Sysmex Blutbildgerät: Modelle für Praxis & Klinik im Vergleich

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise. 

Kurzfassung: Die Wahl eines Sysmex-Blutbildgeräts richtet sich nach benötigter Differenzierung, tatsächlichem Probenaufkommen und Einsatzort, nicht nach dem maximalen Durchsatz. Für patientennahe Anwendungen dienen kompakte 3-Part-Systeme für das kleine Blutbild (15–16 µL, bis 70 Proben/Stunde) sowie kompakte 5-Diff-Systeme mit Fluoreszenz-Durchflusszytometrie, die aus 25 µL ein großes Blutbild mit bis zu 28 Parametern samt unreifer Granulozyten und NRBC liefern. Für Klinik und Zentrallabor folgen modulare Hochdurchsatzsysteme, ergänzt um Speziallösungen für Malaria- und Veterinärdiagnostik.

Wer nach einem Sysmex Blutbildgerät sucht, steht zunächst vor einer ganzen Reihe unterschiedlicher Systeme. Denn Sysmex bietet nicht nur einen einzelnen Hämatologie-Analysator an. Das Portfolio reicht von kompakten Geräten für Praxis und patientennahe Diagnostik bis zu modular aufgebauten Hochdurchsatzsystemen für große Labore.

Für Praxen und Point-of-Care-Anwendungen sind insbesondere der pocH-100i, der XQ-320 und der XN-330 interessant. Während pocH-100i und XQ-320 auf die 3-Part- beziehungsweise 3-Diff-Analyse ausgerichtet sind, ermöglicht der XN-330 als kompaktes 5-Diff-System ein großes Blutbild mit differenzierter Leukozytenanalyse.

Welches Gerät sinnvoll ist, hängt deshalb weniger von der Marke als von der konkreten diagnostischen Aufgabe ab: Wird ein kleines oder großes Blutbild benötigt? Wie viele Proben fallen tatsächlich an? Wo soll das Gerät eingesetzt werden? Und welche Anforderungen bestehen an Bedienung, Vernetzung und Workflow?

Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Sysmex-Systeme ein und vergleicht die für Praxis und Point of Care besonders relevanten Modelle.

Welche Sysmex Blutbildgeräte gibt es?

Das Hämatologie-Portfolio von Sysmex lässt sich für die Geräteauswahl grob in vier Bereiche einteilen.

Kompakte 3-Part-Systeme für patientennahe Anwendungen:

Hierzu gehören beispielsweise pocH-100i, XQ-320 und XP-300. Sie erstellen kleine Blutbilder mit einer 3-Part-Differenzierung und kommen unter anderem in Praxen, auf Stationen und im Point-of-Care-Umfeld zum Einsatz.

Kompakte 5-Diff-Systeme:

Die XN-L-Serie erweitert die Differenzierung und ermöglicht ein großes Blutbild in vergleichsweise kompakter Bauform. Zu dieser Geräteklasse zählen unter anderem XN-330 und XN-350.

Systeme für Klinik und Zentrallabor:

Für höhere Probenzahlen bietet Sysmex die XN-Serie sowie die neuere XR-Serie an. Diese Systeme sind für größere Laborstrukturen ausgelegt und lassen sich je nach Konfiguration modular erweitern und in automatisierte Workflows integrieren.

Spezialisierte Hämatologiesysteme:

Daneben umfasst das Portfolio Lösungen für besondere Anwendungsgebiete, beispielsweise den XN-31 für die Malariadiagnostik, die XN-V-Serie für veterinärmedizinische Anwendungen sowie Systeme für digitale Morphologie, Ausstrich und Färbung.

Für Arztpraxen und patientennahe Anwendungen sind vor allem pocH-100i, XQ-320 und XN-330 interessant. Deshalb betrachten wir diese drei Modelle genauer.

Sysmex pocH-100i: kompaktes Blutbildgerät für den Point of Care

Der Sysmex pocH-100i ist ein kompakter 3-Part-Hämatologie-Analyzer, dessen Konzept auf den patientennahen Einsatz ausgerichtet ist. Das Gerät erstellt ein kleines Blutbild einschließlich einer 3-Part-Leukozytendifferenzierung.

Für die Zellzählung kommt Impedanzmessung mit hydrodynamischer Fokussierung zum Einsatz. Die Hämoglobinbestimmung erfolgt über eine zyanidfreie photometrische Methode.

Für eine Analyse werden 15 µL EDTA-Vollblut benötigt. Die Messung dauert rund 148 Sekunden.

