BGA-Gerät: Welches System passt zu Klinik, Praxis und Rettungsdienst?

Fachinformation für medizinisches Fachpersonal · Autor und fachliche Prüfung: Diagnoodle Redaktion · Stand: Oktober 2026

Kurzfassung: Welches BGA-Gerät passt, entscheidet vor allem das Probenaufkommen. Benchtop-Systeme mit Mehrtest-Kassette sind bei vielen Messungen pro Tag am günstigsten pro Ergebnis. Unit-use-Systeme mit Einzeltest-Kartusche rechnen sich bei wenigen Messungen und dort, wo das Gerät mit zum Patienten muss. Mobile Geräte kosten in der Anschaffung oft 4.000–9.000 € und 4–12 € pro Test. Tischgeräte (Benchtop) kosten ca. 15.000 € und liegen bei guter Auslastung um 1 € pro Test. Ebenso wichtig wie der Preis sind Parameterumfang, Präanalytik, Hämolyseerkennung, IT-Anbindung und Qualitätssicherung.
Ein BGA-Gerät wird in der Regel nicht alle paar Jahre ersetzt. Viele Einrichtungen arbeiten über lange Zeit mit demselben System. Entsprechend lohnt es sich, vor der Anschaffung genau hinzusehen: Wer darf die Messungen durchführen? Wie gelangen die Ergebnisse in die Patientenakte? Welche laufenden Kosten entstehen pro Analyse? Dieser Leitfaden zeigt die gängigen Gerätekonzepte und die wichtigsten Auswahlkriterien für den Praxis- und Klinikalltag. Außerdem erfahren Sie, worauf Sie beim Angebotsvergleich achten sollten, damit nicht nur der Gerätepreis, sondern die tatsächlichen Kosten pro Messung stimmen.

Was misst ein BGA-Gerät?

Ein BGA-Gerät analysiert wenige Tropfen heparinisierten Vollbluts und liefert Informationen zur Oxygenierung, Ventilation sowie zum Säure-Basen-Haushalt eines Patienten. Zum Standardumfang gehören die Parameter pH, pCO₂ und pO₂. Viele BGA-Geräte können darüber hinaus weitere Messgrößen bestimmen. Welche das sind, hängt vom jeweiligen System ab und zählt zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen zwischen den Geräten.
Gruppe Parameter Gemessen oder berechnet Klinisch relevant für
Blutgase pH, pCO₂, pO₂ gemessen Oxygenierung, Ventilation, Azidose/Alkalose
Säure-Basen-Status HCO₃⁻, Standardbikarbonat, Base Excess berechnet aus den Messwerten metabolischer Anteil einer Störung
CO-Oxymetrie sO₂, Gesamt-Hämoglobin, COHb, MetHb gemessen (Mehrwellenlängen-Photometrie) Rauchgas- und CO-Vergiftung, Methämoglobinämie
Hämatokrit Hkt meist über die elektrische Leitfähigkeit Transfusions- und Volumenentscheidungen
Elektrolyte Na⁺, K⁺, ionisiertes Ca²⁺, Mg²⁺, Cl⁻ gemessen (ionenselektive Elektroden) Rhythmusstörungen, Dialyse, Anionenlücke
Metabolite Laktat, Glukose, teils Kreatinin, Harnstoff, Bilirubin gemessen (meist enzymbasierte Sensoren) Sepsis, Stoffwechselentgleisung, Nierenfunktion, Neugeborenen-Ikterus

Zwei Messprinzipien

BGA-Geräte arbeiten entweder elektrochemisch oder optisch. Bei elektrochemischen Systemen erfassen Sensoren pH, pCO₂ und pO₂ über elektrische Spannungen beziehungsweise Ströme an gasdurchlässigen Membranen. Optische Systeme nutzen spezielle Farbstoffe, deren Fluoreszenz oder Lichtabsorption auf Veränderungen der Messwerte reagiert.

