i-STAT vs. epoc: Blutgasanalyse im Vergleich

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.

Kurzfassung: i-STAT (Abbott) und epoc (Siemens Healthineers) sind etablierte mobilen Blutgassysteme im DACH-Raum. Der zentrale Unterschied: Die gängigste i-STAT-Kartusche (CG8+) misst kein Laktat, dafür ist eine zweite Kartusche (CG4+) nötig. Der epoc misst alle Blutgas-, Elektrolyt- und Metabolitparameter inklusive Laktat auf einer einzigen Testkarte (BGEM). Der i-STAT kann dafür als Multiparameter-Gerät zusätzlich ACT, hochsensitives Troponin I und mehr auf derselben Plattform messen.
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Sie sind auf der Suche nach einem mobilen Blutgasanalysegerät und versuchen zu verstehen, was die wirklichen Unterschiede zwischen i-STAT und epoc sind? In diesem Artikel finden Sie herstellerunabhängige Informationen zu beiden Systemen, sowie weitere Alternativen zu mobilen Blutgasanalysegeräten.

i-STAT1 oder i-STAT Alinity?

Bevor man i-STAT und epoc vergleicht, lohnt sich ein Blick auf die i-STAT-Familie selbst, denn “i-STAT” ist nicht gleich “i-STAT”. Abbott vertreibt aktuell zwei Gerätegenerationen parallel: den etablierten i-STAT1 und den neueren i-STAT Alinity, der als Nachfolger positioniert ist.

Wichtig dabei: Nachfolger bedeutet nicht automatisch ein größeres Parameterspektrum. Der i-STAT1 kann in Summe einige Parameter messen, die auf dem Alinity nicht verfügbar sind. Umgekehrt gilt das Gleiche für den neuesten Zuwachs im Testmenü: Die TBI-Kartusche zur Bestimmung von GFAP und UCH-L1 bei leichtem Schädel-Hirn-Trauma läuft ausschließlich auf dem i-STAT Alinity. Wer sich für ein i-STAT-System interessiert, sollte also nicht nur nach “i-STAT” googeln, sondern konkret klären, welche Parameter auf welcher Gerätegeneration überhaupt verfügbar sind.

Für den Rest dieses Artikels gilt: Der Vergleich mit dem epoc bezieht sich auf den i-STAT im Kontext der Blutgasanalyse, also auf die Kartuschen, die Blutgase, Elektrolyte und Metabolite abdecken, unabhängig davon, ob i-STAT1 oder i-STAT Alinity im Einsatz ist.

Kartuschenprinzip im Vergleich: mehrere Karten vs. eine Testkarte für alles

Der i-STAT ist ein Multiparameter-Gerät. Das heißt konkret: Ein und dasselbe Handheld-Gerät kann je nach eingesetzter Kartusche ganz unterschiedliche Parametergruppen messen, von Blutgasen über Elektrolyte bis zu Gerinnung (ACT) oder hochsensitivem Troponin I. Für die reine Blutgasanalyse ist die gängigste Kartusche die CG8+: Sie deckt unter anderem Glukose, Hämatokrit, Hämoglobin, ionisiertes Kalzium, Kalium, Natrium, pCO2, pH und pO2 ab.

Der Punkt, der in der Praxis häufig übersehen wird: Auf der CG8+ ist kein Laktat enthalten. Wer Laktat mitmessen möchte, braucht zusätzlich die CG4+-Kartusche (Laktat, pCO2, pH, pO2), also eine zweite, separate Kartusche für denselben Patienten mit entsprechend höheren Kosten pro Test und, sofern nicht zwei Geräte parallel messen, auch mit zusätzlichem Zeitaufwand, da die zweite Messung nacheinander statt gleichzeitig erfolgen muss.

Der epoc funktioniert hier grundlegend anders: Die Messung läuft auf einer einzigen Testkarte, der BGEM, die Blutgase, Elektrolyte und Metabolite inklusive Laktat in einem Testvorgang liefert. Wer also standardmäßig bei jeder Blutgasanalyse auch Laktat sehen möchte, spart sich beim epoc die zweite Kartusche.

Probenvolumen und Zeit bis zum Ergebnis

Beim Probenvolumen liegen beide Systeme nah beieinander: Die i-STAT CG8+ benötigt 95 µL Vollblut, die epoc BGEM-Karte 92 µL. In der Praxis macht das kaum einen Unterschied.

