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Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.
Ein mobiles Blutbildgerät verlagert die Hämatologie dorthin, wo die Entscheidung fällt: an die Station, in die Ambulanz, an den Zweitstandort. In der Beschaffung wird der Begriff allerdings unscharf verwendet. Anbieter bezeichnen Geräte als mobil, die eine geringe Stellfläche haben, aber einen Wasseranschluss, einen Abfallbehälter und einen zwanzigminütigen Startzyklus benötigen und damit faktisch ortsfest sind.
Dieser Beitrag trennt die Eigenschaften, ordnet die am Markt verfügbaren Systemtypen ein und benennt die Prüfgrößen, an denen sich Mobilität in einer Ausschreibung tatsächlich festmachen lässt. Die Geräteklassen und Messprinzipien insgesamt sind im übergeordneten Beitrag dargestellt: Hämatologie-Analysegerät.
Die drei Begriffe werden im Vertrieb häufig synonym verwendet. Für die Geräteauswahl beschreiben sie drei unabhängige Eigenschaften, die getrennt zu prüfen sind.
| Eigenschaft | Was gemeint ist | Prüfgröße im Datenblatt |
|---|---|---|
| Kompakt | Geringe Stellfläche | Breite × Tiefe in cm, Platzbedarf für Reagenzien und Abfall |
| Mobil | An wechselnden Standorten betreibbar, ohne Neuinstallation | Rüstzeit aus dem ausgeschalteten Zustand, Infrastrukturbedarf (Wasser, Abfluss, Netzwerkdose), Kalibrationsstabilität nach Transport |
| Tragbar | Von einer Person zum Patienten getragen, netzunabhängig | Gewicht in kg, Akkulaufzeit, Messungen je Ladung |
Die Eigenschaften bauen aufeinander auf, aber nicht zwingend: Ein kompaktes Gerät kann ortsfest sein, weil es eine Abfallleitung braucht. Ein mobiles Gerät kann sieben Kilogramm wiegen und damit nicht tragbar sein. Umgekehrt ist jedes tragbare Gerät auch mobil und kompakt.
Für die Beschaffung folgt daraus eine einfache Reihenfolge: Zuerst klären, welche der drei Eigenschaften der Einsatz wirklich verlangt. Wer ein Gerät zwischen zwei Behandlungsräumen verschiebt, braucht Mobilität, keine Akkufähigkeit. Wer es in der aufsuchenden Versorgung einsetzt, braucht Tragbarkeit.
Die drei Eigenschaften weiter oben beschreiben, was ein Gerät kann. Die folgenden drei Typen beschreiben, welche Geräte es gibt. Beide Einteilungen sind unabhängig voneinander: Alle drei Typen sind kompakt, nur die ersten beiden sind mobil, und tragbar ist bisher ein Teil des zweiten.
Die Typen unterscheiden sich weniger im Messprinzip als in der Form, in der die Reagenzien vorliegen. Das ist der Punkt, an dem Mobilität technisch entsteht oder scheitert.
Diese Geräte bestimmen nicht das vollständige Blutbild, sondern einen klinisch abgegrenzten Ausschnitt: die Leukozytenzahl mit Fünffachdifferenzierung, je nach Verbrauchsmaterial auch nur die Gesamtleukozytenzahl. Die Probe wird in eine Einweg-Mikroküvette aufgenommen, die die benötigten Reagenzien bereits enthält; die Erythrozyten werden lysiert, die Leukozyten angefärbt und bildanalytisch klassifiziert. Erythrozytäre und thrombozytäre Parameter liefern diese Systeme nicht. Nach diesem Prinzip arbeitet etwa der HemoCue WBC Diff, der aus rund 10 µL Kapillar- oder Venenblut eine Fünffachdifferenzierung erzeugt.
Der reduzierte Parameterumfang senkt den Aufwand an Reagenzien und Fluidik und erlaubt damit besonders kleine Bauformen, teils bis zum netzunabhängigen Betrieb. Er begrenzt aber den Einsatz: Sinnvoll ist der Typ dort, wo die klinische Frage tatsächlich nur die Leukozyten betrifft – Infektabklärung, Antibiotikaentscheidung, ANC-Kontrolle unter Clozapin. Sobald Hämoglobin oder Thrombozyten mitentscheiden, etwa im Monitoring unter Chemotherapie, reicht er nicht.
