Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.
Das Spermiogramm gehört zu den häufigsten andrologischen Untersuchungen in der Urologie und zu den abrechnungstechnisch am häufigsten unterschätzten. Wer nicht weiß, welche GOÄ-Ziffer korrekt ist, wann die Krankenkasse zahlt und unter welchen Voraussetzungen eine IGeL-Leistung zulässig ist, verschenkt Vergütungspotenzial oder riskiert Rückforderungen. Dieser Leitfaden gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über alle relevanten Abrechnungswege. Einen vollständigen Überblick über automatische Spermienanalysegeräte für die Praxis bietet unsere Übersichtsseite zu CASA-Systemen.
Je nach Versicherungsstatus des Patienten und Indikation ergeben sich drei grundsätzlich unterschiedliche Abrechnungssituationen:
1. GKV-Patient mit medizinischer Indikation (EBM)
2. Privatpatient (GOÄ, Erstattung abhängig vom Tarif)
3. Patienten ohne Leistungsanspruch (Selbstzahler bei GKV als IGeL-Leistung)
Die richtige Zuordnung hängt nicht nur vom Versicherungsstatus ab, sondern auch davon, ob Ihre Praxis eine entsprechende Genehmigung besitzt, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Das Spermiogramm ist grundsätzlich eine Kassenleistung, allerdings nur unter zwei Bedingungen.
Die GKV übernimmt die Kosten, wenn ein begründeter Verdacht auf eine männliche Fertilitätsstörung besteht. Typische Indikationen sind unerfüllter Kinderwunsch nach zwölf Monaten regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr sowie (im Einzelfall) die Erfolgskontrolle nach Vasektomie, sofern eine Kostenübernahme vorliegt.
Die Erbringung und Abrechnung von Spermiogrammen im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung ist genehmigungspflichtig. Liegt keine Genehmigung vor, darf die Leistung nicht zulasten der GKV abgerechnet werden.
| EBM-Ziffer | Leistungsinhalt | Abrechnungskontext |
|---|---|---|
| 32190 | Spermauntersuchung (Motilität, Konzentration, Morphologie) | Verdacht auf Sterilität; Standard-Kassenleistung |
| 08540 | Spermauntersuchung im Rahmen künstlicher Befruchtung | Nur nach § 27a SGB V; Reproduktionsmediziner |
Für Privatpatienten und Beihilfeberechtigte gilt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Hier sind zwei Ziffern zentral:
Leistungsinhalt: Spermienzahl und Motilitätsbeurteilung, mikroskopisch.
Diese Ziffer bildet nur einen Teil der Spermiogramm-Parameter ab und wird in der Praxis selten isoliert angewendet. Wichtig zu wissen: Wird GOÄ 3668 abgerechnet, ist 3667 nicht zusätzlich berechnungsfähig.
Leistungsinhalt: Physikalisch-morphologische Untersuchung des Spermas, umfassend:
Menge und Viskosität
pH-Wert
Nativpräparate
Differenzierung der Beweglichkeit
Bestimmung der Spermienzahl
Vitalitätsprüfung
Morphologische Differenzierung nach Ausstrichfärbung
GOÄ 3668 ist die maßgebliche Ziffer für ein vollständiges Spermiogramm nach WHO-Standard. Als Laborleistung (GOÄ Abschnitt M) gelten besondere Steigerungsregeln: Der Regelhöchstsatz ohne schriftliche Begründung liegt bei Faktor 1,15; mit Begründung ist ein höherer Faktor möglich. Für die genauen Beträge empfehlen wir die Abrechnungstools Ihrer KV.
Der Entwurf der GOÄneu wurde im Mai 2025 auf dem Deutschen Ärztetag verabschiedet und an das Bundesgesundheitsministerium übergeben. Kabinettsbeschluss und Bundesrat-Zustimmung stehen noch aus, ein Inkrafttreten wird frühestens 2027, realistischer 2028 erwartet. Die aktuelle GOÄ von 1996 bleibt bis zur offiziellen Verabschiedung verbindlich.