Ein Unterschied zeigt sich bei der Sauerstoffmessung: Optische pO₂-Sensoren verbrauchen während der Messung keinen Sauerstoff aus der Probe. Im praktischen Einsatz liefern beide Verfahren jedoch verlässliche Ergebnisse. Für die Geräteauswahl sind meist andere Punkte wichtiger, etwa Kalibrierung, Wartungsaufwand oder die Anforderungen an Lagerung und Haltbarkeit der Verbrauchsmaterialien.

Begriffe im Datenblatt genau prüfen

Hersteller verwenden für einzelne Parameter nicht immer dieselben Bezeichnungen. Das gilt besonders für die Sauerstoffsättigung. Deshalb lohnt sich ein Blick in die technischen Daten.

Die fraktionelle Sauerstoffsättigung berücksichtigt auch Dyshämoglobine wie COHb. Die funktionelle beziehungsweise partielle Sauerstoffsättigung lässt diese unberücksichtigt. Entsprechend können die Werte bei Rauchern oder einer CO-Vergiftung höher ausfallen, als es der tatsächlichen Sauerstoffversorgung entspricht. Nach demselben Prinzip arbeiten die meisten Pulsoxymeter. Weitere Hintergründe finden Sie im Beitrag Sauerstoffsättigung messen.

Welche Arten von BGA-Geräten gibt es?

BGA-Geräte unterscheiden sich vor allem darin, wie Messungen vorbereitet und durchgeführt werden. Manche Systeme sind dauerhaft betriebsbereit und führen Kalibrierungen automatisch im Hintergrund durch. Andere arbeiten mit Einwegkartuschen, die erst kurz vor der Messung eingesetzt werden.

Aus diesen beiden Ansätzen haben sich drei Gerätekategorien entwickelt, die sich bei Arbeitsablauf, Wartungsaufwand und laufenden Kosten deutlich unterscheiden.

Merkmal Benchtop mit Mehrtest-Kassette Unit-use-System (Einzeltest-Kartusche) Tragbares Gerät für die Präklinik
Typischer Ort Intensivstation, Notaufnahme, OP, Labor Station, Notaufnahme, Praxis Rettungsdienst, Hausbesuch, Transport
Probenaufkommen hoch niedrig bis mittel einzelne Messungen
Parameterumfang breit, oft mit CO-Oxymetrie je nach Kartusche wählbar meist Blutgase, Elektrolyte, Laktat
Kosten pro Test niedrig bei Auslastung mittel bis hoch mittel bis hoch
Wartung regelmäßig, automatisierte Kalibrierung gering gering, Akku und Robustheit prüfen
Stärke Durchsatz, Spektrum, Kosten pro Ergebnis kein Verwurf bei Leerlauf Diagnostik am Einsatzort
Typischer Haken Kassette läuft ab, auch wenn wenig gemessen wird Kartuschen teils gekühlt zu lagern Temperaturbereich im Fahrzeug, Kartuschenlogistik

Benchtop-Systeme werden fest an einem Standort betrieben. Sensoren und Reagenzien befinden sich in einer Kassette, die meist mehrere Wochen im Gerät verbleibt. Aktuelle Systeme liefern die Ergebnisse häufig innerhalb von weniger als einer Minute, auch wenn eine CO-Oxymetrie durchgeführt wird. Während ältere BGA-Geräte noch externe Kalibriergase benötigten, arbeiten die meisten heute mit Kalibrierlösungen und Umgebungsluft.

Unit-use-Systeme nutzen Einwegkartuschen, in denen die Sensoren bereits integriert sind. Dadurch bleibt das Gerät kompakt und der Wartungsaufwand gering. Da für jede Analyse eine neue Kartusche verwendet wird, liegen die Kosten pro Messung in der Regel höher als bei klassischen Benchtop-Systemen.

Tragbare BGA-Geräte basieren häufig auf dem Unit-use-Prinzip. Sie sind für den mobilen Einsatz ausgelegt und entsprechend leicht, robust und akkubetrieben. Dadurch lassen sich Blutgasanalysen direkt am Patienten durchführen, etwa auf Station, im Rettungsdienst oder bei Hausbesuchen. Einen Überblick über verfügbare Systeme finden Sie auf Diagnoodle unter mobile BGA-Geräte und stationäre BGA-Geräte.