Eine Einwegkartusche enthält sämtliche Reagenzien für genau eine Messung sowie die Messkammer. Das Gerät führt keine Flüssigkeiten und benötigt weder Vorratsbehälter noch Abfallsammlung. Der Parameterumfang entspricht dem großen Blutbild mit 5-diff-Differenzierung, das Probenvolumen liegt im zweistelligen Mikroliterbereich.
Dieser Typ ist der einzige, der vollständige Blutbilder ohne Reagenzienlogistik liefert – die technisch konsequenteste Umsetzung von Mobilität. Der Preis dafür sind die Kosten je Kartusche, die weit über den Reagenzienkosten eines Tischgeräts liegen.
Innerhalb des Typs lohnt eine Frage, die im Datenblatt selten auftaucht: Bleibt nach der Messung ein Präparat übrig? Die meisten Systeme bilden die Zellen im Durchfluss ab, ein Objektträger entsteht dabei nicht. Einzelne fertigen in der Kartusche einen gefärbten Ausstrich an und ermöglichen so Zweitbeurteilung und Telekonsil, z.B. das miLab von Noul, das Ausstreichen, Färben, Digitalisieren und Klassifizieren in einem Gerät zusammenfasst, bei rund fünfzehn bis zwanzig statt fünf Minuten und bislang dünner unabhängiger Studienlage für das hämatologische Modul.
Klassische Impedanz- oder Optiksysteme in kleiner Bauform, die mit Reagenzienpacks statt mit Kanistern arbeiten. Nach den Kriterien dieses Beitrags sind sie streng genommen nicht mobil: Sie führen Flüssigkeiten, sammeln Abfall und benötigen nach jedem Standortwechsel Startzyklus, Hintergrundmessung und in der Regel eine Kontrollmessung. Sie stehen hier, weil sie in Beschaffungsgesprächen regelmäßig als mobile Option angeboten werden und weil sie bei höherem Durchsatz an einem überwiegend festen Standort mit gelegentlicher Verlegung die wirtschaftlich bessere Wahl sein können. Typisch für diese Bauart ist der Sysmex pocH-100i: kleines Blutbild mit 3-Part-Differenzierung aus etwa 15 µL Vollblut, Reagenzien und Abfallbehälter gemeinsam in einem Pack und eine Abschaltsequenz mit Reinigungslauf, die vor jedem Standortwechsel zu durchlaufen ist.
| Systemtyp | Parameterumfang | Reagenzienform | Abfall im Gerät | Zeit bis Ergebnis | Mobil im Sinne dieses Beitrags |
|---|---|---|---|---|---|
| Reduzierter Parameterumfang | Leukozyten mit 5-diff, kein rotes Blutbild | Einweg-Mikroküvette | nein | ca. 5 min | ja |
| Kartuschenbasiertes Vollblutbild | Großes Blutbild, 5-diff; je nach System zusätzlich Zellmorphologie | Einwegkartusche | nein | ca. 5 min, mit Ausstrich ca. 15–20 min | ja |
| Kompakt-Tischgerät mit flexiblem Aufstellort | Großes Blutbild, 3-diff oder 5-diff | Reagenzienpacks | ja | ca. 1–3 min je Probe nach Rüstung | nein, Grenzfall |
Die Angabe „mobil“ steht in keinem Datenblatt als messbare Größe. Prüfbar sind stattdessen diese sieben Punkte.
| Prüfgröße | Warum sie entscheidet | Konkrete Frage an den Anbieter |
|---|---|---|
| Reagenzienform | Unit-Use-Reagenzien machen Vorratshaltung, Anbruchfristen und Verwurf gegenstandslos | Liegen alle Reagenzien je Messung portioniert vor? |
| Abfallführung | Ein integrierter Abfallbehälter erzwingt Entleerungsroutine und Entsorgungsweg je Standort | Verbleibt der Flüssigabfall im Verbrauchsmaterial? |
| Rüstzeit aus dem Aus-Zustand | Bestimmt, ob das Gerät zwischen zwei Terminen versetzbar ist | Zeit von „ausgeschaltet“ bis zur ersten freigegebenen Patientenprobe? |
| Kalibrationsstabilität nach Transport | Erschütterung kann Justage und optische Ausrichtung beeinflussen | Ist nach Transport eine Kalibration oder Kontrollmessung vorgeschrieben? |
| Probenvolumen und Probenart | Entscheidet, ob Kapillarblut ohne Röhrchenlogistik möglich ist | Freigegebenes Volumen und freigegebene Probenart laut Gebrauchsanweisung? |
| Lagerbedingungen der Verbrauchsmaterialien | Eine Kühlkettenpflicht hebt den Mobilitätsvorteil weitgehend auf | Lagertemperatur und zulässige Transportbedingungen der Kartuschen? |
| Konnektivität ohne feste Verkabelung | Ohne Anbindung entsteht Doppeldokumentation an jedem Standort | WLAN- oder Mobilfunkanbindung, Offlinepuffer, Übertragung nach Wiederverbindung? |
| Nachbefundbares Präparat | Entscheidet, ob geflaggte Proben vor Ort geklärt oder versendet werden müssen | Bleibt nach der Messung ein gefärbter Ausstrich erhalten? |
Der wirtschaftlich folgenreichste Punkt ist die Reagenzienform. Systemreagenzien für Tischgeräte werden in Gebinden geliefert, die auf kontinuierlichen Betrieb ausgelegt sind und nach Anbruch nur begrenzt haltbar bleiben. Bei niedrigem Durchsatz kann der Verwurfanteil den tatsächlichen Verbrauch übersteigen. Unit-Use-Systeme kennen dieses Problem nicht, sie verlagern die Kosten stattdessen vollständig in den Stückpreis.