Ein wichtiger Aspekt für den Einsatz außerhalb eines klassischen Zentrallabors ist die Bedienung. Der pocH-100i verfügt über eine geschlossene Probenzufuhr, einen symbolgestützten Touchscreen und ein Plug-and-Work-Reagenziensystem. Automatisierte Wartungsfunktionen sollen den manuellen Aufwand im laufenden Betrieb reduzieren.

Mit einem Gewicht von rund 14 kg ist der pocH-100i zudem das leichteste der hier verglichenen Sysmex-Geräte.

Typische Einsatzbereiche: Arztpraxis, Gesundheitszentrum, Station, Ambulanz, Pflegeeinrichtung und Notaufnahme.

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Sysmex XQ-320: 3-Diff mit höherem Probendurchsatz

Auch der Sysmex XQ-320 gehört zur kompakten Geräteklasse, setzt innerhalb dieses Segments jedoch andere Schwerpunkte. Der vollautomatische 3-Diff-Analyzer bestimmt 20 hämatologische Parameter und verarbeitet im Vollblutmodus bis zu 70 Proben pro Stunde.

Für WBC, RBC und PLT nutzt das System Impedanztechnologie; die Hämoglobinmessung erfolgt über eine zyanidfreie photometrische Methode.

Das erforderliche Probenvolumen beträgt 16 µL.

Für Einrichtungen mit höherem Routineaufkommen sind neben der Messgeschwindigkeit vor allem die Funktionen rund um Datenmanagement und Vernetzung interessant. Der XQ-320 bietet einen 10,4-Zoll-Touchscreen, Flags und Histogramme sowie umfangreiche Speichermöglichkeiten für bis zu 500.000 Befunde. Für die Anbindung stehen unter anderem HL7, LAN, WLAN und Bluetooth zur Verfügung.

Nach den vorliegenden Herstellerangaben ist lediglich eine Spülsequenz pro Woche vorgesehen, wodurch der regelmäßige Wartungsaufwand gering gehalten werden soll.

Typische Einsatzbereiche: Arztpraxis, Krankenhausstation, ambulantes Diagnostikzentrum, Labor und Point of Care.

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Sysmex XN-330: 5-Diff für das große Blutbild

Wer ein Sysmex Blutbildgerät für ein großes Blutbild sucht, kommt innerhalb der kompakten Produktlinie zum XN-330.

Der Sysmex XN-330 gehört zur XN-L-Serie und unterscheidet sich technisch deutlich von den beiden zuvor genannten 3-Diff-Geräten. Für die Leukozytendifferenzierung nutzt er Fluoreszenz-Durchflusszytometrie. Erythrozyten und Thrombozyten werden über Impedanzmessung mit hydrodynamischer Fokussierung bestimmt, während für Hämoglobin die cyanidfreie SLS-Methode eingesetzt wird.

Insgesamt stehen 28 diagnostische Parameter zur Verfügung.

Zusätzlich zu den klassischen Blutbildparametern kann das System unter anderem unreife Granulozyten (IG) und nukleierte Erythrozyten (NRBC) ausweisen. Ein iRBC-Flag dient der Prüfung auf parasitäre Einschlüsse.

Im Vollblutmodus benötigt der XN-330 25 µL Probe. Der maximale Durchsatz liegt bei bis zu 60 Proben pro Stunde.

Technisch interessant ist insbesondere, dass der kompakte XN-330 für die Leukozytenanalyse dieselbe grundlegende Fluoreszenz-Durchflusszytometrie nutzt wie größere Systeme der XN-Serie.

Mit etwa 35 kg ist er allerdings deutlich schwerer als pocH-100i und XQ-320.

Typische Einsatzbereiche: kleine und mittelgroße Labore, Kliniken, Arztpraxen, Notaufnahmen und Intensivbereiche.

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Sysmex Blutbildgeräte im direkten Vergleich

Modell Differenzierung Messprinzip Probenvolumen Durchsatz Gewicht Typischer Einsatz
pocH-100i 3-Part Impedanz + hydrodyn. Fokussierung, zyanidfreie Photometrie 15 µL ~148 s/Probe 14 kg Praxis, Station, Ambulanz, Pflege, Notaufnahme
XQ-320 3-Diff Impedanz + zyanidfreie Photometrie 16 µL bis 70/h 22 kg Labor, Praxis, Station, POC
XN-330 5-Diff Fluoreszenz-Durchflusszytometrie + Impedanz 25 µL bis 60/h 35 kg kleine/mittlere Labore, Klinik, Praxis, Notaufnahme, Intensiv

Angaben nach Herstellerdatenblättern. Freigegebene Probenart und Messbereich sind vor der Beschaffung geräteindividuell der Gebrauchsanweisung zu entnehmen. Alle Modelle im Vergleich: Hämatologie-Geräte auf Diagnoodle →

3-Diff oder 5-Diff: Welches Sysmex Blutbildgerät ist das richtige?