Nicht jeder Patient hat einen GKV-Leistungsanspruch auf ein Spermiogramm. Bei GKV-Patienten kann die Untersuchung in folgenden Situationen als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) privat in Rechnung gestellt werden:
GKV-Patient ohne medizinische Indikation (z. B. zur Fertilitätsprüfung ohne Kinderwunsch-Anamnese)
GKV-Patient, wenn die Praxis keine EBM-Genehmigung besitzt
Kontrolle nach Vasektomie (in der Regel Selbstzahlerleistung, da die Vasektomie keine GKV-Leistung ist)
Spermiogramm auf ausdrücklichen Patientenwunsch ohne medizinische Indikation
Bei Privatpatienten erfolgt die Abrechnung grundsätzlich nach GOÄ; eine Erstattung ist abhängig vom individuellen Tarif. Leistungen ohne Erstattungsanspruch sind vom Patienten selbst zu tragen, stellen jedoch keine IGeL-Leistungen dar.
Welche klinischen Indikationen das Spermiogramm grundsätzlich begründen, erläutert unser Artikel Diagnostik männlicher Infertilität in der Praxis.
Schriftliche Vereinbarung vorab: IGeL-Leistungen müssen schriftlich vereinbart werden, bevor die Leistung erbracht wird. Dies ist im Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) geregelt.
Kein Kopplungsverbot umgehen: IGeL darf nicht mit Kassenleistungen verknüpft werden, die der Patient ohnehin erhalten würde.
Korrekte GOÄ-Abrechnung: Auch IGeL-Leistungen werden nach GOÄ abgerechnet, also über GOÄ 3668.
Preistransparenz: Patienten sind vorab über die voraussichtlichen Kosten zu informieren.
Die Kosten für ein Spermiogramm als Selbstzahlerleistung liegen in der Praxis zwischen 60 und 160 Euro, abhängig von Steigerungsfaktor und zusätzlich erbrachten Leistungen.
Eine Frage, die viele Praxen stellen: Lohnt es sich, das Spermiogramm selbst durchzuführen, oder ist die Einsendung an ein externes Labor wirtschaftlicher?
Keine Investition in Geräte oder Verbrauchsmaterialien
Zeitverlust durch den Probentransport (max. 30 bis 60 Minuten nach Gewinnung)
Ergebnis frühestens am Folgetag
Laboranteil wird vom Honorar abgezogen (Auftragsleistung EBM Kapitel 32)
Ergebnis in 1 bis 6 Minuten direkt in der Praxis
Volle GOÄ/EBM-Vergütung bleibt in der Praxis
Patientenbindung durch sofortige Befundbesprechung
Einmalige Investition in ein Point-of-Care-Analysegerät
Ob ein CASA-System oder ein klassischer Mikroskopie-Arbeitsplatz für Ihre Praxis sinnvoller ist, erläutert unser Artikel Mikroskop vs. CASA-System: Was leisten spezialisierte Analysegeräte?
Wie das Spermiogramm ablauftechnisch korrekt umgesetzt wird, einschließlich Ausstattung und RiliBÄK-Anforderungen, zeigt unser Artikel Spermiogramm durchführen: Ablauf & Ausstattung. Für Praxen mit regelmäßiger andrologischer Diagnostik rechnet sich ein automatisches Spermienanalysegerät in der Regel innerhalb weniger Monate, insbesondere, wenn dadurch auch IGeL-Angebote ausgebaut werden können.
Moderne CASA-Systeme (Computer Assisted Sperm Analysis) ermöglichen eine schnelle, standardisierte und WHO-konforme Analyse der wichtigsten Spermiogramm-Parameter direkt in der Praxis, ohne Probentransport und ohne die zeitlichen Einschränkungen der Laboreinsendung.
