fT3- und fT4-Test am Point of Care: Schilddrüsenwerte direkt in der Praxis bestimmen

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise. 

Kurzfassung: Bei der Abklärung von Schilddrüsenfunktionsstörungen spielen TSH, fT4 und in bestimmten Situationen auch fT3 eine zentrale Rolle. In vielen Praxen werden freie Schilddrüsenhormone noch an ein externes Labor geschickt. Dadurch liegen die Ergebnisse häufig erst Stunden oder Tage später vor. Mit modernen Point-of-Care-Systemen lassen sich fT4-Werte und bei einigen Geräten zusätzlich fT3 direkt in der Praxis bestimmen. Das Ergebnis steht noch während des Patiententermins zur Verfügung und kann unmittelbar in die weitere Beurteilung einfließen.

Wann ein fT4-Test in der Praxis sinnvoll sein kann

TSH ist in der Regel der erste Laborwert bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung. Zeigt sich ein auffälliger Befund, folgen häufig fT4 und gegebenenfalls fT3, um die Schilddrüsenfunktion genauer einzuordnen. Werden diese Werte direkt in der Praxis gemessen, entfällt die Wartezeit bis zum Eintreffen externer Laborergebnisse.

  • Bei erhöhtem oder erniedrigtem TSH helfen fT4-Werte dabei, zwischen latenten und manifesten Schilddrüsenfunktionsstörungen zu unterscheiden.

  • Ist TSH supprimiert, während fT4 im Referenzbereich liegt, kann zusätzlich ein fT3-Test Hinweise auf eine T3-dominante Hyperthyreose liefern.

  • Bei Patientinnen und Patienten unter Schilddrüsentherapie können Kontrollwerte direkt im Termin besprochen werden.

  • Unklare Befundkonstellationen erfordern weiterhin eine weiterführende Labor- oder fachärztliche Diagnostik.

Vor allem hausärztliche und internistische Praxen, gynäkologische Einrichtungen sowie Kinderwunschzentren profitieren von einer schnellen Verfügbarkeit der Messergebnisse.

Was sich durch einen fT4-Test am Point of Care verändert

Der wichtigste Unterschied liegt weniger im Messwert selbst als im Zeitpunkt, zu dem das Ergebnis vorliegt.
Kriterium Laborversand fT4-Test am Point of Care
Ergebnis meist am Folgetag noch während des Termins
Befundbesprechung Anruf oder Folgetermin im selben Termin
Probe venöse Blutentnahme, Versand patientennah, ohne Versand
Parameterumfang gesamtes Schilddrüsenprofil inkl. Antikörper TSH, fT4, je nach Gerät fT3
Kosten pro Auftrag Gerät plus Test pro Messung

Stand Oktober 2026.

Das Zentrallabor bleibt weiterhin wichtig, insbesondere für Antikörperbestimmungen, Spezialparameter und komplexe Fragestellungen. Viele alltägliche diagnostische Entscheidungen lassen sich jedoch bereits auf Basis von TSH, fT4 und gegebenenfalls fT3 treffen.

Worauf Sie bei einem fT4-Test-System achten sollten

Für die Schilddrüsendiagnostik kommen nur quantitative Verfahren infrage. Daher lohnt sich bei der Auswahl eines Systems ein genauer Blick auf einige praktische Aspekte.

1. Verfügbare Schilddrüsenparameter

Nicht jedes Gerät bietet die vollständige Kombination aus TSH, fT4 und fT3. Wer möglichst viele Fragestellungen direkt in der Praxis bearbeiten möchte, sollte auf die verfügbare Parameterbreite achten.

2. Weitere Tests auf derselben Plattform

Ein Multiparameter-System kann wirtschaftlich attraktiver sein, wenn neben Schilddrüsenwerten auch andere Analysen wie CRP, Vitamin D oder Hormonparameter durchgeführt werden können.

3. Probenmaterial und Messdauer

Je einfacher sich die Probe in den Praxisablauf integrieren lässt, desto besser. Je nach System kommen Vollblut, Kapillarblut, Serum oder Plasma infrage.