Bei der Messzeit lohnt sich ein genauerer Blick. Siemens gibt für den epoc häufig eine Ergebniszeit von unter einer Minute an. Diese Angabe bezieht sich auf die reine Messung, die Kalibrierungszeit, die vor jeder Messung automatisch abläuft, wird dabei in der Regel nicht separat ausgewiesen. Der i-STAT gibt für die CG8+ eine Zeit bis zum Ergebnis von 120 Sekunden an, also rund zwei Minuten. Wer beide Zahlen direkt nebeneinanderstellt, sollte also berücksichtigen, dass sie nicht zwangsläufig denselben Prozessabschnitt beschreiben. In der klinischen Praxis, insbesondere in der Notaufnahme oder im Rettungsdienst, kann der tatsächliche Zeitunterschied zwischen beiden Systemen entsprechend kleiner ausfallen, als die reinen Herstellerangaben suggerieren.

Handling, Verbrauchsmaterial und Mobilität

Ein praktischer Unterschied liegt bei den Verbrauchsmaterialien: Siemens bietet für den epoc eigene, systemabgestimmte Kapillaren an, die direkt beim Hersteller bestellt werden können. Beim i-STAT gehört das passende Zubehör zur Probenentnahme dagegen nicht zum Siemens-typischen Bestellumfang, hier muss sich die Einrichtung selbst um geeignetes Verbrauchsmaterial kümmern. Vor einer Kaufentscheidung lohnt sich daher ein Blick in die jeweils aktuelle Herstellerdokumentation.

Bei Gewicht und Größe sind beide Geräte vergleichsweise kompakt, mobil und akkubetrieben. Der i-STAT ist ein integriertes Handheld-Gerät mit rund 0,84 kg. Der epoc-Reader allein wiegt rund 0,75 kg, zu berücksichtigen ist dabei, dass der epoc technisch aus zwei Komponenten besteht (Reader plus NXS Host Mobilcomputer zur Bedienung und Datenübertragung), sodass das tatsächliche Gesamtgewicht im Praxiseinsatz höher liegen kann als die reine Reader-Angabe. Ein direkter 1:1-Vergleich der Herstellerangaben ist hier nur eingeschränkt möglich.

Auch bei der Lagerung der Testkarten unterscheiden sich die Systeme: Die epoc-Testkarten werden bei Raumtemperatur (15–30 °C) gelagert, eine Kühlkette ist nicht nötig. Die i-STAT CG8+ Kartusche muss dagegen bis zum Verfallsdatum gekühlt bei 2–8 °C gelagert werden; laut Gebrauchsanweisung ist zusätzlich eine Lagerung bei Raumtemperatur (18–30 °C) möglich, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum (laut Kennzeichnung auf der Kartuschenschachtel, z. B. bis zu 2 Monate), danach darf die Kartusche nicht mehr verwendet werden. Hier lohnt sich also ein Blick auf die jeweilige Kartuschenschachtel, da sich die maximale Raumtemperatur-Lagerdauer je nach Charge/Kartuschentyp unterscheiden kann.

Wie relevant Kühlkette und Haltbarkeit im Einsatzalltag tatsächlich sind, schildert Notarzt Dr. Florian Reifferscheid im Interview “POCT in der Notfallmedizin: Was wirklich zählt und was noch fehlt”.

Kosten und IT-Anbindung

Für den i-STAT liegen keine öffentlich verfügbaren Informationen zu Geräte- oder Kartuschenpreisen vor. Beim epoc bewegen sich Händlerpreise nach öffentlich verfügbaren Informationen bei ca. 6 bis 12 Euro pro Testkarte, der epoc-Analyser selbst kostet demnach zwischen ca. 5.000 und 10.000 Euro.

Neben Geräte- und Kartuschenpreisen lohnt sich vor einer Kaufentscheidung ein Blick auf weitere, oft unterschätzte Kostenpunkte: Für beide Systeme fallen regelmäßige Kosten für Qualitätskontrollen an, deren Umfang je nach interner Vorgabe bzw. Akkreditierung variieren kann. Auch die Kosten für die IT-Anbindung an bestehende Kliniksysteme sollten vorab konkret geklärt werden, ebenso wie die Konditionen möglicher Serviceverträge (z.B. Wartung, Ersatzgeräte, Reaktionszeiten bei Störungen). Diese Nebenkosten können sich über die Nutzungsdauer summieren und sollten bei einem Systemvergleich nicht außer Acht gelassen werden.