Welches Gerätekonzept passt zu welchem Einsatzbereich?

Nicht jedes BGA-Gerät passt zu jeder Umgebung. Auf einer Intensivstation gelten andere Anforderungen als im Rettungsdienst, in der Notaufnahme oder in einer pneumologischen Praxis. Entscheidend sind vor allem Messumfang, Verfügbarkeit, Bedienaufwand und die Kosten pro Analyse. Die folgende Tabelle zeigt, welche Kriterien je nach Einsatzbereich besonders wichtig sind.
Einsatzbereich Was besonders zählt Typisches Konzept
Intensivstation, Anästhesie Durchsatz rund um die Uhr, CO-Oxymetrie, Laktat, Anbindung an die Patientenakte Benchtop
Notaufnahme Tempo, viele wechselnde Anwender, Schutz vor Hämolyse-Fehlbefunden beim Kalium Benchtop oder mehrere Unit-use-Geräte
OP und Herzchirurgie ionisiertes Calcium, Hämoglobin; Leitfähigkeits-Hämatokrit kann bei Herz-Lungen-Maschine und großen Infusionsmengen abweichen Benchtop in OP-Nähe
Nephrologie, Dialyse Kalium, Bikarbonat; bei Citrat-Antikoagulation weichen Geräte beim ionisierten Calcium nach dem Filter teils voneinander ab Benchtop oder Unit-use
Neonatologie, Pädiatrie kleines Probenvolumen, kapilläre Proben, Neugeborenen-Bilirubin Benchtop mit Bilirubin oder Unit-use
Pneumologie, Facharztpraxis einzelne Messungen, Verlaufskontrollen, z. B. bei COPD Unit-use
Rettungsdienst, Präklinik Akku, Robustheit, Start in Sekunden, Lagerung der Kartuschen tragbares Unit-use-System

In Krankenhäusern ist für die Qualitätssicherung der dezentralen Geräte meist das Zentrallabor zuständig. Binden Sie es deshalb früh ein, auch wenn das Gerät auf Station steht.

Kaufkriterien: Worauf es bei der Auswahl ankommt

Die technischen Daten sind schnell verglichen. Im Alltag machen oft andere Faktoren den Unterschied: Wie viele Proben fallen tatsächlich an? Wer arbeitet mit dem Gerät? Wie aufwendig sind Qualitätskontrollen und Wartung? Diese Punkte sollten Sie vor einer Anschaffung prüfen.

  1. Parameterumfang passend zum Einsatzbereich. Entscheidend ist nicht die längste Parameterliste, sondern ob das BGA-Gerät die Werte liefert, die im klinischen Alltag benötigt werden. Zusätzliche Parameter können Laboranforderungen vermeiden. Umgekehrt entstehen bei manchen Systemen Kosten für Messgrößen, die gar nicht genutzt werden.

  2. Messaufkommen und Durchsatz. Wie viele Analysen fallen pro Tag an und wie stark schwankt die Auslastung? Berücksichtigen Sie dabei auch Nacht-, Wochenend- und Notfallsituationen. Das tatsächliche Probenaufkommen beeinflusst maßgeblich, ob ein Benchtop- oder ein Unit-use-System wirtschaftlicher arbeitet.

  3. Benötigtes Probenvolumen. Besonders in der Neonatologie und Pädiatrie sollte das erforderliche Blutvolumen genau geprüft werden. Die Unterschiede zwischen den Systemen sind teilweise größer, als man auf den ersten Blick vermutet.

