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Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über HPV-Tests, ihre diagnostische Aussagekraft sowie die Unterschiede zwischen klassischen Laborverfahren und HPV-Tests am Point of Care, die insbesondere in der dezentralen Versorgung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Moderne Testverfahren ermöglichen den sensitiven Nachweis onkogener HPV-Typen und liefern eine deutlich höhere Aussagekraft als die alleinige zytologische Untersuchung. Für Ärzt:innen, Labore und Entscheidungsträger:innen im Gesundheitswesen stellt sich damit nicht mehr die Frage, ob ein HPV-Test eingesetzt wird, sondern welches Testverfahren unter welchen Bedingungen sinnvoll ist.
Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über HPV-Tests, ihre diagnostische Aussagekraft, Unterschiede zwischen Labor- und Point-of-Care-Testsystemen sowie die klinische Relevanz für Screening, Abklärung und Therapiekontrolle.
Eine Einordnung aller sexuell übertragbaren Infektionen finden Sie im Hauptartikel zu sexuell übertragbaren Krankheiten.
HPV-Tests dienen dem Nachweis einer Infektion mit humanen Papillomviren, insbesondere mit sogenannten Hochrisiko-Typen. Diese Viren sind maßgeblich an der Entstehung von Präkanzerosen und Karzinomen beteiligt, vor allem des Zervixkarzinoms, aber auch von Tumoren im Anal-, Penis- und Oropharynxbereich.
Im Gegensatz zum Pap-Test, der zelluläre Veränderungen beurteilt, weist der HPV-Test die Ursache potenzieller maligner Veränderungen nach. Dadurch eignet er sich besonders für die Früherkennung, da eine HPV-Infektion der zytologischen Veränderung zeitlich vorausgeht.
In der klinischen Praxis haben sich zwei molekulare Testansätze etabliert:
Der HPV-DNA-Test weist virale DNA direkt nach. Er ist hochsensitiv und detektiert auch latente oder frühe Infektionen, bevor morphologische Zellveränderungen sichtbar werden. Aufgrund dieser hohen Sensitivität gilt der HPV-DNA-Test in vielen Screening-Programmen als Referenzmethode.
HPV-mRNA-Tests erfassen die Expression viraler Onkogene (z. B. E6/E7). Sie sind etwas weniger sensitiv, dafür aber spezifischer für klinisch relevante, persistierende Infektionen. In bestimmten klinischen Situationen kann dies zu einer besseren Risikostratifizierung beitragen.
Beide Testarten haben ihre Berechtigung. Die Wahl des Verfahrens hängt vom klinischen Ziel, dem Screening-Konzept und der verfügbaren Infrastruktur ab.
Der HPV-Test wird in unterschiedlichen diagnostischen Situationen eingesetzt:
Primäres Screening asymptomatischer Patientinnen
Co-Testing in Kombination mit Zytologie
Abklärung auffälliger Pap-Befunde
Therapiekontrolle nach Behandlung von Dysplasien
Zahlreiche Studien (Gilham et al., 2019) zeigen, dass HPV-basierte Screening-Strategien eine höhere Sensitivität für hochgradige Läsionen aufweisen als die alleinige Zytologie. Gleichzeitig erfordert die höhere Sensitivität ein strukturiertes Follow-up, um Überdiagnostik zu vermeiden. Neben etablierten Laborverfahren werden HPV-Tests zunehmend auch am Point of Care eingesetzt, etwa in mobilen Screening-Programmen oder Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Zentrallaboren. Point-of-Care-HPV-Tests können hier helfen, Screening-Lücken zu schließen und die Adhärenz zu verbessern.
Neben klassischen Laborverfahren kommen zunehmend Point-of-Care-HPV-Tests zum Einsatz, insbesondere in Settings mit eingeschränktem Zugang zu Zentrallaboren.
| Kriterium | Labordiagnostik | Point-of-Care HPV-Test |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | Zentrallabor, hoher Automatisierungsgrad | Direkt in Praxis, Klinik oder dezentralen Einrichtungen |
| Testmethoden | HPV-DNA- oder HPV-mRNA-Tests | Meist DNA-basierte Tests |
| Zeit bis Ergebnis | Stunden bis Tage | Minuten bis wenige Stunden |
| Sensitivität | Sehr hoch (Referenzstandard) | Systemabhängig, meist etwas geringer |
| Infrastruktur | Laborpersonal, Logistik, IT-Anbindung | Geringerer Infrastrukturbedarf |
| Einsatzgebiete | Screening-Programme, Routinediagnostik | Schnelle Entscheidungen, mobile Settings |
Point-of-Care-HPV-Tests können insbesondere dort Vorteile bieten, wo schnelle Entscheidungen erforderlich sind oder Patient:innen schwer erreichbar sind, etwa in Screening-Bussen, ländlichen Regionen oder bestimmten klinischen Akutsituationen.