Beim Vergleich der Geräte sollte zunächst nicht auf Durchsatz oder Abmessungen geschaut werden. Die zentrale Frage lautet: Welche diagnostische Differenzierung wird im Alltag tatsächlich benötigt?

3-Part und 3-Diff für das kleine Blutbild

Geräte wie pocH-100i, XQ-320 und XP-300 differenzieren die Leukozyten in drei Populationen. Diese Geräteklasse eignet sich für Screening, Verlaufskontrollen und zahlreiche Fragestellungen der Infektdiagnostik.

Zwischen den einzelnen Modellen bestehen dennoch relevante Unterschiede.

Der pocH-100i ist stärker auf einen einfachen, patientennahen Workflow zugeschnitten. Der XQ-320 bietet dagegen einen höheren Probendurchsatz, 20 Parameter und umfangreichere Möglichkeiten zur Speicherung und Vernetzung.

Damit können zwei Geräte derselben Differenzierungsklasse für unterschiedliche Einrichtungen sinnvoll sein.

5-Diff für das große Blutbild

Bei häufigeren internistischen oder hämatologischen Fragestellungen kann eine differenziertere Analyse erforderlich sein.

Der XN-330 beziehungsweise die XN-L-Serie ermöglicht eine 5-Part-Differenzierung und damit ein großes Blutbild. Zusätzlich können Parameter wie unreife Granulozyten und NRBC ausgegeben werden.

Der größere diagnostische Umfang geht allerdings mit einem komplexeren und schwereren Gerätesystem einher. Für Einrichtungen mit sehr hohem Probenaufkommen schließen sich innerhalb des Sysmex-Portfolios die größeren Systeme der XN- und XR-Serie an.

Nicht nur den maximalen Durchsatz vergleichen

Ein häufiger Fehler bei der Geräteauswahl besteht darin, sich zu stark am maximal möglichen Probendurchsatz zu orientieren.

Entscheidender ist das tatsächliche Probenaufkommen im Alltag.

Ein System, das theoretisch sehr viele Proben pro Stunde verarbeiten kann, ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung für eine Einrichtung mit wenigen täglichen Blutbildern. Neben Anschaffung beziehungsweise Vertragskosten spielen unter anderem Reagenzienverbrauch, Wartung, Service und Kosten je Ergebnis eine Rolle.

Eine herstellerübergreifende Einordnung dieser Faktoren findet sich im Beitrag Hämatologie-Analysegerät (Blutbildgerät).

Sysmex Blutbildgerät oder Alternative eines anderen Herstellers?

Sysmex ist ein etablierter Anbieter in der Hämatologie, aber nicht der einzige Hersteller von Blutbildgeräten.

Im Markt finden sich unter anderem Systeme von Horiba, Nihon Kohden, Melet Schloesing, Boule, Edan und Dymind. Hinzu kommen neuere bildanalytische Geräte, bei denen Blutzellen bildbasiert erfasst und ausgewertet werden.

Für die Beschaffung ist deshalb ein Vergleich innerhalb einer einheitlichen Geräteklasse sinnvoll.

Wichtige Kriterien sind beispielsweise:

  • benötigte Differenzierung und Parameter

  • erforderliches Probenvolumen

  • tatsächlicher Probendurchsatz

  • Kosten je Ergebnis

  • Reagenzienkonzept

  • Wartungsaufwand

  • Konnektivität und LIS-/Praxisanbindung

  • Service- und Vertragsbedingungen

  • Platzbedarf und Mobilität

Auf Diagnoodle lassen sich Blutbildgeräte unterschiedlicher Hersteller nach einheitlichen Kriterien filtern und gegenüberstellen. Dadurch kann ein Sysmex Blutbildgerät direkt mit technisch vergleichbaren Alternativen eingeordnet werden.

Blutbildgeräte auf Diagnoodle vergleichen →

Weitere Einordnung: Blutbildgerät für die Praxis: Marktüberblick 2026

Was kostet ein Sysmex Blutbildgerät?