  4. Präanalytik und Hämolyse. Blutgasproben sollten so schnell wie möglich gemessen werden, in Plastikspritzen spätestens nach 30 Minuten, und vorher gründlich durchmischt werden. Gerade in Notaufnahmen und auf Intensivstationen kommt Hämolyse regelmäßig vor. Da hiervon insbesondere Kaliumwerte betroffen sein können, lohnt sich die Frage nach integrierten Hämolyse-Indikatoren oder anderen Funktionen, die Anwender bei der korrekten Probenhandhabung unterstützen. Mehr dazu im Beitrag Präanalytik.

  5. Bedienung im Alltag. Je mehr Personen mit dem BGA-Gerät arbeiten, desto wichtiger werden eine intuitive Benutzeroberfläche, nachvollziehbare Fehlermeldungen und eine Anwenderverwaltung mit Schulungs- oder Zugriffsnachweisen.

  6. IT-Anbindung. Ergebnisse sollten ohne manuelle Übertragung in LIS, KIS oder ein POCT-Datenmanagement übernommen werden. Üblich sind Schnittstellen wie HL7 oder POCT1-A. Klären Sie frühzeitig, welche Kosten für Schnittstellen, Middleware oder die Einbindung in bestehende Systeme entstehen.

  7. Qualitätssicherung. Für quantitative Messverfahren gelten in Deutschland die Vorgaben der RiliBÄK. Der Aufwand für interne und externe Qualitätskontrollen kann sich je nach Gerätekonzept deutlich unterscheiden. Automatisierte Kontroll- und Dokumentationsfunktionen entlasten das Personal erheblich. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Vorgaben.

  8. Verbrauchsmaterial und Infrastruktur. Achten Sie nicht nur auf den Gerätepreis. Ebenso wichtig sind Lagerbedingungen, Haltbarkeit von Kassetten oder Kartuschen, Platzbedarf sowie Anforderungen an Strom- und Netzwerkanschlüsse.

  9. Service und Support. Fällt ein BGA-Gerät aus, zählt vor allem die Reaktionszeit. Fragen Sie deshalb nach Wartungsintervallen, Ersatzgeräten, Software-Updates und den vertraglich zugesicherten Serviceleistungen.

Qualitätskontrolle: Was die RiliBÄK bei Tischgeräten und Unit-use-Systemen verlangt

In Deutschland regelt die RiliBÄK, Teil B 1 die Qualitätssicherung quantitativer Messverfahren und damit auch der Blutgasanalyse. Für Parameter wie pH, pCO₂ und pO₂ sind dort ebenso zulässige Fehlergrenzen festgelegt wie für Kalium, Natrium, ionisiertes Calcium, Laktat oder Glukose.

Für Anwender ist vor allem wichtig: Die Anforderungen an die Qualitätskontrolle fallen je nach Gerätekonzept unterschiedlich aus. Ob ein dauerhaft betriebsbereites Tischgerät oder ein kartuschenbasiertes Unit-use-System eingesetzt wird, hat direkten Einfluss auf den organisatorischen Aufwand im Routinebetrieb.

Anforderung Tischgerät (Benchtop) Unit-use-System in der patientennahen Sofortdiagnostik
Interne Kontrolle beim Start des Messverfahrens; an Messtagen mindestens 2-mal in 24 Stunden, spätestens nach 16 Stunden nach Herstellervorgabe; mit täglichen elektronischen bzw. physikalischen Standards oder integrierter Funktionsprüfung mindestens 1-mal pro Woche, in der Patientenproben gemessen werden
Kontrolle nach Eingriffen nach Neustart, Kalibration durch den Anwender, Wartung oder Reparatur und Reagenzchargenwechsel nach Kalibration durch den Anwender, Wartung oder Reparatur und Reagenzchargenwechsel
Kontrollproben zwei Konzentrationsbereiche im Wechsel, soweit verfügbar zwei Konzentrationsbereiche im Wechsel, soweit verfügbar
Monatliche Auswertung der Messabweichung ja, pro Kontrollperiode (in der Regel ein Kalendermonat) entfällt
Ringversuche einmal pro Quartal je Messgröße und Standort entfällt im Krankenhaus, wenn das Zentrallabor die interne Qualitätssicherung verantwortet und die Messgröße selbst bestimmt; entfällt in Praxen und medizinischen Diensten ohne Zentrallabor, Teilnahme wird empfohlen
Dokumentation Aufbewahrung 5 Jahre Aufbewahrung 5 Jahre

Quelle: RiliBÄK Teil B 1, Abschnitte 2.1.1, 2.1.3, 2.1.5 und 2.2 (Fassung vom 14.04.2023).