Rotierender Betrieb über mehrere Standorte. MVZ mit Zweigpraxen, Praxisgemeinschaften mit versetzten Sprechzeiten, Betriebsmedizin mit Einsatzstellen: Hier verteilt sich derselbe Fixkostenblock auf mehrere Einheiten. Vier Standorte mit je acht Proben täglich rechtfertigen keine vier Geräte, wohl aber ein Gerät, das rotiert.
Freigabeentscheidung vor zytostatischer Therapie. In der onkologischen Tagesklinik hängt die Applikation an aktuellen Zellzahlen, insbesondere an der absoluten Neutrophilenzahl. Liegt der Wert erst am Folgetag vor, entsteht ein zusätzlicher Patiententermin. Ein Methodenvergleich an 40 Erwachsenen unter laufender Chemotherapie zeigte für ein kartuschenbasiertes POC-System aus Kapillarblut gegenüber dem Zentrallaborgerät aus Venenblut gute Übereinstimmung für Hämoglobin, Hämatokrit, MCV, Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten, Lymphozyten, Neutrophile und Eosinophile; für Basophile war die Korrelation unzureichend, wurde von den Autoren im Therapiemonitoring aber als klinisch nachrangig eingestuft (García-Tardón et al., 2024).
Messung im Isolationsbereich. Wird das Gerät in den Bereich gebracht, entfällt der Probentransport durch die Einrichtung. Der Vorteil liegt weniger in der Zeit als in der Reduktion von Transportwegen und Kontaktpunkten.
Studienzentren und dezentrale Versorgungsmodelle. Ein-/Ausschlusskriterien und Sicherheitslabor lassen sich am Prüfzentrum erheben, ohne Versandlogistik. Publizierte Evaluationen mobiler CBC-Systeme adressieren zunehmend genau diesen Kontext, Monitoring näher am Patienten, mit dem Anspruch auf Vergleichbarkeit zum Zentrallabor.
Wo Mobilität endet. Hausbesuch, Pflegeeinrichtung ohne Laborraum und präklinische Versorgung verlangen Netzunabhängigkeit und ein Gewicht, das eine Person trägt. Das ist ein eigenes, deutlich kleineres Marktsegment.
Mobiler Betrieb bedeutet in der Praxis fast immer Kapillarblut, weil die Venenpunktion mit Röhrchenlogistik den Vorteil aufzehrt. Damit verschiebt sich die kritische Fehlerquelle vom Gerät zur Probengewinnung.
Kapillar- und venöse Messwerte korrelieren für die meisten Parameter gut, methodisch relevante Abweichungen und ein deutlicher Einfluss der Lagerungsbedingungen sind jedoch dokumentiert (Doeleman et al., 2023); die präanalytischen Fallstricke der kapillären Entnahme sind gesondert beschrieben (Krleza et al., 2015). Bemerkenswert ist ein Befund des oben genannten Methodenvergleichs: Das MCV fiel aus Kapillarblut niedriger aus und zwar auf beiden Geräten, auch auf dem Zentrallaboranalysator. Die Autoren führen das auf eine Verdünnung mit Gewebeflüssigkeit bei der Hautpunktion zurück (García-Tardón et al., 2024).
