Mpox-PCR: Point-of-Care-Diagnostik für Klinik & Praxis

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.

Affenpocken sind seit den europaweiten Ausbrüchen im Jahr 2022 wieder verstärkt in den Fokus des Gesundheitswesens gerückt. Die Erkrankung wird heute international als Mpox bezeichnet – eine Umbenennung, die der Entstigmatisierung dient, ohne den medizinischen Kontext zu verändern. In der klinischen Praxis bleibt jedoch eine Frage zentral: Wie lässt sich Mpox sicher und schnell diagnostizieren?

Die Antwort darauf lautet in den meisten Fällen Mpox-PCR. Während die PCR-Diagnostik traditionell im Zentrallabor angesiedelt ist, gewinnen Point-of-Care-Lösungen zunehmend an Bedeutung. Dieser Beitrag ordnet ein, welche Rolle die Mpox-PCR heute spielt, wie sie sich am Point of Care einsetzen lässt und worauf Einrichtungen bei der Auswahl geeigneter Systeme achten sollten.

Von Affenpocken zu Mpox – warum der Name wichtig ist, die Diagnostik aber gleich bleibt

Der Begriff „Affenpocken“ wird zunehmend kritisch gesehen, da er falsche Assoziationen mit Tieren oder bestimmten Bevölkerungsgruppen weckt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt daher die neutrale Bezeichnung Mpox. Medizinisch handelt es sich weiterhin um eine Infektion mit dem Mpox-Virus aus der Familie der Orthopoxviren.

Für die Diagnostik ist diese Umbenennung allerdings unerheblich. Unabhängig vom Namen bleibt der direkte Virusnachweis mittels PCR das verlässlichste Verfahren. Gerade weil Mpox klinisch sehr unterschiedlich verlaufen kann – von klassischen disseminierten Exanthemen bis hin zu einzelnen, lokal begrenzten Läsionen – ist eine laborbasierte Bestätigung unverzichtbar.

Mpox-PCR: Warum sie als diagnostischer Goldstandard gilt

Die Mpox-PCR weist virale DNA direkt im Probenmaterial nach und erlaubt dadurch eine eindeutige Identifikation des Erregers. Im Gegensatz zu serologischen Verfahren oder Antigentests ist sie nicht auf die Immunantwort des Körpers angewiesen, sondern erkennt das Virus selbst.

Das ist insbesondere in frühen Krankheitsstadien entscheidend. Bereits bei geringer Viruslast liefert die Mpox-PCR zuverlässige Ergebnisse mit hoher Sensitivität und Spezifität. Zudem ermöglicht sie eine klare Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen mit ähnlicher Klinik, etwa Herpes-simplex-Infektionen, Varizellen oder bakteriellen Hautinfektionen.

Für Klinik und Praxis bedeutet das: Ohne Mpox-PCR ist eine sichere Diagnosestellung kaum möglich, insbesondere bei atypischen oder milden Verläufen.

Probenmaterial und Aussagekraft: Worauf es bei der Mpox-PCR ankommt

Die Qualität einer Mpox-PCR hängt maßgeblich vom richtigen Probenmaterial ab. In der Regel werden Abstriche aus Hautläsionen verwendet, idealerweise aus frischen Vesikeln oder Pusteln. Auch Krusten können geeignet sein, sofern sie korrekt entnommen und verarbeitet werden.

Andere Probenarten wie Blut oder Speichel spielen in der Routinediagnostik eine untergeordnete Rolle, da die Viruslast dort häufig zu gering ist. Entscheidend ist außerdem der Zeitpunkt der Testung. Früh entnommene Proben erhöhen die diagnostische Sicherheit und verkürzen den Weg zur richtigen klinischen Entscheidung.

Hier zeigt sich bereits ein zentraler Vorteil dezentraler Testsysteme: Je schneller die Probe analysiert wird, desto höher ist ihre Aussagekraft.

Labor oder Point of Care? Zwei Wege zur Mpox-PCR

Traditionell wird die Mpox-PCR im molekularen Zentrallabor durchgeführt. Dort stehen leistungsfähige Thermocycler, automatisierte Workflows und etablierte Qualitätssicherungssysteme zur Verfügung. Für viele Einrichtungen ist dies weiterhin der Standard, insbesondere wenn kein unmittelbarer Zeitdruck besteht.

Gleichzeitig bringt die Labordiagnostik Nachteile mit sich. Proben müssen transportiert werden, Ergebnisse liegen häufig erst nach ein bis mehreren Tagen vor. In Notaufnahmen, STI-Ambulanzen oder bei Ausbruchsgeschehen kann diese Verzögerung problematisch sein.

An dieser Stelle setzt die Point-of-Care-Diagnostik an. Moderne molekulare Systeme ermöglichen PCR-nahe Tests direkt vor Ort. Ergebnisse stehen oft innerhalb von 30 bis 60 Minuten zur Verfügung und erlauben schnelle Entscheidungen zu Isolation, Weiterleitung oder Therapie.