4. Dokumentation und Datenübertragung

Wichtig sind ausreichende Speicherkapazitäten und Möglichkeiten zur Anbindung an die Praxissoftware.

5. Qualitätssicherung

Vor einer Anschaffung sollte geprüft werden, wie Kontrollmessungen, Dokumentation und Anforderungen nach RiliBÄK umgesetzt werden.

Leistungsdaten wie Messbereiche oder Vergleichsstudien zur Labormethode finden sich in den jeweiligen Produktinformationen.

Welche Geräte messen fT4 und fT3 am Point of Care?

Auf Diagnoodle sind derzeit fünf Systeme gelistet, die fT4 quantitativ am Point of Care messen. Zwei davon bestimmen zusätzlich fT3. Alle sind Multiparameter-Systeme, auf denen weitere Immunoassays laufen.

Gerät Hersteller fT4 fT3
Immu F6 Medcaptain ✓ ✓
concile DUO Reader concile ✓ ✓
FastPack IP Qualigen ✓ –
Standard F2400 SD Biosensor ✓ –
Standard F200 SD Biosensor ✓ –

Quelle: Diagnoodle-Produktseiten, Stand Oktober 2026. Testmenüs können regional variieren.

Wer fT4 und fT3 auf einer Plattform messen möchte, hat derzeit eine überschaubare Auswahl. Für Praxen, die primär einen fT4-Test benötigen, stehen weitere Systeme zur Verfügung. Die Unterschiede liegen vor allem in der Messzeit, dem unterstützten Probenmaterial und dem übrigen Testmenü.

Fazit: fT4 und fT3 im selben Termin wie TSH

Mit einem fT4-Test am Point of Care lassen sich auffällige Schilddrüsenwerte bereits während des Patiententermins einordnen. Das kann insbesondere bei erhöhtem oder erniedrigtem TSH sowie bei Verlaufskontrollen unter Therapie den Ablauf vereinfachen. Für Antikörperbestimmungen, Spezialparameter und komplexe Befundkonstellationen bleibt das Labor weiterhin unverzichtbar. Mehrere POCT-Systeme ermöglichen heute die quantitative Messung von fT4, deutlich weniger bieten zusätzlich einen fT3-Test an. Wer die Stufendiagnostik aus TSH, fT4 und fT3 direkt in der Praxis abbilden möchte, sollte daher zunächst auf das verfügbare Testmenü achten. Darüber hinaus spielen Faktoren wie Probenmaterial, Messdauer, zusätzliche Parameter und die praktische Umsetzung der Qualitätssicherung bei der Geräteauswahl eine wichtige Rolle.

Häufige Fragen

Kann ein POC-Gerät fT3, fT4 und TSH messen?

Ja, sofern das Testmenü des jeweiligen Systems alle drei Parameter umfasst. Die Messungen erfolgen meist über separate Tests. Einige Analyzer können mehrere Analysen parallel durchführen und ermöglichen dadurch eine gemeinsame Bearbeitung der Probe.
Die Messdauer hängt vom verwendeten System ab. Bei Point-of-Care-Geräten liegt das Ergebnis in der Regel noch während des Patiententermins vor. Die genaue Messzeit ist den Herstellerangaben zu entnehmen.
Nein. Point-of-Care-Tests eignen sich vor allem für häufige Fragestellungen und Verlaufskontrollen. Für Antikörperdiagnostik, Spezialparameter oder die Abklärung komplexer Befundkonstellationen bleibt das Labor weiterhin erforderlich.
Referenzbereiche sind methodenabhängig und werden vom jeweiligen Hersteller festgelegt. Sie finden sich in der Gebrauchsanweisung des Tests. Ergebnisse verschiedener Testsysteme sollten nicht ohne Weiteres miteinander verglichen werden.
Quantitative Point-of-Care-Messungen unterliegen den Vorgaben der RiliBÄK. Vor der Einführung eines Systems sollten Praxisinhaber prüfen, welche internen und externen Qualitätssicherungsmaßnahmen erforderlich sind und wie diese durch den Anbieter unterstützt werden.