Was bedeutet das für die Geräteauswahl?

Bei einem Tischgerät gehören regelmäßige Qualitätskontrollen zum Routinebetrieb. Je stärker diese Prozesse automatisiert sind, desto geringer ist der Aufwand für das Personal. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, welche Kontrollen das System selbstständig durchführt und wie die Ergebnisse dokumentiert werden.

Bei Unit-use-Systemen hängt der Aufwand stärker von den integrierten Prüfmechanismen ab. Lassen Sie sich vom Hersteller erläutern, welche Funktionen zur Qualitätskontrolle vorhanden sind und ob damit die Voraussetzungen für die wöchentliche Kontrolle erfüllt werden.

Ein weiterer Punkt wird bei der Kalkulation häufig übersehen: Bei kartuschenbasierten Systemen verbraucht auch jede Kontrollmessung Verbrauchsmaterial. Diese Kosten sollten in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einfließen. 

Was kostet ein BGA-Gerät?

Der Preis eines BGA-Geräts hängt vor allem vom Gerätekonzept ab. Mobile BGA-Geräte sind oft bereits im unteren vierstelligen Bereich erhältlich, während für stationäre Benchtop-Systeme häufig rund 15.000 Euro oder mehr veranschlagt werden.

Für die Wirtschaftlichkeit ist der Gerätepreis allerdings nur ein Teil der Rechnung. Ausschlaggebend sind die laufenden Kosten im Routinebetrieb, also etwa für Kartuschen, Kassetten, Qualitätskontrollen, Wartung und Service. Entscheidend ist letztlich, was ein verwertbares Messergebnis tatsächlich kostet.

Gerätetyp Anschaffung (Orientierung) Kosten pro Test (Orientierung)
Mobiles BGA-Gerät / Unit-use ca. 4.000–9.000 € ca. 4–12 €
Tischgerät (Benchtop) ca. 15.000 € ca. 1 € bei guter Auslastung

Orientierungswerte, Stand Oktober 2026. Tatsächliche Preise hängen von Ausstattung, Vertragsmodell, Abnahmemenge und Service ab.

Welche Kosten neben dem Gerätepreis anfallen

Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung sollten neben den Anschaffungskosten auch die laufenden Ausgaben berücksichtigt werden:

  • Anschaffung, Leasing oder Miete des BGA-Geräts

  • Verbrauchsmaterialien wie Kartuschen, Kassetten, Sensoren oder Kalibrierlösungen

  • Kosten durch verfallene oder ungenutzte Verbrauchsmaterialien

  • Qualitätskontrollen einschließlich Kontrollmaterial, Ringversuchen und Personalaufwand

  • Wartung, Service und Ersatzteile

  • Anbindung an LIS, KIS oder POCT-Datenmanagement

  • Schulungen und Einweisungen für Anwender

Das Messaufkommen ist oft der wichtigste Kostenfaktor

Ob ein Benchtop-System oder ein Unit-use-Gerät wirtschaftlicher arbeitet, hängt vor allem von der Anzahl der Messungen ab. Bei Tischgeräten fallen bestimmte Kosten unabhängig davon an, wie viele Proben tatsächlich analysiert werden. Dazu gehören beispielsweise Kassetten, Kalibrierungen und Teile der Qualitätskontrolle.

Bei Unit-use-Systemen entstehen die meisten Kosten dagegen erst mit der einzelnen Messung. Werden nur wenige Proben durchgeführt, kann dieses Modell wirtschaftlich sein, weil keine Kassetten ungenutzt verfallen. Steigt das Probenaufkommen, verteilen sich die Fixkosten eines Tischgeräts auf eine größere Zahl von Analysen. Welche Lösung günstiger ist, lässt sich deshalb nur anhand der tatsächlichen Messzahlen und der vorliegenden Angebote beurteilen.