Eine pauschale Preisangabe ist bei Sysmex Blutbildgeräten kaum möglich. Offizielle Listenpreise werden nicht veröffentlicht und die tatsächlichen Konditionen können sich je nach Modell, Ausstattung, Abnahmemenge und Vertragsgestaltung unterscheiden.

Bei älteren Gebrauchtgeräten lässt sich zumindest eine grobe Marktindikation beobachten. Gebrauchte Systeme wie der XP-300 werden auf entsprechenden Marktplätzen teilweise für etwa 3.400 bis 5.500 US-Dollar angeboten.

Ein Gebrauchtpreis allein sagt allerdings wenig über die tatsächlichen Betriebskosten aus. Vor dem Kauf sollten insbesondere Zustand und Alter des Systems, Servicefähigkeit sowie die langfristige Verfügbarkeit von Reagenzien und Ersatzteilen geprüft werden.

Orientierungswerte zu Anschaffungskosten, Kosten je Test und Abrechnung nach Geräteklasse, einschließlich EBM, GOÄ und Österreich – finden sich im übergeordneten Beitrag Hämatologie-Analysegerät (Blutbildgerät).

Für aktuelle Sysmex-Systeme kann über die jeweilige Produktseite auf Diagnoodle ein konkretes Angebot angefragt werden.

Fazit: Welches Sysmex Blutbildgerät passt zu welcher Einrichtung?

Kompakte zytometrische Systeme decken den Regelbetrieb ab, sind breit belegt und in 3-, 5- und 6-Diff verfügbar. Daneben ist eine bildanalytische Klasse herangewachsen, die Reagenzienlogistik durch Einwegkartuschen ersetzt, Kapillarblut freigibt und inzwischen bis ins Handformat reicht.

Der Unterschied ist kein gradueller. Die Zytometrie erschließt zusätzliche Populationen über Messsignale, die Bildanalyse dagegen Parameter, die sich allein über die Zellform definieren und damit genau jene Größen, für die bisher ein Ausstrich nötig war. Weil diese Tiefe eine Frage des Modells und nicht der Optik ist, ist ein weiterer Zuwachs zu erwarten. 

Frequently Asked Questions (FAQs)

Was ist ein Sysmex Blutbildgerät?

Mit „Sysmex Blutbildgerät“ ist kein einzelnes Gerätemodell gemeint. Sysmex bietet verschiedene Hämatologie-Analysatoren zur automatisierten Blutbildbestimmung an. Das Portfolio reicht von kompakten 3-Part-Systemen für patientennahe Anwendungen bis zu modularen Hochdurchsatzsystemen für Zentrallabore.

Für kompakte und patientennahe Anwendungen gehören unter anderem pocH-100i, XP-300 und XQ-320 zu den 3-Part- beziehungsweise 3-Diff-Systemen. Die XN-L-Serie mit Modellen wie XN-330 und XN-350 bietet eine 5-Diff-Analyse. Für größere Kliniken und Zentrallabore stehen die XN- und XR-Serie zur Verfügung. Ergänzt wird das Portfolio durch spezialisierte Systeme.

Das hängt insbesondere davon ab, ob ein kleines oder großes Blutbild benötigt wird. pocH-100i und XQ-320 sind kompakte Lösungen für eine 3-Part- beziehungsweise 3-Diff-Analyse. Der XN-330 ermöglicht als 5-Diff-System ein großes Blutbild und bietet ein entsprechend erweitertes Parameterspektrum.

Der XQ-320 ist ein 3-Diff-Analyzer für das kleine Blutbild und bestimmt 20 Parameter. Der XN-330 ist dagegen ein 5-Diff-System für das große Blutbild und nutzt für die Leukozytendifferenzierung Fluoreszenz-Durchflusszytometrie. Er kann unter anderem unreife Granulozyten und nukleierte Erythrozyten ausweisen.

Sysmex veröffentlicht keine allgemeinen offiziellen Listenpreise. Die Kosten hängen unter anderem von Modell, Ausstattung und Vertragsmodell ab. Bei älteren gebrauchten Geräten können Marktpreise eine grobe Orientierung bieten. Für eine belastbare Kalkulation sollten jedoch zusätzlich Reagenzien, Wartung, Service und Kosten je Ergebnis berücksichtigt werden.

Weitere Anbieter hämatologischer Analysesysteme sind unter anderem Horiba, Nihon Kohden, Melet Schloesing, Boule, Edan und Dymind. Zusätzlich gibt es neuere Systeme mit bildanalytischen Messverfahren. Auf Diagnoodle können Geräte verschiedener Hersteller anhand einheitlicher Kriterien miteinander verglichen werden.

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