Wichtiger Hinweis zur Abrechnung: Ob und über welche Ziffer eine mit einem CASA-Gerät erbrachte Leistung abgerechnet werden kann, hängt vom konkreten Leistungsumfang des jeweiligen Geräts ab. GOÄ 3668 setzt u. a. eine Vitalitätsprüfung und eine morphologische Differenzierung nach Ausstrichfärbung voraus – Parameter, die nicht jedes CASA-System in der geforderten Form abdeckt. Klären Sie die Abrechnungsfähigkeit im Einzelfall mit Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung oder einem Abrechnungsspezialisten.
Ein etabliertes System für die urologische Praxis ist der LensHooke X3 Pro, gelistet auf Diagnoodle. Das Gerät liefert innerhalb von 1 bis 2 Minuten WHO-konforme Ergebnisse zu pH-Wert, Konzentration, Motilität und Morphologie und erstellt einen strukturierten PDF-Befundbericht.
Praxen, die ein bestehendes CASA-System ersetzen möchten, finden die relevanten Bewertungskriterien in unserem Artikel Spermienanalysegerät wechseln: Worauf es beim Vergleich ankommt.
| Situation | Abrechnungsweg | Ziffer |
|---|---|---|
| GKV, Verdacht Sterilität, Genehmigung vorhanden | EBM | 32190 |
| GKV, künstliche Befruchtung, Reproduktionsmediziner | EBM | 08540 |
| Privatpatient, vollständige Analyse | GOÄ | 3668 |
| Privatpatient, keine Erstattung (z. B. ohne Indikation / tarifabhängig) | GOÄ (Selbstzahler) | 3668 |
| GKV ohne Indikation / ohne Genehmigung | IGeL (GOÄ) | 3668 |
| Einfache Motilitätsprüfung (nur Privatpatient) | GOÄ | 3667 |
Die korrekte Abrechnung des Spermiogramms hängt maßgeblich von Versicherungsstatus, Indikation und Genehmigung der Praxis ab. Während im GKV-Bereich klare Vorgaben und Einschränkungen gelten, bietet die GOÄ, insbesondere im IGeL-Kontext, zusätzliche wirtschaftliche Spielräume. Praxen, die die Abrechnungslogik verstehen und gegebenenfalls auf In-house-Analytik setzen, können sowohl ihre Prozesse optimieren als auch ihr Vergütungspotenzial gezielt ausschöpfen.
Nein. Die Abrechnung von Spermiogrammen zu Lasten der GKV setzt eine spezifische Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung voraus. Ohne diese Genehmigung ist das Spermiogramm nur als IGeL-Leistung nach GOÄ 3668 abrechenbar.
Nein. Der Ausschluss ist explizit: Neben GOÄ 3668 sind die Ziffern 3663, 3664 und 3667 nicht berechnungsfähig.
Das ist einzelfallabhängig und variiert je nach Krankenkasse. Eine Kostenübernahme ist möglich, wenn die Untersuchung medizinisch begründet ist; eine verbindliche gesetzliche Regelung existiert nicht. Empfehlenswert ist eine vorherige Abklärung mit der jeweiligen Krankenkasse.
Das lässt sich nicht pauschal bejahen. GOÄ 3668 setzt einen klar definierten Leistungsumfang voraus – darunter Vitalitätsprüfung und morphologische Differenzierung nach Ausstrichfärbung. Ob ein bestimmtes CASA-Gerät diese Anforderungen im Einzelfall erfüllt, hängt von seinem konkreten Funktionsumfang ab und sollte vor der Abrechnung mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung oder einem Abrechnungsspezialisten abgeklärt werden.
Die bereitgestellten Informationen sind ausschließlich für medizinisches Fachpersonal bestimmt. Sie dienen der neutralen, unabhängigen Information über Produkte und Studien im Bereich der In-vitro-Diagnostik. Eine individuelle Beratung oder Empfehlung erfolgt nicht. Alle Inhalte werden sorgfältig geprüft, dennoch übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit.