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Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an medizinische Fachkreise.
Der pH-Wert im Blut ist einer der zentralen Parameter der Blutgasanalyse und liefert essenzielle Informationen über den Säure-Basen-Haushalt des Körpers. Bereits geringe Abweichungen können die Funktion von Enzymen, Elektrolyten, Herz, Lunge und Gehirn beeinträchtigen und sind häufig ein frühes Warnsignal bei kritisch kranken Patient:innen.
In diesem Artikel erfahren Sie, was der pH-Wert physiologisch bedeutet, welche Normwerte gelten, wie Azidose und Alkalose klinisch eingeordnet werden, wie ein pH-Test durchgeführt wird und welche Rolle der pH-Wert als Point-of-Care-Parameter spielt. Außerdem zeigen wir, wie passende Blutgasanalysatoren strukturiert verglichen werden können.
Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Die Abkürzung pH steht für den negativen dekadischen Logarithmus der Wasserstoffionenaktivität (potentia Hydrogenii) und gibt damit an, wie viele freie Wasserstoffionen (H⁺) in einer Lösung vorhanden sind. Je höher die Konzentration der Wasserstoffionen, desto saurer ist das Milieu.
Im Blut ist dieser Wert extrem eng reguliert, da viele biochemische Prozesse nur in einem sehr kleinen pH-Bereich optimal ablaufen. Der pH-Wert wird logarithmisch gemessen: Eine Änderung um 0,1 entspricht bereits einer relevanten Verschiebung der Wasserstoffionenkonzentration und damit einer messbaren Veränderung des physiologischen Gleichgewichts.
Im arteriellen Blut liegt der physiologische pH-Wert bei 7,35 bis 7,45. Dieser Bereich wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus Puffersystemen, Lunge und Niere stabil gehalten. Bereits leichte Abweichungen können klinisch relevant sein, ausgeprägte Störungen sind potenziell lebensbedrohlich.
Ein pH-Test im Blut erfolgt im klinischen Alltag fast ausschließlich im Rahmen der Blutgasanalyse (BGA). Dabei wird der pH-Wert elektrochemisch über eine Glaselektrode gemessen. Moderne Blutgasanalysatoren liefern den Wert innerhalb weniger Sekunden direkt am Point of Care.
Der große Vorteil: Der pH-Wert wird nicht isoliert bestimmt, sondern gemeinsam mit pCO₂, pO₂, Elektrolyten, Laktat, Hämoglobin und weiteren Parametern. Erst diese Kombination erlaubt eine sichere Beurteilung der Ursache einer Störung.
Für die Bestimmung des Säure-Basen-Status im Blut stehen unterschiedliche Probenmaterialien zur Verfügung, die sich in Aussagekraft und klinischer Relevanz unterscheiden. Der Goldstandard ist die Messung aus arteriellem Blut, da sie den tatsächlichen Säure-Basen-Status des Organismus am zuverlässigsten widerspiegelt. Sie wird insbesondere bei kritisch kranken Patient:innen eingesetzt, wenn therapeutische Entscheidungen unmittelbar davon abhängen.
Die venöse pH-Messung kann zur Verlaufskontrolle genutzt werden, etwa bei stabilen Patient:innen oder zur Trendbeurteilung. Absolute Werte sind jedoch nur eingeschränkt mit arteriellen Ergebnissen vergleichbar, weshalb sie sich nicht zur initialen Diagnostik schwerer Störungen eignet.
Kapillarblut wird vor allem in der Pädiatrie oder Neonatologie verwendet. Es erlaubt eine weniger invasive Probenentnahme, ist jedoch deutlich anfälliger für präanalytische Fehler und muss sorgfältig interpretiert werden.
