PCT-Test am Point of Care: Wann Procalcitonin sinnvoll ist

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.

Der PCT-Test hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Biomarker in der Akut- und Infektionsdiagnostik entwickelt. Besonders im Point-of-Care-Testing (POCT) spielt Procalcitonin eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, bakterielle Infektionen frühzeitig zu erkennen, Therapieentscheidungen zu treffen und den Antibiotikaeinsatz evidenzbasiert zu steuern.

Doch was genau misst ein PCT-Test? Wann ist Procalcitonin dem CRP überlegen? Und worauf sollten Einrichtungen achten, wenn sie ein PCT-POCT-Gerät auswählen?

Dieser Artikel richtet sich gezielt an Ärzt:innen, Intensivmediziner:innen, Notfallmediziner:innen, Laborverantwortliche und Einkaufsteams, die sich fundiert mit der Procalcitonin-Diagnostik am Point of Care auseinandersetzen möchten.

Was ist ein PCT-Test?

Der PCT-Test misst die Konzentration von Procalcitonin im Blut. Procalcitonin ist ein Vorläuferhormon von Calcitonin, das unter physiologischen Bedingungen kaum nachweisbar ist. Bei systemischen bakteriellen Infektionen steigt der PCT-Wert jedoch rasch und deutlich an.

Wesentliche Eigenschaften von Procalcitonin:

  • steigt innerhalb von 2 bis 4 Stunden nach bakterieller Infektion

  • korreliert mit Schweregrad und Verlauf der Infektion

  • wird nicht signifikant durch virale Infekte oder nicht-infektiöse Entzündungen beeinflusst

  • eignet sich zur Therapiesteuerung und Verlaufsbeobachtung

Genau diese Eigenschaften machen den PCT-Test besonders wertvoll für zeitkritische klinische Entscheidungen.

Warum ist der PCT-Test im Point of Care so relevant?

In zeitkritischen klinischen Situationen entscheidet nicht nur die richtige Diagnose, sondern vor allem der Zeitpunkt, zu dem sie gestellt wird. Genau hier zeigt der PCT-Test am Point of Care seine Stärke. Während zentrale Laborprozesse – abhängig von Infrastruktur und Auslastung – oft mit relevanten Verzögerungen verbunden sind, liefert POCT Ergebnisse direkt dort, wo sie benötigt werden: am Patientenbett.

Gerade in Notaufnahmen, auf Intensivstationen oder bei instabilen Patient:innen ermöglicht der unmittelbare Zugriff auf den Procalcitonin-Wert eine schnellere klinische Einschätzung. Die Information, ob eine bakterielle Infektion wahrscheinlich ist oder nicht, fließt unmittelbar in therapeutische Entscheidungen ein – insbesondere in die Frage, ob eine antibiotische Therapie begonnen, fortgeführt oder kritisch hinterfragt werden sollte.

Der Mehrwert des PCT-Tests liegt dabei nicht allein in der Geschwindigkeit, sondern in der Kombination aus schneller Verfügbarkeit und hoher diagnostischer Aussagekraft. Diese Kombination macht Procalcitonin zu einem der wenigen Marker, die sich tatsächlich für eine dezentrale Akutdiagnostik eignen.

PCT-Test vs. CRP-Test: Wo liegt der klinisch relevante Unterschied?

In der Praxis stellt sich häufig nicht die Frage, ob ein Entzündungsmarker bestimmt werden soll, sondern welcher. Der Vergleich zwischen PCT-Test und CRP-Test ist daher besonders im Kontext der POCT-Diagnostik relevant.

CRP ist ein etablierter, aber unspezifischer Entzündungsmarker. Der Wert steigt verzögert an und kann sowohl bei bakteriellen als auch bei viralen oder nicht-infektiösen Entzündungen erhöht sein. Für differenzierte Therapieentscheidungen ist CRP daher nur eingeschränkt geeignet.

Der PCT-Test reagiert deutlich schneller und ist wesentlich spezifischer für bakterielle Infektionen. Procalcitonin bleibt bei viralen Infekten meist niedrig und eignet sich dadurch besser zur Steuerung der Antibiotikatherapie. Dies zeigen auch aktuelle Studiendaten: In der randomisierten ADAPT-Sepsis-Studie konnte eine PCT-gesteuerte Strategie die Dauer der Antibiotikatherapie signifikant reduzieren, ohne das klinische Outcome zu verschlechtern – ein Effekt, der für CRP nicht in vergleichbarem Maß beobachtet wurde.

Kurz gesagt: CRP zeigt Entzündung an, der PCT-Test unterstützt die Entscheidung, ob eine bakterielle Infektion vorliegt und Antibiotika sinnvoll sind.