Nicht jeder positive HPV-Test ist klinisch gleich relevant. Entscheidend ist die Typisierung:
HPV 16 und 18: Hochrisiko-Typen, verantwortlich für den Großteil der Zervixkarzinome
HPV 31, 33, 45, 52, 58: Weitere onkogene Hochrisiko-Typen
HPV 6 und 11: Niedrigrisiko-Typen, meist mit benignen Läsionen assoziiert
Moderne HPV-Tests differenzieren entweder zwischen Hoch- und Niedrigrisiko-Typen oder identifizieren einzelne Hochrisiko-Genotypen gezielt. Diese Differenzierung ist essenziell für das weitere klinische Management.
Trotz der hohen Aussagekraft des HPV-Tests bleibt die Zytologie ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik. Der Pap-Test ermöglicht die direkte Beurteilung zellulärer Veränderungen und wird häufig ergänzend eingesetzt.
Bei auffälligen Befunden erfolgt die weiterführende Abklärung mittels Kolposkopie und Histologie. Die histopathologische Untersuchung liefert die definitive Diagnose und bildet die Grundlage für therapeutische Entscheidungen.
Ein positiver HPV-Test allein stellt keine Therapieindikation dar. Entscheidend sind Persistenz, Virustyp und begleitende zytologische oder histologische Befunde.
Präkanzerosen werden je nach Schweregrad operativ oder ablativ behandelt
Karzinome erfordern ein stadienabhängiges onkologisches Therapiekonzept
Benigne Läsionen wie Genitalwarzen werden symptomorientiert therapiert
Die Behandlung folgt etablierten Leitlinien und erfolgt interdisziplinär.
Die HPV-Impfung bleibt die wichtigste präventive Maßnahme gegen HPV-assoziierte Erkrankungen. Dennoch ersetzt sie den HPV-Test nicht vollständig, da nicht alle onkogenen Typen abgedeckt sind und viele Erwachsene ungeimpft sind.
Screening mittels HPV-Test bleibt daher auch in geimpften Populationen relevant und trägt maßgeblich zur Reduktion der Krankheitslast bei.
Der HPV-Test ist ein zentrales diagnostisches Instrument in der modernen Präventionsmedizin. Er ermöglicht eine frühe Identifikation von Risikopatient:innen, unterstützt evidenzbasierte Screening-Strategien und ergänzt klassische Verfahren wie die Zytologie sinnvoll. Für die klinische Praxis ist es entscheidend, Testverfahren, Aussagekraft und Limitationen zu kennen, um Ergebnisse korrekt einzuordnen und angemessen zu handeln. Insbesondere HPV-Tests am Point of Care bieten zusätzliche Chancen für eine patientennahe, zeitnahe Diagnostik und können klassische Laborstrukturen sinnvoll ergänzen – vorausgesetzt, ihre Leistungsfähigkeit wird korrekt eingeordnet.
Der HPV-Test weist eine sehr hohe Sensitivität für hochgradige zervikale Läsionen auf und ist der alleinigen Zytologie im Screening überlegen. Er ermöglicht den frühen Nachweis onkogener HPV-Typen, häufig bereits bevor zelluläre Veränderungen sichtbar werden. Aus diesem Grund bildet der HPV-Test in vielen Screening-Programmen die diagnostische Grundlage.
Ein HPV-DNA-Test weist das genetische Material des Virus direkt nach und ist besonders sensitiv, auch für frühe oder latente Infektionen. HPV-mRNA-Tests erfassen die Expression viraler Onkogene und gelten als spezifischer für klinisch relevante, persistierende Infektionen. Welches Testverfahren eingesetzt wird, hängt vom klinischen Ziel und dem jeweiligen Screening-Konzept ab.
Ein HPV-Test wird im Rahmen des Zervixkarzinom-Screenings, bei auffälligen Pap-Befunden, im Co-Testing oder zur Nachsorge nach der Behandlung von Dysplasien eingesetzt. Nationale und internationale Leitlinien definieren die empfohlenen Altersgruppen und Untersuchungsintervalle.
Ja, ein HPV-Test kann auch vorübergehende, klinisch nicht relevante Infektionen nachweisen. Insbesondere bei jüngeren Patientinnen sind transiente HPV-Infektionen häufig. Deshalb ist die Kombination mit zytologischen Befunden sowie ein strukturiertes Follow-up entscheidend für die korrekte klinische Einordnung.
Auch bei geimpften Personen bleibt der HPV-Test relevant, da nicht alle onkogenen HPV-Typen durch die verfügbaren Impfstoffe abgedeckt sind und viele Erwachsene ungeimpft sind. Der HPV-Test bleibt daher ein zentraler Bestandteil der Krebsfrüherkennung und der klinischen Prävention.
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