Für die Bewertung eines mobilen Systems ist das die entscheidende Unterscheidung: Ein Teil der Abweichung gegenüber dem Zentrallabor stammt aus der Probenart, nicht aus dem Gerät. Wer beide Wege parallel betreibt, sollte das dokumentieren und in den Reflexkriterien berücksichtigen, statt es dem POC-Gerät zuzuschreiben.
Ein zweiter, prinzipbedingter Punkt betrifft kleine Probenvolumina: Die statistische Unsicherheit einer Zählung wird von der Zahl der tatsächlich gezählten Zellen bestimmt. In der Leukopenie und in der Basophilen- und Monozytenfraktion, also dort, wo absolut wenige Zellen erfasst werden, steigt die Streuung entsprechend an. Genau diese Parameter zeigen in publizierten Präzisionsdaten mobiler Systeme die höchsten Variationskoeffizienten. Für Therapieentscheidungen im leukopenen Bereich ist deshalb zu prüfen, welche untere Messgrenze der Hersteller freigibt und wie die Präzision in diesem Bereich belegt ist.
Zur Röhrchenwahl und Antikoagulation: EDTA-Blutbild. Zur Präanalytik der Thrombozytenzählung: Thrombozyten.
Die RiliBÄK gilt in Deutschland unabhängig davon, wo ein Gerät steht. Ob die Standardvorgaben greifen oder eine der Ausnahmen, hängt an zwei Dingen: an der Reagenzienform und (bei den Ringversuchen) am Betriebskontext.
Interne Qualitätskontrolle. Abschnitt 2.1.5 enthält eine Ausnahme für die patientennahe Sofortdiagnostik mit Unit-Use-Reagenzien. Sie greift, wenn das Gerät benutzungstäglich einen elektronischen oder physikalischen Standard misst oder durch eine integrierte Funktionsprüfung verhindert, dass fehlerhafte Ergebnisse ausgegeben werden. Dann genügt eine Kontrollprobeneinzelmessung pro Woche und auch nur in Wochen, in denen Patientenproben gemessen werden.
Wirtschaftlich ist das ein größerer Hebel, als es klingt. Beim Tischgerät fällt die Kontrolle je Gerät und Messtag an, unabhängig davon, ob fünf oder fünfzig Proben laufen. Bei niedrigem Durchsatz wird sie damit zum dominierenden Kostenblock je Ergebnis.
Externe Qualitätssicherung. Auch von den Ringversuchen befreit die Richtlinie Unit-Use-Verfahren, aber nicht pauschal. Teil B, Punkt 2.2 Absatz (3) nennt abschließend zwei Konstellationen: Praxen niedergelassener Ärzte und medizinische Dienste ohne Zentrallabor, sowie Krankenhäuser, sofern dort das Zentrallabor die interne Qualitätssicherung verantwortet und dieselbe Messgröße auch selbst bestimmt.
Die zweite Bedingung wird verständlich, wenn man den Zweck betrachtet: Nicht die Reagenzienform ersetzt die externe Prüfung, sondern das Zentrallabor, das für diese Messgröße ohnehin am Ringversuch teilnimmt. Fehlt dieser Rückhalt, weil das Zentrallabor das Blutbild nicht selbst bestimmt oder die Verantwortung nicht übernimmt –, greift die Ausnahme nicht.
| Konstellation | Ringversuchsteilnahme |
|---|---|
| Unit-Use-System in der Praxis niedergelassener Ärzte | nicht verpflichtend |
| Unit-Use-System bei einem medizinischen Dienst ohne Zentrallabor | nicht verpflichtend |
| Unit-Use-System im Krankenhaus, Zentrallabor verantwortet die interne QS und bestimmt die Messgröße selbst | nicht verpflichtend |
| Unit-Use-System im Krankenhaus ohne diese Voraussetzung | verpflichtend |
| Gerät mit Systemreagenzien, unabhängig vom Betreiber | verpflichtend |
Nach RiliBÄK Teil B, Punkt 2.2 Absatz (3). Maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung der Richtlinie.
Wo die Pflicht besteht, betrifft sie beim Blutbild Erythrozyten, Hämatokrit, Hämoglobin, Leukozyten und Thrombozyten, bei vierteljährlicher Teilnahme. Erfahren Sie mehr zum Thema: Ringversuch.