Für die Anbindung an Kliniksysteme bringt der epoc mit dem POCcelerator ein etabliertes Data-Management-System von Siemens mit. Der i-STAT wird herstellerseitig mit AegisPOC verknüpft, wobei in der Praxis unklar ist, wie verbreitet dieses System tatsächlich im Einsatz ist. Alternativ lässt sich der i-STAT ebenfalls an den POCcelerator anbinden, ein Punkt, der bei der IT-Integration in bestehende Kliniklandschaften relevant sein kann. Bei einer Anbindung sollte explizit im Angebot nach den damit verbundenen Kosten gefragt werden, dieser Punkt sollte nicht außer Acht gelassen werden, denn die Kosten für eine IT-Anbindung können unter Umständen die reinen Anschaffungskosten der Hardware übersteigen.

Wie "gut" sind i-STAT und epoc? Ein Blick in die Studienlage

Die folgende Einordnung basiert auf einzelnen publizierten Studien, die naturgemäß jeweils eigene Settings, Patientenkollektive und Referenzmethoden verwenden. Sie ersetzt keine systematische Metaanalyse und ist als Orientierung, nicht als abschließende Bewertung zu verstehen.

Für Blutgase, Elektrolyte und Laktat zeigen sowohl i-STAT als auch epoc in unabhängigen Studien eine gute Übereinstimmung mit stationären Referenzgeräten (Indrasari et al., 2019; Luukkonen et al., 2016, sowie Nawrocki et al., 2021). Bei Werten über 8 mmol/L Laktat empfiehlt eine Studie eine vorsichtige Interpretation der i-STAT-Ergebnisse (Indrasari et al., 2019).

Bei Hämoglobin berichten beide Systeme Abweichungen gegenüber Labormethoden. Beim epoc wird bei Werten unter 7 g/dL eine zusätzliche Bestätigung per Blutbild innerhalb von 30 Minuten empfohlen (Herman et al., 2019). Für den i-STAT zeigten zwei Studien im Kontext perioperativer Transfusionsentscheidungen, dass die vorab festgelegte Übereinstimmungsgrenze zum Labor nicht erreicht wurde (Brousseau et al., 2025; Miles et al., 2025).

Bei Kreatinin schnitten i-STAT und epoc im direkten Vergleich mehrerer tragbarer Geräte analytisch und klinisch am besten ab, wurden in derselben Studie aber als weniger anwenderfreundlich eingestuft als ein drittes getestetes Gerät (Van der Heijden et al., 2019). Im Vergleich zu großen Laborautomaten (Roche Cobas, Abbott Architect) zeigte sich beim epoc ein systematischer Bias bei der Kreatinin-Messung, weshalb die Studie für Entscheidungen zur Nierenfunktion (z.B. CKD-Staging) eine Bestätigung im Zentrallabor empfiehlt (Mohammed-Ali et al., 2020).

Für beide Systeme ist zudem eine Interferenz durch hochdosiertes Ascorbat (Vitamin C) bei Laktat- und Glukosemessungen dokumentiert, wobei sich die Richtung der Abweichung je nach Gerät unterscheidet (Webber et al., 2026), ein Punkt, der bei Patienten mit entsprechender Supplementierung relevant sein kann.

Die vollständigen Studienübersichten inklusive KI-Zusammenfassungen und Originalquellen finden Sie auf den jeweiligen Diagnoodle-Produktseiten zu i-STAT Alinity und epoc.

Zwei Unternehmen, zwei Hintergründe

Abbott ist ein US-amerikanischer Konzern mit Hauptsitz in Illinois. Siemens Healthineers ist ein deutsches Unternehmen, der globale Konzernsitz liegt in Erlangen. Der epoc selbst hat allerdings nordamerikanische Wurzeln: Er stammt ursprünglich von Epocal Inc., einem kanadischen Unternehmen mit Sitz in Ottawa, das erst 2017 zu Siemens Healthineers kam.

Ein interessanter Fakt zur Historie des epoc: Das Gerät gehörte ursprünglich zu Epocal Inc., einer Tochtergesellschaft von Alere. Als Abbott die Übernahme von Alere plante, sahen US-amerikanische (FTC) und europäische Kartellbehörden ein Problem darin, dass Abbott damit gleichzeitig i-STAT und epoc als die beiden führenden mobilen Blutgassysteme im Portfolio gehabt hätte. Als Auflage für die Genehmigung der Übernahme musste das Epocal-Geschäft samt der epoc-Produktlinie an einen Wettbewerber verkauft werden. Die Wahl fiel auf Siemens Healthineers, das die Übernahme 2017 abschloss. Der i-STAT verblieb bei Abbott.