Angebote lassen sich nur bedingt über den Gerätepreis vergleichen

BGA-Systeme werden meist projektbezogen kalkuliert. Faktoren wie Testvolumen, Laufzeit, Serviceumfang oder die Größe der Einrichtung fließen häufig in die Preisgestaltung ein. Gerade größere Kliniken verhandeln zudem individuelle Rahmenverträge.

Sinnvoll vergleichbar werden Angebote daher erst dann, wenn alle Anbieter dieselben Rahmenbedingungen zugrunde legen, etwa die geplante Messzahl, die Vertragslaufzeit und den gewünschten Serviceumfang.

Kauf, Leasing oder Reagenzmiete?

Nicht nur das BGA-Gerät selbst beeinflusst die Gesamtkosten. Auch das gewählte Vertragsmodell wirkt sich auf Investitionsbedarf, laufende Ausgaben und Planungssicherheit aus. In der Praxis haben sich drei Modelle etabliert.
Modell So funktioniert es Darauf sollten Sie achten
Kauf Gerät gehört der Einrichtung, Verbrauchsmaterial wird separat bezogen Preisbindung für Verbrauchsmaterial über die Laufzeit
Leasing oder Ratenkauf Anschaffung verteilt auf feste Monatsraten Restwert, Laufzeit, was bei Defekt passiert
Reagenzmiete Gerät wird gestellt, bezahlt wird über das Verbrauchsmaterial Mindestabnahme, Preis pro Test bei sinkender Testzahl, Kündigungsfristen
Unabhängig vom gewählten Vertragsmodell müssen die Vorgaben der Medizinprodukte-Betreiberverordnung eingehalten werden. Dazu gehören unter anderem Einweisungen für Anwender sowie vorgeschriebene Prüfungen. Vor Vertragsabschluss sollte deshalb geklärt werden, welche Aufgaben die Einrichtung selbst übernimmt und welche durch Hersteller oder Servicepartner abgedeckt werden.

BGA-Gerät kaufen: So kommen Sie zu einer fundierten Entscheidung

Wer mehrere Angebote einholen möchte, sollte die Rahmenbedingungen vorab möglichst genau definieren. Das erleichtert den Vergleich und verhindert, dass wichtige Kosten oder Anforderungen erst nach der Anschaffung sichtbar werden.

  1. Den Bedarf klar beschreiben. Dazu gehören Einsatzort, erwartetes Messaufkommen, benötigte Parameter, verwendete Probenarten und der spätere Anwenderkreis.

  2. Alle relevanten Bereiche frühzeitig einbeziehen. Neben den künftigen Anwendern sollten auch Labor beziehungsweise POCT-Koordination, Medizintechnik, IT und Einkauf beteiligt sein. So lassen sich technische und organisatorische Anforderungen früh klären.

  3. Einheitliche Anforderungen an die Anbieter senden. Damit Angebote vergleichbar bleiben, sollten alle Hersteller dieselben Informationen erhalten, etwa zu Messzahl, Vertragslaufzeit, gewünschter IT-Anbindung und Serviceumfang.

  4. Wenn möglich eine Teststellung nutzen. Einige Tage oder Wochen unter realen Bedingungen zeigen oft schneller als jede Produktpräsentation, wie gut Bedienung, Arbeitsabläufe und Verbrauchsmaterial zum eigenen Einsatzbereich passen.

  5. Die Gesamtkosten betrachten. Ausschlaggebend sind nicht die Anschaffungskosten allein, sondern die Kosten pro verwertbarem Ergebnis über die gesamte Nutzungsdauer.

Häufige Stolpersteine bei der Beschaffung

  • Der Gerätepreis steht im Mittelpunkt, während Verbrauchsmaterialien, Qualitätskontrollen und Servicekosten kaum berücksichtigt werden.