Klinische Einsatzgebiete des PCT-Tests

Der PCT-Test ist heute fest in zahlreichen klinischen Algorithmen verankert. Besonders in der Akutmedizin dient er nicht als isolierter Laborwert, sondern als Bestandteil einer ganzheitlichen klinischen Bewertung.

Ein klassisches Einsatzgebiet ist die Sepsis-Diagnostik. Hier erlaubt Procalcitonin sowohl eine frühe Risikostratifizierung als auch eine Verlaufsbeurteilung unter Therapie. Auch in der Notaufnahme wird der PCT-Test häufig bei Patient:innen mit Fieber unklarer Genese eingesetzt, um frühzeitig zwischen bakteriellen und nicht-bakteriellen Ursachen zu unterscheiden.

Darüber hinaus spielt Procalcitonin eine wichtige Rolle bei der Diagnostik von Pneumonien, bei postoperativen Infektionen sowie bei der Verlaufskontrolle auf Intensivstationen. Besonders relevant ist dabei der serielle Einsatz: Sinkende PCT-Werte werden als Hinweis auf ein Therapieansprechen interpretiert und unterstützen die Entscheidung, Antibiotika frühzeitig zu deeskalieren oder abzusetzen.

PCT-Test

PCT-Test am Point of Care: Geräte und Systemkonzepte

Mit der wachsenden Bedeutung von Procalcitonin hat sich auch das Angebot an POCT-Systemen für den PCT-Test deutlich erweitert. Die verfügbaren Lösungen unterscheiden sich weniger im grundsätzlichen Messprinzip als vielmehr in ihrem Einsatzkonzept.

In vielen Kliniken kommen kompakte Tischgeräte zum Einsatz, die fest in der Notaufnahme oder auf Intensivstationen installiert sind. Sie bieten eine hohe analytische Qualität und lassen sich häufig in bestehende IT-Strukturen integrieren. Daneben gewinnen mobile POCT-Systeme zunehmend an Bedeutung, da sie flexibel einsetzbar sind und kurze Messzeiten ermöglichen.

Ein klarer Trend geht außerdem in Richtung Multiparameter-Plattformen, bei denen der PCT-Test nicht isoliert betrachtet wird. Die Kombination mit weiteren Akutmarkern erlaubt eine effizientere Nutzung der Geräte und unterstützt klinische Workflows, ohne zusätzliche Systeme vorhalten zu müssen.

Auswahl eines PCT-POCT-Systems: Was ist wirklich entscheidend?

Bei der Entscheidung für ein bestimmtes PCT-POCT-System sollten Einrichtungen nicht ausschließlich auf technische Spezifikationen achten. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie gut sich das System in den klinischen Alltag integrieren lässt.

Eine hohe analytische Qualität ist Grundvoraussetzung, insbesondere im niedrigen Messbereich, der für Therapieentscheidungen relevant ist. Darüber hinaus spielen Aspekte wie einfache Handhabung, kurze Schulungszeiten und eine zuverlässige Ergebnisdokumentation eine zentrale Rolle. Gerade im klinischen Alltag zeigt sich, dass ein gut integriertes System langfristig erfolgreicher ist als eine technisch perfekte, aber schwer handhabbare Lösung.

Auch wirtschaftliche Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Neben den Kosten pro Test sind Wartung, Verbrauchsmaterialien und Skalierbarkeit entscheidende Faktoren, insbesondere wenn der PCT-Test in größerem Umfang eingesetzt werden soll.

Fazit: Der PCT-Test als Entscheidungsmarker am Point of Care

Der PCT-Test am Point of Care ermöglicht eine schnelle und spezifische Einschätzung bakterieller Infektionen direkt im klinischen Alltag. Im Vergleich zu CRP unterstützt Procalcitonin fundierte Therapieentscheidungen, insbesondere bei Sepsis und Antibiotikasteuerung. Richtig eingesetzt verbessert der PCT-Test die Entscheidungsqualität dort, wo Zeit eine entscheidende Rolle spielt.

Frequently Asked Questions (FAQs)

Was ist ein PCT-Test?

Ein PCT-Test misst den Blutwert von Procalcitonin, einem Biomarker, der bei bakteriellen Infektionen früh und spezifisch ansteigt.

Der PCT-Test ist besonders sinnvoll bei Verdacht auf bakterielle Infektionen, Sepsis und zur Steuerung von Antibiotikatherapien, insbesondere im Akutbereich.

CRP zeigt unspezifische Entzündungen an, während der PCT-Test gezielt bakterielle Infektionen widerspiegelt und früher reagiert.

Am Point of Care liefert der PCT-Test schnelle Ergebnisse direkt am Patientenbett und ermöglicht zeitnahe Therapieentscheidungen ohne Verzögerung durch das Zentrallabor.

Ja. Der PCT-Test wird häufig eingesetzt, um unnötige oder zu lange Antibiotikatherapien zu vermeiden und evidenzbasiert zu beenden.

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