Vor der Beschaffung zu klären. Beide Ausnahmen gelten nur für echte patientennahe Sofortdiagnostik, also wenn aus dem Ergebnis unmittelbar eine diagnostische oder therapeutische Konsequenz folgt. Ob ein Gerät die technischen Voraussetzungen erfüllt, gehört in die Herstellererklärung und sollte nicht unterstellt werden. Dazu kommt eine Frage, die in Ausschreibungen selten auftaucht: Kann das Gerät Ringversuchsmaterial verarbeiten? Bei kleinen Probenvolumina und Kartuschenzuführung ist das nicht selbstverständlich – und es zählt, sobald die Pflicht greift oder freiwillig teilgenommen werden soll.
Betriebsorganisation. Bei wechselndem Standort kommen drei Festlegungen hinzu: Wer ist an welchem Standort eingewiesen und berechtigt? Wo wird der Standortwechsel dokumentiert? Und wie werden Kontrollmessungen dem Gerät und dem Messtag zugeordnet statt dem Standort? Das gehört in die Standardarbeitsanweisung, bevor das Gerät zum ersten Mal verlegt wird.
Mobile Systeme kehren die Kostenstruktur eines Tischgeräts um. Der Vergleich lohnt sich deshalb nur über die effektiven Kosten je verwertbarem Ergebnis, nicht über den Listenpreis der Reagenzien.
| Kostenblock | Verlegbares Tischgerät | Mobiles Unit-Use-System |
|---|---|---|
| Anschaffung | mittel bis hoch | niedrig bis mittel |
| Reagenzien je Messung | niedrig | hoch |
| Verwurf durch Anbruchfristen | bei niedrigem Durchsatz erheblich | entfällt weitgehend |
| Kalibration, Spülung, Startzyklus | kalendarisch, unabhängig von der Probenzahl | gering bis entfallend |
| Interne Qualitätskontrolle | je Gerät und Messtag | ggf. wöchentlich nach Sonderregelung |
| Servicevertrag und Wartung | in der Regel erforderlich | häufig reduziert |
Die Konsequenz ist ein Break-even, kein grundsätzliches Urteil: Unterhalb einer bestimmten Probenzahl je Tag ist das Unit-Use-System trotz höherer Stückkosten das günstigere Verfahren, weil Verwurf, Rüstaufwand und Kontrolllast entfallen. Oberhalb dieser Schwelle kehrt sich das Verhältnis um. Wo die Schwelle liegt, hängt von den konkreten Verbrauchsmaterialpreisen ab und ist gerätespezifisch zu rechnen; Orientierungswerte für Anschaffung und Kosten je Test nach Gerätetyp enthält die Preisübersicht im übergeordneten Beitrag.
Zu beachten: Eine gesonderte Vergütung für die Erbringung am Point of Care sieht der EBM nicht vor. Abgerechnet werden dieselben Ziffern wie im Labor. Die Refinanzierung eines mobilen Systems gelingt daher über Prozessvorteile – vermiedene Zweittermine, verkürzte Aufenthaltszeiten, entfallende Transportlogistik –, nicht über die Leistungsziffer.
das Probenaufkommen je Standort im Median unter etwa zwanzig liegt,
das Gerät an mehr als einem Ort eingesetzt werden soll,
kein Laborraum mit Wasser- und Abflussanschluss verfügbar ist,
der Anteil zeitkritischer Anforderungen hoch, das absolute Volumen aber niedrig ist,
der Betrieb sporadisch ist und Routine im Umgang mit einem komplexen Gerät nicht gehalten werden kann.
ein fester Standort mit gleichmäßiger Grundlast vorliegt,
der Durchsatz die Break-even-Schwelle der Verbrauchsmaterialien überschreitet,
Reflexkriterien mit erweitertem Parameterumfang und Retikulozyten gefahren werden,
die Anbindung an LIS oder KIS über eine bestehende feste Infrastruktur erfolgt.
In beiden Fällen zu klären: dokumentierter Methodenvergleich gegen das Referenzverfahren vor Inbetriebnahme, schriftliche Herstellererklärung zur Anwendbarkeit der Unit-Use-Regelungen, und, sofern Ringversuchspflicht besteht oder freiwillig teilgenommen werden soll, die Verarbeitbarkeit von Ringversuchsmaterial.
Ein mobiles Blutbildgerät entsteht nicht durch eine kleine Bauform, sondern durch Unit-Use-Reagenzien, kurze Rüstzeit und den Verzicht auf Infrastruktur. Zwei Systemtypen prägen das mobile Segment: Geräte mit reduziertem Parameterumfang und kartuschenbasierte Vollblutbildsysteme; Kompakt-Tischgeräte markieren den Grenzfall. Sie unterscheiden sich weniger in der Analytik als in der Betriebsökonomie.