Der physiologische pH-Status des arteriellen Blutes liegt zwischen 7,35 und 7,45. Venöse Werte sind geringfügig niedriger, kapilläre Werte bewegen sich in einem ähnlichen Bereich, können jedoch stärker schwanken. Abweichungen vom Normbereich weisen auf eine Störung des Säure-Basen-Haushalts hin und sind immer im Zusammenhang mit den übrigen Blutgasparametern zu bewerten.
Ein pH-Status unter 7,35 wird als Azidose bezeichnet. Man unterscheidet zwischen respiratorischen und metabolischen Ursachen. Bei der respiratorischen Azidose liegt das Problem in einer unzureichenden CO₂-Abatmung, wie sie beispielsweise bei COPD, schweren Asthmaanfällen, Atemdepression oder Beatmungsstörungen auftritt.
Die metabolische Azidose entsteht hingegen durch eine vermehrte Säurelast oder einen Verlust von Bicarbonat. Typische Ursachen sind Laktatazidose bei Sepsis oder Schock, Nierenversagen, diabetische Ketoazidose oder schwere Durchfälle. Klinisch können Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Bewusstseinsstörungen und Organversagen die Folge sein.
Ein pH-Status über 7,45 wird als Alkalose bezeichnet. Die respiratorische Alkalose entsteht meist durch Hyperventilation, etwa bei Schmerz, Angst, Sepsis oder Überbeatmung. Die metabolische Alkalose ist häufig Folge von Erbrechen, Magensonden, Diuretikatherapie, Hypokaliämie oder einer übermäßigen Zufuhr von Bicarbonat.
Auch eine Alkalose ist klinisch relevant und kann neurologische Symptome, Parästhesien, Krampfanfälle oder Herzrhythmusstörungen verursachen.
Der Säure-Basen-Status ist stets das Ergebnis mehrerer gegenläufiger Regulationsmechanismen. Ohne die gleichzeitige Betrachtung von pCO₂, HCO₃⁻, Base Excess und Laktat ist keine zuverlässige Ursachenanalyse möglich. Ein scheinbar normaler pH-Wert kann eine vollständig kompensierte Störung verschleiern, während ein pathologischer pH-Wert oft nur das Endresultat komplexer Prozesse darstellt. Deshalb ist der pH-Wert immer Teil einer vollständigen Blutgasanalyse.
Wer regelmäßig pH-Tests im Blut durchführt, steht vor der Wahl des passenden Systems. Mobile und stationäre BGA-Geräte unterscheiden sich unter anderem in Messprinzip, Wartungsaufwand, Kartuschenkonzept, IT-Anbindung (z. B. HL7, POCT1-A) und Kostenstruktur.
Auf www.diagnoodle.com können Sie Blutgasanalysatoren gezielt filtern und vergleichen, inklusive technischer Daten, verfügbarer Studien, Dokumente und Herstellerinformationen. So wird die Auswahl eines passenden Systems transparent und evidenzbasiert unterstützt.
Der pH-Wert im Blut ist ein hochsensibler Marker für den Säure-Basen-Haushalt und ein unverzichtbarer Bestandteil der Blutgasanalyse. Sowohl Azidosen als auch Alkalosen können rasch lebensbedrohlich werden und erfordern eine schnelle, präzise Diagnostik. Der pH-Test am Point of Care liefert dafür die notwendige Geschwindigkeit – Diagnoodle unterstützt Sie dabei, das passende Diagnostiksystem zu finden.
Der arterielle pH-Wert liegt physiologisch zwischen 7,35 und 7,45.
Der pH-Wert wird im Rahmen der Blutgasanalyse mittels Elektrode bestimmt.
Ein niedriger pH-Wert weist auf eine Azidose hin, z. B. bei Sepsis oder Atemversagen.
Ein pH-Test ist die Bestimmung des Säuregrades, im klinischen Alltag meist als Teil der Blutgasanalyse.
Ein pH-Meter misst nur den pH-Wert. Ein BGA-Gerät liefert zusätzlich pO₂, pCO₂ und weitere Parameter für die klinische Bewertung.
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