Laktat-Test: Marktüberblick für Klinik & Praxis

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.

Wer nach einem Laktat-Test sucht, meint selten nur einen Laborparameter. In der Praxis geht es meist um eine ganz konkrete Frage: Welche Laktat-Tests gibt es und welches System ist für meinen Einsatzbereich sinnvoll?

Der Markt reicht von einfachen Tests aus dem Sportbereich bis hin zu professionellen Point-of-Care-Systemen, die in Klinik, Rettungsdienst oder Praxis eingesetzt werden. Diese Systeme unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Messgenauigkeit, Zulassung, Workflow und klinischer Aussagekraft. Genau diese Unterschiede sind entscheidend, wenn Laktat als Entscheidungsparameter genutzt werden soll.

Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über Laktat-Tests, ordnet sie medizinisch ein und zeigt, worauf Gesundheitsfachkräfte bei der Auswahl achten sollten.

Was ist ein Laktat-Test?

Ein Laktat-Test misst die Konzentration von Laktat im Blut. Laktat entsteht im Energiestoffwechsel und wird kontinuierlich gebildet und wieder abgebaut. Erhöhte Werte weisen auf ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Elimination hin, etwa bei eingeschränkter Gewebeperfusion oder erhöhtem metabolischem Stress.

In der Medizin wird der Laktat-Test nicht isoliert betrachtet, sondern als unspezifischer Marker, der Hinweise auf den Schweregrad einer Erkrankung liefern kann. Seine Bedeutung ergibt sich aus der Kombination mit klinischem Bild, Vitalparametern und dem zeitlichen Verlauf.

Warum ist der Laktat-Test klinisch relevant?

Laktat ist in der Akut- und Intensivmedizin ein etablierter Prognoseparameter. Zahlreiche Studien zeigen, dass erhöhte Laktatwerte mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert sind. Dabei ist nicht nur der Einzelwert relevant, sondern insbesondere die Dynamik im Verlauf.

Internationale Leitlinien berücksichtigen diese Bedeutung seit Jahren. In den Surviving Sepsis Campaign Guidelines wird ein Laktatwert > 2 mmol/l als Bestandteil der Definition des septischen Schocks herangezogen. Zusätzlich wird empfohlen, bei initial erhöhtem Laktat eine Verlaufskontrolle durchzuführen.

Für den deutschsprachigen Raum ist besonders relevant, dass im Update 2025 der deutschen S3-Leitlinie „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“ die Messung von Laktat im Blut bei Sepsisverdacht erstmals als neue Empfehlung mit starkem Empfehlungsgrad aufgenommen wurde. Damit ist der Laktat-Test nun auch formal leitliniengestützt Bestandteil der frühen Sepsisdiagnostik.

Laktat-Test am Point of Care

Der klinische Nutzen des Laktat-Tests hängt maßgeblich von der Zeit bis zum Ergebnis ab. In vielen Situationen ist eine schnelle Einschätzung entscheidend, etwa in der Notaufnahme, auf der Intensivstation oder bei akut erkrankten Patient:innen in der Praxis.

Point-of-Care-Systeme ermöglichen es, Laktat direkt am Behandlungsort zu messen und Ergebnisse innerhalb weniger Minuten zu erhalten. Studien zeigen, dass diese Messungen gut mit Laborwerten korrelieren, gleichzeitig aber einen relevanten Zeitvorteil bieten. Auch die S3-Leitlinie weist explizit auf diesen Nutzen hin.

Welche Arten von Laktat-Tests gibt es am Markt?

Wer sich mit dem Thema Laktat-Test beschäftigt, stößt schnell auf sehr unterschiedliche Systeme. Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien unterscheiden.

1. Laktat-Tests aus dem Sport- und Fitnessbereich

Diese Tests werden vor allem zur Trainingssteuerung eingesetzt. Sie sind auf gesunde Anwender:innen und standardisierte Belastungssituationen ausgelegt. Für medizinische Fragestellungen sind sie nicht validiert und erfüllen keine regulatorischen Anforderungen für die In-vitro-Diagnostik.

2. Medizinische Point-of-Care-Laktat-Tests

Diese Systeme sind für den klinischen Einsatz konzipiert. Sie sind IVD-zertifiziert, bieten definierte Messgenauigkeit und sind für diagnostische Entscheidungen geeignet. Typische Einsatzorte sind Notaufnahme, Intensivstation, Rettungsdienst oder ambulante Akutversorgung.

3. Laborbasierte Laktatmessung

Die klassische Labordiagnostik bietet hohe analytische Qualität, ist jedoch mit Transport- und Bearbeitungszeiten verbunden. In zeitkritischen Situationen ist sie daher häufig nachrangig gegenüber POCT-Systemen.

Laktat-Test

Welcher Laktat-Test ist für Klinik oder Praxis sinnvoll?

Die Auswahl eines geeigneten Laktat-Tests hängt weniger vom einzelnen Gerät als vom Einsatzkontext ab.