Affenpocken Mpox

Technologien hinter der Mpox-PCR am Point of Care

Da klassische PCR-Geräte für den dezentralen Einsatz ungeeignet sind, kommen am Point of Care alternative Technologien zum Einsatz. Viele Systeme arbeiten mit isothermen Amplifikationsverfahren, bei denen keine aufwendigen Temperaturzyklen notwendig sind. Andere kombinieren Amplifikation mit innovativen Nachweismechanismen, etwa CRISPR-basierten Technologien.

Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass sie auf kompakte Geräte, geschlossene Kartuschensysteme und einfache Bedienung setzen. Dadurch können sie auch von Personal ohne molekularbiologische Spezialausbildung eingesetzt werden. Studien zeigen, dass einige dieser Systeme eine diagnostische Qualität erreichen, die der klassischen PCR sehr nahekommt (Romero-Ramirez et al., 2025).

Für Einrichtungen ist jedoch wichtig zu prüfen, welche Tests tatsächlich für Mpox validiert sind und wie belastbar die zugrunde liegenden Studiendaten sind.

Mpox-PCR am Point of Care: Wo sie echten Mehrwert bietet

Der Einsatz einer Mpox-PCR am Point of Care ist besonders dort sinnvoll, wo schnelle Entscheidungen erforderlich sind. Dazu zählen Notaufnahmen mit hohem Patientendurchsatz ebenso wie dermatologische Ambulanzen oder STI-Schwerpunktpraxen. Auch periphere Kliniken ohne tägliche Laboranbindung profitieren von dezentraler Diagnostik.

In Ausbruchssituationen kann eine schnelle PCR-Diagnose helfen, Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen. Gleichzeitig ersetzt die Point-of-Care-PCR nicht zwangsläufig das Zentrallabor, sondern ergänzt es sinnvoll. Entscheidend ist eine klare Definition der Einsatzszenarien.

Regulatorische und organisatorische Aspekte nicht vergessen

So attraktiv schnelle Diagnostik auch ist, sie unterliegt denselben regulatorischen Anforderungen wie Labortests. Mpox ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz und in Österreich nach dem Epidemiegesetz meldepflichtig. Ergebnisse müssen zuverlässig dokumentiert und übermittelt werden.

Darüber hinaus spielen Qualitätssicherung, Schulung des Personals und IT-Anbindung eine wichtige Rolle. Systeme ohne geeignete Schnittstellen können im klinischen Alltag schnell an ihre Grenzen stoßen.

Fazit: Mpox-PCR zwischen Goldstandard und neuer Flexibilität

Die Mpox-PCR bleibt der diagnostische Goldstandard bei Affenpocken. Sie ist unverzichtbar für eine sichere Abklärung und klare Differenzialdiagnostik. Während die Labordiagnostik weiterhin eine tragende Rolle spielt, eröffnen Point-of-Care-Lösungen neue Möglichkeiten für eine schnellere und patientennahe Versorgung. Für Kliniken, Praxen und Beschaffungsverantwortliche bedeutet das, diagnostische Anforderungen, Zeitfaktoren und organisatorische Rahmenbedingungen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Wer Mpox-PCR gezielt einsetzt, kann nicht nur Abläufe beschleunigen, sondern auch die Versorgungsqualität nachhaltig verbessern.

Frequently Asked Questions (FAQs) zur Mpox-PCR

Wie wird Mpox (Affenpocken) sicher diagnostiziert?

Die sichere Diagnostik von Mpox erfolgt über den direkten Nachweis viraler DNA mittels Mpox-PCR. Klinische Symptome allein reichen nicht aus, da sie unspezifisch sein können und sich mit anderen Haut- oder Virusinfektionen überschneiden. Die PCR ermöglicht eine eindeutige Bestätigung der Infektion.

Für die Mpox-PCR werden in der Regel Abstriche aus Hautläsionen verwendet, insbesondere aus Vesikeln, Pusteln oder Krusten. Die Qualität der Probe ist entscheidend für die Aussagekraft des Ergebnisses. Andere Materialien wie Blut oder Speichel spielen in der Routinediagnostik eine untergeordnete Rolle.

Point-of-Care-Systeme für die Mpox-PCR liefern Ergebnisse meist innerhalb von 30 bis 60 Minuten. Damit ermöglichen sie eine deutlich schnellere Diagnosestellung als der Versand ins Zentrallabor und unterstützen zeitnahe Entscheidungen zu Isolation und Weiterbehandlung.

Ja, moderne molekulare Point-of-Care-Systeme erreichen eine diagnostische Qualität, die der klassischen PCR sehr nahekommt. Sie basieren auf isothermen Amplifikationsverfahren oder kartuschenbasierten Technologien und sind besonders für Einrichtungen mit Bedarf an schneller Vor-Ort-Diagnostik geeignet.

Eine Mpox-PCR am Point of Care ist besonders sinnvoll in Notaufnahmen, dermatologischen Ambulanzen, STI-Schwerpunktpraxen oder bei Ausbruchsgeschehen. Überall dort, wo schnelle Entscheidungen erforderlich sind und eine verzögerte Labordiagnostik Nachteile hätte, bietet die dezentrale PCR einen klaren Mehrwert.

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