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Ein Chlamydien-Test gehört heute zur Standarddiagnostik bei sexuell übertragbaren Infektionen. Insbesondere im klinischen Alltag gewinnt die Point-of-Care-Diagnostik (POCT) zunehmend an Bedeutung: Schnelle Ergebnisse, unmittelbare Therapieentscheidungen und eine verbesserte Patientensteuerung sprechen für den Einsatz moderner Testsysteme direkt am Behandlungsort.
Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über professionelle Chlamydien-Tests, erläutert die verfügbaren Testverfahren und zeigt, wann NAAT-basierte Point-of-Care-Systeme (Nukleinsäure-Amplifikationstests zum direkten Nachweis der Erreger-DNA) gegenüber der klassischen Labordiagnostik klare Vorteile bieten.
Infektionen mit Chlamydia trachomatis zählen zu den häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit. Ein zentrales Problem ist der oft asymptomatische Verlauf: Ein Großteil der Infektionen bleibt unerkannt und unbehandelt.
Für Kliniken und Praxen bedeutet dies, dass ein zuverlässiger Chlamydien-Test nicht nur bei symptomatischen Patient:innen, sondern auch im Rahmen von Screenings eine entscheidende Rolle spielt. Unbehandelte Infektionen können schwerwiegende Komplikationen verursachen, darunter Infertilität, extrauterine Schwangerschaften oder chronische Unterbauchschmerzen.
Ein Chlamydien-Test dient dem direkten oder indirekten Nachweis von Chlamydia trachomatis. Je nach Testverfahren werden dabei:
bakterielle Nukleinsäuren
spezifische Antigene
oder (selten) kultivierbare Erreger
nachgewiesen.
Als Probenmaterial kommen je nach Setting u. a. Urin, Vaginal-, Zervikal-, Urethral- oder Rektalabstriche zum Einsatz. Ziel ist eine frühzeitige, sichere Diagnose, um zeitnah eine leitliniengerechte Therapie einleiten zu können.
In der professionellen Diagnostik lassen sich drei grundlegende Testkategorien unterscheiden. Jede hat ihren festen Platz, abhängig von Setting, Zeitdruck und klinischer Fragestellung.
Laborbasierte Nukleinsäure-Amplifikationstests (NAATs) gelten als Goldstandard der Chlamydien-Diagnostik. Sie zeichnen sich durch eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität aus und eignen sich sowohl für Screening-Programme als auch für die Akutdiagnostik.
Nachteilig ist die Zeit bis zum Ergebnis: In der Regel vergehen 24 bis 48 Stunden, was Therapieentscheidungen verzögern und das Risiko für Follow-up-Verluste erhöhen kann.
Antigenbasierte Chlamydien-Tests sind Point-of-Care-Schnelltests, die innerhalb weniger Minuten Ergebnisse liefern und kostengünstig sind. Ihre geringere Sensitivität im Vergleich zu NAAT-Verfahren schränkt den Einsatz jedoch deutlich ein.
In professionellen Versorgungsstrukturen sind sie daher nur eingeschränkt geeignet und werden eher in ressourcenlimitierten Settings eingesetzt. Für Screening-Programme oder klinische Entscheidungsfindung sind sie meist nicht ausreichend zuverlässig.
Moderne Point-of-Care-Systeme auf NAAT-Basis verbinden die hohe analytische Qualität der Labordiagnostik mit der Geschwindigkeit eines Vor-Ort-Tests. Ergebnisse liegen häufig innerhalb von 30 bis 90 Minuten vor, bei gleichzeitig hoher diagnostischer Sicherheit.
Damit ermöglichen sie eine Therapieentscheidung im selben Patientenkontakt und schließen die Lücke zwischen klassischer Labordiagnostik und einfachen Schnelltests.
Die Point-of-Care-Diagnostik verändert Abläufe in Klinik und Praxis grundlegend. Ein Chlamydien-Test direkt am Behandlungsort bietet mehrere klinisch relevante Vorteile:
Schnelle Therapieentscheidung noch im selben Patientenkontakt
Reduktion von Lost-to-Follow-up, insbesondere bei jungen Patient:innen
Verbesserte Patientencompliance durch unmittelbare Befundmitteilung
Entlastung externer Labore bei zeitkritischen Fragestellungen
Gerade in Notaufnahmen, gynäkologischen Ambulanzen, STI-Sprechstunden oder urologischen Einrichtungen kann dies die Versorgungsqualität deutlich verbessern.