In der Klinik spielen vor allem Geschwindigkeit, Integration in bestehende Abläufe, Qualitätssicherung und – je nach Bereich – IT-Anbindung eine Rolle. Da Laktat leitlinienrelevant ist, müssen Messergebnisse zuverlässig dokumentiert und reproduzierbar sein.

In der niedergelassenen Praxis steht häufig die schnelle Einschätzung akut erkrankter Patient:innen im Vordergrund. Hier kann ein POCT-Laktat-Test helfen, die Dringlichkeit einer Weiterbehandlung oder Einweisung besser zu beurteilen.

Entscheidend ist in beiden Settings, dass das System:

  • für medizinische Entscheidungen validiert ist

  • präanalytische Fehler minimiert

  • im Alltag praktikabel eingesetzt werden kann

Präanalytik: Ein oft unterschätzter Faktor

Laktat ist ein präanalytisch sensibler Parameter. Verzögerte Messung, starke Stauung oder unsachgemäße Probenhandhabung können zu falsch erhöhten Werten führen. POCT-Systeme reduzieren diese Risiken, da Blutproben unmittelbar nach der Entnahme analysiert werden.

Je nach System und Setting werden kapillares, venöses oder arterielles Blut verwendet. Studien zeigen eine gute Korrelation zwischen kapillären und venösen Werten im Akutkontext, sofern die Präanalytik korrekt durchgeführt wird.

Laktat-Test in der Sepsisdiagnostik

Die enge Verbindung zwischen Laktat und Sepsis erklärt, warum der Parameter inzwischen explizit in Leitlinien verankert ist. Erhöhte Laktatwerte reflektieren häufig eine gestörte Mikrozirkulation und sind mit ungünstigen Verläufen assoziiert.

Die S3-Leitlinie 2025 empfiehlt die frühzeitige Laktatmessung bei Sepsisverdacht und weist darauf hin, dass der Verlauf des Laktatwertes für die Therapiebeurteilung relevant ist. Auch die internationale Leitlinienlage betont die Bedeutung der Verlaufskontrolle bei initial erhöhtem Laktat.

Orientierung im Markt: Warum Vergleichen entscheidend ist

Der Markt für Laktat-POCT-Systeme wächst. Gleichzeitig unterscheiden sich Geräte deutlich in Funktionsumfang, Workflow und Einsatzbereich. Für Anwender:innen ist es oft schwierig, diese Informationen unabhängig und strukturiert zu erhalten.

Digitale Vergleichsplattformen wie Diagnoodle setzen hier an, indem sie verfügbare Laktat-POCT-Systeme systematisch erfassen, relevante Studien bündeln und Filtermöglichkeiten nach Einsatzgebiet, Probenmaterial oder weiteren Kriterien bieten. Für Klinik und Praxis erleichtert das eine evidenzbasierte Auswahl jenseits von Herstellerangaben.

Fazit: Laktat-Test als klinisches Werkzeug – nicht als Einzelwert

Der Laktat-Test ist heute weit mehr als ein ergänzender Laborparameter. Er ist ein etabliertes Werkzeug zur Risikoeinschätzung, Verlaufsbeurteilung und Entscheidungsunterstützung, insbesondere im Rahmen der Point-of-Care-Diagnostik. Mit der Aufnahme in die S3-Sepsisleitlinie 2025 ist seine Bedeutung auch formal gestärkt worden. Für Anwender:innen in Klinik und Praxis bedeutet das: Nicht die Frage ob Laktat gemessen wird, sondern wie und mit welchem System rückt in den Vordergrund. Wer den Markt versteht, die Einsatzbereiche kennt und Systeme strukturiert vergleicht, kann den Laktat-Test gezielt und sinnvoll in den klinischen Alltag integrieren.

Frequently Asked Questions (FAQs) zum Laktat-Test

Welche Laktat-Tests gibt es für den medizinischen Einsatz?

Für den medizinischen Einsatz gibt es vor allem laborbasierte Laktat-Tests und medizinische Point-of-Care-Laktat-Tests. Sport- oder Fitness-Tests sind nicht für diagnostische Entscheidungen validiert und daher für Klinik und Praxis nicht geeignet.

Ein Laktat-Test ist sinnvoll bei akut erkrankten Patient:innen, insbesondere bei Verdacht auf Sepsis, Schock oder relevante Gewebehypoperfusion. Er unterstützt die frühe Risikoeinschätzung und die Verlaufskontrolle unter Therapie.

Der Laktat-Test am Point of Care liefert Ergebnisse innerhalb weniger Minuten direkt am Behandlungsort. Das ermöglicht schnellere klinische Entscheidungen im Vergleich zur zentralen Labordiagnostik, insbesondere in zeitkritischen Situationen.

Laktatwerte über 2 mmol/l gelten im klinischen Kontext als erhöht. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Einzelwert, sondern auch der Verlauf, insbesondere ob sich der Laktatwert unter Therapie senkt.

Ja. In der deutschen S3-Sepsisleitlinie (Update 2025) wird die Messung von Laktat im Blut bei Sepsisverdacht erstmals als starke Empfehlung ausgesprochen. Internationale Leitlinien empfehlen zusätzlich eine Verlaufskontrolle bei initial erhöhtem Laktat.

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