  • Das tatsächliche Messaufkommen wird zu hoch angesetzt. Dadurch erscheint ein Gerätekonzept wirtschaftlicher, als es im Routinebetrieb ist.

  • Die IT wird erst spät eingebunden. Fehlende Schnittstellen führen dann zu zusätzlichem Dokumentationsaufwand.

  • Anforderungen an die Präanalytik werden unterschätzt. Fehler bei Probengewinnung oder Probenhandling können zusätzliche Messungen erforderlich machen.

  • Qualitätskontrollen und Dokumentation werden erst nach der Kaufentscheidung geplant.

Vor der Angebotsanfrage prüfen

  • Einsatzbereich und Standort definiert

  • Erwartetes Messaufkommen einschließlich Spitzenzeiten abgeschätzt

  • Benötigte Parameter und Probenarten festgelegt

  • Erforderliches Probenvolumen geprüft, insbesondere in Pädiatrie und Neonatologie

  • Anbindung an LIS, KIS oder POCT-System geklärt

  • Vorgehen für Qualitätskontrolle und Dokumentation abgestimmt

  • Lagerung und Logistik der Verbrauchsmaterialien berücksichtigt

  • Passendes Vertragsmodell und Budgetrahmen festgelegt

Auf Diagnoodle lassen sich BGA-Geräte nach technischen Merkmalen und Einsatzbereich filtern. Außerdem stehen Produktunterlagen zur Verfügung und es können unverbindliche Angebotsanfragen an die jeweiligen Anbieter gesendet werden.

Häufige Fragen aus der Praxis

Was kostet ein BGA-Gerät?
Die Anschaffungskosten hängen vom Gerätekonzept ab. Mobile BGA-Geräte liegen häufig im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich, stationäre Benchtop-Systeme meist darüber. Für die Wirtschaftlichkeit sind jedoch die laufenden Kosten entscheidend. Dazu zählen Verbrauchsmaterialien, Qualitätskontrollen, Wartung und Service.
Das hängt vor allem vom tatsächlichen Messaufkommen ab. Je mehr Analysen durchgeführt werden, desto besser verteilen sich die laufenden Fixkosten eines Benchtop-Systems. Eine belastbare Aussage lässt sich deshalb nur auf Grundlage der erwarteten Testzahlen und der konkreten Angebote treffen.

So kurz wie möglich: Blutgasproben sollten idealerweise sofort nach der Entnahme gemessen werden, weil sich pO₂, pCO₂, pH und Laktat in der Spritze weiter verändern. 30 Minuten in der Plastikspritze gelten als Obergrenze, nicht als Zeitfenster. Schon nach etwa zehn Minuten ist die Probe nicht mehr gleichmäßig durchmischt. Vor der Messung sollte sie deshalb gründlich gemischt werden, zum Beispiel durch längeres Rollen zwischen den Handflächen.

Nein. Ein Pulsoxymeter liefert lediglich Informationen zur Sauerstoffsättigung und kann wichtige Parameter einer Blutgasanalyse nicht bestimmen. Werte wie pH, pCO₂ oder Laktat erfordern weiterhin ein BGA-Gerät. Auch Dyshämoglobine wie COHb oder MetHb werden von den meisten Pulsoxymetern nicht zuverlässig erfasst.
Das hängt von Einsatzgebiet und Messaufkommen ab. Für pneumologische Praxen oder andere Einrichtungen mit regelmäßigem Bedarf kann insbesondere ein Unit-use-System interessant sein. Vor einer Anschaffung sollten neben den Verbrauchsmaterialkosten auch Qualitätssicherung, Arbeitsabläufe und die Abrechnung berücksichtigt werden.
Auf Diagnoodle können BGA-Geräte nach Parametern, Einsatzbereich und technischen Merkmalen gefiltert werden. Zusätzlich stehen Produktunterlagen bereit und es können Angebotsanfragen an die jeweiligen Anbieter versendet werden.

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