Ein häufiges Vorurteil gegenüber Point-of-Care-Tests betrifft deren analytische Qualität. Für NAAT-basierte POCT-Systeme gilt dies jedoch nicht: Zahlreiche Studien zeigen Sensitivitäten und Spezifitäten, die vergleichbar mit zentralen Laborverfahren sind (Van Der Pol et al., 2025).
Entscheidend ist die technologische Basis: Während einfache Schnelltests an ihre Grenzen stoßen, liefern molekulare POCT-Systeme robuste und reproduzierbare Ergebnisse – vorausgesetzt, sie werden gemäß Herstellerangaben und Qualitätsrichtlinien eingesetzt.
In der klinischen Praxis treten Chlamydien häufig gemeinsam mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen auf, insbesondere mit Neisseria gonorrhoeae.
Moderne POCT-Systeme ermöglichen daher den gleichzeitigen Nachweis mehrerer Erreger aus einer Probe. Diese Multiplex-Fähigkeit ist nicht nur effizient, sondern auch medizinisch sinnvoll, da Symptome allein keine sichere Differenzierung erlauben und Ko-Infektionen therapeutisch relevant sind (European guideline on the management of Chlamydia trachomatis infections, 2025).
Für den professionellen Einsatz müssen Chlamydien-Tests am Point of Care klar definierte Anforderungen erfüllen. Dazu zählen:
CE-IVD-Konformität gemäß IVDR
Einbindung in bestehende Qualitätsmanagementsysteme
Erfüllung der RiliBÄK-Vorgaben im deutschen Gesundheitswesen
Dokumentations- und IT-Anbindungsmöglichkeiten
Wirtschaftlich betrachtet sind POCT-Systeme zwar mit höheren Kosten pro Test verbunden, können jedoch durch vermeidung von Folgekontakten, schnellere Therapien und effizientere Abläufe indirekt Kosten einsparen.
Der Markt für professionelle Chlamydien POCT-Systeme ist heterogen. Unterschiede bestehen u. a. in Analysezeit, Gerätegröße, Multiplex-Funktionalität und Kostenstruktur.
Eine strukturierte Marktübersicht mit Leistungsdaten, Studien, Produktdokumenten und Preisinformationen erleichtert Kliniken und Praxen die Auswahl eines passenden Systems und unterstützt eine evidenzbasierte Beschaffungsentscheidung.
Die leitliniengerechte Therapie einer Chlamydieninfektion ist gut etabliert. Entscheidend ist jedoch der zeitnahe Therapiebeginn, um Komplikationen und Weiterübertragungen zu vermeiden.
Ein schneller und zuverlässiger Chlamydien-Test – insbesondere am Point of Care – kann hier den entscheidenden Unterschied machen. Ergänzend bleibt die konsequente Partnerdiagnostik und -therapie ein zentraler Bestandteil der Infektionskontrolle.
Ein moderner Chlamydien-Test ist weit mehr als ein diagnostisches Detail. Insbesondere NAAT-basierte Point-of-Care-Tests ermöglichen eine schnelle, sichere und patientennahe Diagnostik, die klinische Abläufe verbessert und Therapieentscheidungen beschleunigt. Für medizinische Einrichtungen, die Wert auf Qualität, Effizienz und evidenzbasierte Versorgung legen, ist die professionelle POCT-Diagnostik heute ein wesentlicher Bestandteil der STI-Versorgung.
NAAT-basierte Tests gelten als Goldstandard, da sie Chlamydia trachomatis mit sehr hoher Sensitivität und Spezifität nachweisen – im Labor wie auch am Point of Care.
Ein POCT-Chlamydien-Test ist sinnvoll, wenn schnelle Ergebnisse für eine sofortige Therapieentscheidung erforderlich sind oder ein Follow-up unsicher ist.
Moderne NAAT-basierte POCT-Systeme erreichen eine diagnostische Genauigkeit, die mit laborbasierten Tests vergleichbar ist.
Ko-Infektionen sind häufig und klinisch relevant, weshalb Multiplex-Tests beide Erreger zuverlässig aus einer Probe nachweisen.
Ein früher Chlamydien Test ermöglicht eine zeitnahe Therapie, reduziert Komplikationen und senkt das Risiko weiterer Übertragungen.
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