Der wirtschaftliche Vorteil liegt nicht im Stückpreis, sondern im Wegfall von Verwurf, Rüstaufwand und täglicher Kontrolllast – Faktoren, die bei niedrigem Durchsatz die Kosten je Ergebnis dominieren. Der kritische Punkt liegt in der Präanalytik: Kapillarblut erzeugt einen Teil der Abweichung gegenüber dem Zentrallabor unabhängig vom Gerät. Wer Mobilität und Tragbarkeit trennt, bevor er ausschreibt, vergleicht am Ende Geräte, die tatsächlich zur Aufgabe passen.
Ein mobiles Blutbildgerät ist ein Hämatologie-Analysegerät, das an wechselnden Standorten betrieben werden kann, ohne dort fest installiert zu werden. Kennzeichnend sind Unit-Use-Reagenzien oder Einwegkartuschen, eine kurze Rüstzeit aus dem ausgeschalteten Zustand und der Verzicht auf Wasseranschluss, Abfluss und feste Netzwerkverkabelung.
Mobil bedeutet, dass ein Gerät zwischen Standorten versetzt und dort ohne Neuinstallation betrieben werden kann. Tragbar setzt zusätzlich voraus, dass es netzunabhängig arbeitet und von einer Person zum Patienten getragen werden kann. Jedes tragbare Gerät ist mobil, aber nicht jedes mobile Gerät ist tragbar.
Das hängt vom Systemtyp ab. Systeme mit reduziertem Parameterumfang liefern nur die Leukozytenzahl mit Fünffachdifferenzierung, kartuschenbasierte Systeme das große Blutbild mit 5-diff-Differenzierung, Systeme mit automatisierter digitaler Mikroskopie zusätzlich morphologische Bildbefunde.
Für die meisten Parameter besteht eine gute Übereinstimmung. Methodisch relevante Abweichungen sind jedoch dokumentiert, insbesondere bei Basophilen und Monozyten sowie beim MCV. Ein Teil der Abweichung entsteht durch die kapilläre Entnahme selbst und tritt auch auf Zentrallaborgeräten auf.
Für die patientennahe Sofortdiagnostik mit Unit-Use-Reagenzien sieht Abschnitt 2.1.5 der RiliBÄK unter definierten Voraussetzungen eine reduzierte Frequenz vor: Werden benutzungstäglich elektronische oder physikalische Standards angewandt oder verhindert eine integrierte Gerätefunktionsprüfung die Ausgabe fehlerhafter Ergebnisse, genügt eine wöchentliche Kontrollprobeneinzelmessung in Kalenderwochen mit Patientenproben. Ob ein System die Voraussetzungen erfüllt, ist gerätespezifisch anhand der Herstellererklärung zu prüfen.
Unter bestimmten Bedingungen ja. Nach Teil B, Punkt 2.2 Absatz (3) der RiliBÄK entfällt die Verpflichtung zur Ringversuchsteilnahme für Untersuchungen mit Unit-Use-Reagenzien in der patientennahen Sofortdiagnostik – in Praxen niedergelassener Ärzte und bei medizinischen Diensten ohne Zentrallabor sowie in Krankenhäusern, sofern das Zentrallabor die interne Qualitätssicherung verantwortet und die Messgröße selbst bestimmt. Maßgeblich ist die Reagenzienform und der Betriebskontext, nicht die Bauform des Geräts. Geräte mit Systemreagenzien bleiben ringversuchspflichtig.
Ein Break-even lässt sich nicht pauschal angeben, weil er von den Verbrauchsmaterialpreisen abhängt. Als Orientierung gilt: Unterhalb von etwa zwanzig Proben je Tag und Standort überwiegen die eingesparten Kosten für Verwurf, Rüstaufwand und tägliche Qualitätskontrolle den höheren Stückpreis.
Das hängt vom Durchsatz ab. Die Anschaffungskosten liegen bei mobilen Systemen in der Regel unter denen eines Tischgeräts, die Kosten je Test dagegen häufig darüber, weil Kartusche oder Küvette sämtliche Reagenzien für eine einzelne Messung enthalten. Bei niedrigem Probenaufkommen kehrt sich das Verhältnis um: Reagenzienverwurf nach Anbruch, kalendarisch anfallende Kalibrations- und Spülzyklen sowie Wartungs- und Kontrollaufwand verteilen sich beim Tischgerät auf wenige Ergebnisse und können die Kosten je Befund über die eines mobilen Systems heben.
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