i-STAT vs. epoc: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

i-STAT (CG8+ / CG4+) epoc (BGEM)
Anbieter Abbott Siemens Healthineers
Prinzip Multiparameter-Plattform, mehrere Kartuschen Eine Testkarte für alle Parameter
Laktat auf Standardkartusche Nein, separate CG4+ nötig Ja, in BGEM enthalten
Zusätzliche Parameter auf derselben Plattform Gerinnungsparameter, kardiologische Paramater, TBI (nur Alinity) Keine über Blutgase/Elektrolyte/Metabolite hinaus
Probenvolumen 95 µL (CG8+) 92 µL
Zeit bis Ergebnis (Herstellerangabe) 120 Sekunden unter 60 Sekunden
Lagerung Testkarten Gekühlt 2–8 °C, zeitlich befristet auch bei Raumtemperatur möglich Raumtemperatur (15–30 °C)
Gewicht 0,84 kg (integriertes Handheld) 0,75 kg (Reader, ohne NXS Host)
Data Management AegisPOC, auch POCcelerator-fähig POCcelerator

Was gibt es noch?

Abbott und Siemens Healthineers sind etablierte, bekannte Namen im DACH-Raum, aber nicht die einzigen Anbieter mobiler Blutgassysteme. Wer sich mit i-STAT und epoc beschäftigt, sollte auch einen Blick auf weniger bekannte Systeme wie den Edan i15, den SG1 von Seamaty oder OPTI CCA-TS2 von Optimedical werfen. Nur weil diese Hersteller in der DACH-Region weniger präsent sind, heißt das nicht, dass sie in der Performance zwangsläufig schlechter abschneiden. Ein herstellerunabhängiger Blick lohnt sich auch hier.

Fazit: Anhand welcher Kriterien lässt sich die Wahl treffen?

Der Hauptunterschied liegt im Parameterspektrum und bei Laktat: Der i-STAT punktet mit mehr Multiparameter-Optionen (z. B. ACT, hs-Troponin I), der epoc mit Laktat direkt in der BGEM-Karte ohne zweite Kartusche. Welches Kriterium schwerer wiegt, hängt von Abteilung und Bedarf ab – ein pauschales “besser” gibt es nicht. Schulung und Präanalytik bleiben in jedem Fall entscheidend für belastbare Ergebnisse.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

i-STAT oder epoc – was ist besser für die Blutgasanalyse?

Ein pauschales “besser” gibt es hier nicht, wohl aber zwei nachprüfbare Unterscheidungsmerkmale: Wer zusätzlich zu Blutgasen regelmäßig Gerinnung (ACT) oder hochsensitives Troponin I auf derselben Plattform benötigt, für den ist das breitere Multiparameter-Spektrum des i-STAT relevant. Wer standardmäßig Laktat auf derselben Kartusche wie die übrigen Blutgaswerte messen möchte, für den bietet der epoc hier einen praktischen Vorteil, da keine zweite Kartusche notwendig ist.

Der i-STAT Alinity ist der Nachfolger des i-STAT1, deckt aber nicht automatisch dasselbe Parameterspektrum ab. Der i-STAT1 kann einige Parameter messen, die auf dem Alinity nicht verfügbar sind, während umgekehrt die neue TBI-Kartusche (GFAP/UCH-L1) ausschließlich auf dem i-STAT Alinity läuft.

Die gängigste Blutgaskartusche des i-STAT, die CG8+, enthält kein Laktat. Für die Laktatmessung ist zusätzlich die CG4+-Kartusche notwendig, was einen zweiten Testvorgang und zusätzliche Kosten bedeutet. Beim epoc ist Laktat dagegen bereits Teil der Standard-Testkarte (BGEM).

Der i-STAT gibt für die CG8+ rund 120 Sekunden bis zum Ergebnis an. Beim epoc wird häufig eine Zeit von unter einer Minute kommuniziert, wobei unklar ist, ob die automatische Kalibrierung in dieser Angabe vollständig enthalten ist. In der Praxis kann der tatsächliche Unterschied zwischen beiden Systemen kleiner ausfallen als die reinen Herstellerangaben vermuten lassen.

Neben den beiden etablierten Systemen von Abbott und Siemens Healthineers sind unter anderem der Edan i15, der Seamaty SG1 sowie Geräte von Opticca am Markt verfügbar. Ein herstellerunabhängiger Vergleich aller gelisteten Blutgassysteme ist auf Diagnoodle verfügbar.

Für beide Systeme zeigen unabhängige Studien für die meisten Blutgas-, Elektrolyt- und Laktatparameter eine gute Übereinstimmung mit Laborreferenzmethoden. Einschränkungen wurden für einzelne Parameter wie Hämoglobin und Kreatinin dokumentiert. Die vollständigen Studien mit Quellenangaben sind auf den jeweiligen Diagnoodle-Produktseiten einsehbar.

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