhängigen Messkanälen. PSA und fPSA können parallel aus einer Probe analysiert werden. Der fPSA-Wert liegt nach etwa 12 Minuten vor, das PSA-Ergebnis nach rund 15 Minuten.

Ein Vorteil des Systems ist die Flexibilität beim Probenmaterial. Neben Serum und Plasma lässt sich auch Vollblut verwenden. Für Kapillarblut reichen bereits 30 µl aus.

PSA und fPSA im direkten Vergleich

Kriterium concile DUO Reader AFIAS-3
Gerätetyp Multispektral-Reader (optische Dichte und Fluoreszenz) Vollautomatisches Fluoreszenz-Immunoassay-System
fPSA: Probenmaterial Plasma, Serum Vollblut, Plasma, Serum
fPSA: Probenvolumen 100 µl 30 µl (Kapillare) bzw. 200 µl (Pipette)
fPSA: Zeit bis zum Ergebnis ca. 20 Minuten ca. 12 Minuten
PSA: Probenmaterial / Zeit Plasma, Serum · ca. 20 Minuten Vollblut, Plasma, Serum · ca. 15 Minuten
Parallele Messungen 1 3 unabhängige Kanäle
Probenvorbereitung manuell automatische Pipettierung und Pufferverdünnung
Weitere gemeinsame Parameter Testosteron, LH, FSH, Prolaktin, TSH, Vitamin D, Ferritin, HbA1c, CRP, PCT
Gewicht 0,95 kg, Akkubetrieb (ca. 8 h) 9,3 kg
Konnektivität USB, GDT/HL7 HL7, LAN, WLAN

Quelle: Diagnoodle-Produktseiten concile DUO Reader und AFIAS-3, Stand Oktober 2026. Testmenüs können regional variieren.

Weitere Systeme mit fPSA-Test

Neben dem concile DUO Reader und dem AFIAS-3 sind auf Diagnoodle derzeit sechs weitere Systeme mit fPSA-Test gelistet. Die Unterschiede liegen vor allem beim verwendeten Messverfahren, der Anzahl gleichzeitig möglicher Analysen und den unterstützten Probenmaterialien.
Gerät Anbieter Gerätetyp fPSA: Probe · Zeit
AFIAS-1 Boditech Vollautomatischer FIA-Analyzer, 1 Kanal Vollblut, Plasma, Serum · ca. 12 Min.
AFIAS-6 Boditech Vollautomatischer FIA-Analyzer, 6 Kanäle Vollblut, Plasma, Serum · ca. 12 Min.
AFIAS-10 Boditech Vollautomatischer FIA-Analyzer, 10 Kanäle fPSA im Parametermenü
FastPack IP Qualigen Vollautomatischer Chemilumineszenz-Analyzer mit Einweg-Testpouches Serum · ca. 12 Min.
Easy Reader+ Vedalab Reader für immunchromatographische Schnelltests Plasma, Serum · ca. 15 Min.
Omega100 Reader concile Reader mit LAN-Anbindung (HL7/GDT) Plasma, Serum · ca. 20 Min.

Quelle: Diagnoodle-Produktseiten AFIAS-1, AFIAS-6, AFIAS-10, FastPack IP, Easy Reader+ und Omega100 Reader, Stand Oktober 2026. Testmenüs können regional variieren.

Die AFIAS-Modelle unterscheiden sich vor allem durch die Anzahl der verfügbaren Messkanäle, vom Einzelplatzgerät für kleinere Praxen bis hin zu Systemen für ein höheres Probenaufkommen. Insgesamt sind auf Diagnoodle derzeit acht Systeme mit fPSA-Test gelistet. Über die Produktsuche lassen sie sich nach Parametern filtern und direkt miteinander vergleichen.

Der fPSA/PSA-Quotient am Point of Care: Worauf es ankommt

Die Aussagekraft des fPSA/PSA-Quotienten hängt unmittelbar von der Qualität der beiden Einzelwerte ab. Für die Messung in der Praxis ergeben sich daraus einige wichtige Punkte.

Beide Werte aus derselben Probe und auf derselben Plattform bestimmen. PSA- und fPSA-Tests verschiedener Hersteller sind nicht beliebig miteinander vergleichbar. Werden beide Parameter aus derselben Probe auf demselben Gerät gemessen, sind die Ergebnisse methodisch aufeinander abgestimmt. Ein Gesamt-PSA aus dem Labor mit einem fPSA aus einem Point-of-Care-System zu kombinieren, ist deshalb nicht empfehlenswert.

Grenzwerte sind testspezifisch. Die in der Literatur genannten Cut-off-Werte können je nach Assay und Kalibrierung variieren. Maßgeblich sind daher die Herstellerangaben des jeweils verwendeten Tests.

Nur quantitative Messungen eignen sich für die Quotientenbildung. Für die Berechnung werden zwei Zahlenwerte in ng/ml benötigt. Qualitative Schnelltests, die lediglich oberhalb oder unterhalb eines Schwellenwerts unterscheiden, liefern dafür keine ausreichende Grundlage. In der Praxis kommen deshalb quantitative Reader- oder Analyzer-Systeme zum Einsatz.

Für Verlaufskontrollen sollte möglichst dauerhaft dieselbe Plattform verwendet werden. Das erleichtert die Vergleichbarkeit der Messergebnisse über die Zeit.

Worauf Sie bei der Geräteauswahl achten sollten

  • PSA und fPSA auf einer Plattform: Nur so lässt sich der fPSA/PSA-Quotient direkt vor Ort bestimmen.

  • Probenmaterial: Systeme, die ausschließlich Serum oder Plasma verarbeiten, erfordern eine Zentrifuge. Vollblut- oder Kapillarblut-fähige Geräte vereinfachen den Ablauf.

  • Zeit bis zum Ergebnis: Je nach System sind Ergebnisse meist nach 12 bis 20 Minuten verfügbar. Relevant ist dabei auch, ob PSA und fPSA parallel oder nacheinander gemessen werden.

  • Anzahl der Messkanäle: Mehrere Kanäle ermöglichen parallele Analysen oder einen höheren Probendurchsatz.

  • Automatisierungsgrad: Automatisierte Arbeitsschritte reduzieren den manuellen Aufwand und minimieren potenzielle Anwenderfehler.

  • Messbereich: Der Messbereich des fPSA-Tests sollte zum typischen Patientenkollektiv der Praxis passen.

  • Konnektivität: Schnittstellen wie HL7 oder GDT erleichtern die Übertragung der Ergebnisse in die Praxissoftware.

  • Qualitätssicherung: Verfügbare Kontrollmaterialien und der Aufwand für die interne Qualitätssicherung nach RiliBÄK sollten vor der Anschaffung berücksichtigt werden.

  • Zusätzliche Parameter: Je mehr relevante Marker eine Plattform unterstützt, desto besser lässt sie sich im Praxisalltag auslasten.

  • Laufende Kosten: Nicht nur der Gerätepreis, sondern vor allem Testkassetten, Verbrauchsmaterialien und Kontrollen bestimmen die Gesamtkosten.

Fazit: Den fPSA-Test immer im Systemkontext bewerten

Ein fPSA-Test entfaltet seinen größten Nutzen, wenn Gesamt-PSA und freies PSA aus derselben Probe auf derselben Plattform bestimmt werden. Dadurch steht der fPSA/PSA-Quotient bereits während des Praxisbesuchs zur Verfügung und zusätzliche Wartezeiten durch eine Nachforderung beim Labor entfallen. Unterschiede zwischen den verfügbaren Geräten zeigen sich vor allem beim Probenmaterial, beim Automatisierungsgrad und beim Umfang des Parametermenüs.

Häufige Fragen

Welche Geräte messen fPSA am Point of Care?

Auf Diagnoodle sind derzeit acht Systeme mit fPSA-Test gelistet. Dazu zählen der concile DUO Reader, der AFIAS-3 sowie weitere Modelle der AFIAS-Serie, der FastPack IP, der Easy Reader+ und der Omega100 Reader. Gemeinsam ist ihnen, dass sie neben fPSA auch das Gesamt-PSA bestimmen können. Damit lässt sich der fPSA/PSA-Quotient direkt berechnen.
Je nach System liegt das Ergebnis nach etwa 12 bis 20 Minuten vor. Einige Geräte ermöglichen dabei die parallele Bestimmung von PSA und fPSA, andere arbeiten die Tests nacheinander ab.
Ja. Voraussetzung ist, dass sowohl PSA als auch fPSA aus derselben Probe auf derselben Plattform gemessen werden. Bei Systemen mit mehreren Messkanälen können beide Analysen gleichzeitig erfolgen.
Das hängt vom jeweiligen System ab. Manche Plattformen arbeiten ausschließlich mit Serum oder Plasma, andere können zusätzlich Vollblut oder Kapillarblut verarbeiten. Vor der Anschaffung sollte geprüft werden, welches Probenmaterial am besten zum Praxisablauf passt.
PSA- und fPSA-Tests verschiedener Hersteller sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. Für einen belastbaren Quotienten sollten beide Werte mit demselben Testsystem bestimmt werden.
Freies PSA gilt als präanalytisch empfindlicher als Gesamt-PSA. Durch die unmittelbare Messung in der Praxis entfallen lange Transport- und Lagerungszeiten weitgehend. Gleichzeitig steht der fPSA/PSA-Quotient noch während desselben Termins zur Verfügung.

Die Kosten hängen vom gewählten System, dem erwarteten Testaufkommen und den laufenden Ausgaben für Testkassetten, Kontrollen und Verbrauchsmaterialien ab. Ein Vergleich mehrerer Plattformen hilft dabei, die wirtschaftlich passende Lösung für die eigene Praxis zu finden.

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